Digitale Planspiele zur Stärkung von systemischem Denken und Entscheidungsverhalten

Klassische und agile Planspiele simulieren oft lineare Projektverläufe mit definierten Rollen und klaren Abläufen. Doch viele Projekte scheitern nicht an der Methodik, sondern an komplexen Dynamiken: unerwartete Wechselwirkungen, fehlende Systemübersicht, widersprüchliche Erwartungen und Veränderungsdruck auf mehreren Ebenen.

Hier setzen spezielle Planspiele an, die nicht nur Methoden trainieren, sondern Denken verändern. Sie fördern die Fähigkeit, vernetzt zu analysieren, Wechselwirkungen zu erkennen und Entscheidungen nicht isoliert, sondern kontextbezogen zu treffen. In diesem Beitrag stellen wir drei digitale Lernformate vor, die systemisches Denken und kontextbezogene Entscheidungsfindung im Projektmanagement gezielt stärken– ideal für Führungskräfte, Coaches und Projektverantwortliche, die Projekte im Wandel steuern.

1. StarsEngines – Systemisch handeln im komplexen F&E-Projektumfeld

Anbieter: Prof. Dr. Siegfried G. Zürn

 Bei staatlichen HS kann es ggf als Partnerschaft mit HS Esslingen erfolgen, oder auch frei als Spiel ohne Unterstützung. Im Lizenzfall über iCONDU bzw. mich, daher Anbieter nicht die HS

Kurzbeschreibung:
StarsEngines ist eine digitale Simulation, die auch mit haptischen Elementen ergänzt werden kann, die Teilnehmende in ein komplexes F&E-Projekt der Automobilindustrie versetzt. Ziel ist es, ein hybrides Steuergerät zu entwickeln – unter realitätsnahen Bedingungen wie Ressourcenengpässen, Zielkonflikten der Stakeholderinteressen und technischen Rückschlägen. Jede Entscheidung beeinflusst das Gesamtsystem: Teamdynamik, Terminplan, Budget, Qualität und Zufriedenheit.

Für nicht technisch ausgerichtete PM-Trainings gibt es weitere Cases, die auf der gleichen Spielkonzeption und -mechanik basieren:

  • „EcoTea Lanka“ – Einführung eines ökologisch angebauten und CO2-frei produzierten Tea-Produktlinie
  • „SkEYEline“ – Infrastrukturprojekt zum Training der Interdependenzen des commercial und technical project managements

Weitere individuelle Cases können auf Anfrage relativ kurzfristig erstellt werden.

Einsatzbereich:
Strategische Projektsteuerung, Systemisches Denken, Interdisziplinäre Teamarbeit

Zielgruppe:
Universitäten: insb. in PM-Programmen, MBA-Programme, Unternehmen (Projekt Kick-off), Trainerinnen und Trainer in Talent- und Führungskräfteentwicklung

Zeitbedarf:
3 – 8 Stunden (je nach Intensität der Schulung und Reflexion)

Gruppengröße:
3 bis 6 Personen pro Team, 1 – 4 Teams je Moderator

Technik:
Digital spielbar (Online, Präsenz (mit haptischen Elementen), Hybrid); Szenarien, Dashboards und Anleitungsmaterial inklusive

Trainerhinweis:
Die Spielleitung erfolgt auf Basis des impactation®-Modells. Eine kurze Einführung und Micro-Debriefings nach jeder Runde sind essenziell. In der Abschlussreflexion (ca. 30–45 Min) werden Projektverlauf, Muster und Handlungskonsequenzen gemeinsam analysiert.

Lizenz:
Kostenfrei für staatliche Bildungseinrichtungen; Lizenzmodell für private Bildungseinrichtungen und Unternehmen

2. TeamSpark (Systeams) – Organisation verstehen durch Simulation

Anbieter: Systeams GmbH

Kurzbeschreibung:
SysTeamsChange ist eine systemisch angelegte Simulation, in der Projektverläufe nicht linear ablaufen, sondern durch organisationale Dynamiken beeinflusst werden. Die Teilnehmenden erleben, wie sich kleine Entscheidungen über Rückkopplungen und Nebenwirkungen auf das Gesamtsystem auswirken und wie scheinbar rationale Steuerungsversuche unerwartete Probleme erzeugen.

Einsatzbereich:
Systemisches Projektverständnis, Changemanagement, Führungstrainings

Zielgruppe:
Erfahrene Projektleitungen, Change Manager, Coaches, Organisationsentwickelnde

Zeitbedarf:
4 bis 8 Stunden (je nach Tiefe der Simulation und Reflexion)

Gruppengröße:
5 bis 15 Personen

Technik:
Digitale Plattform, Durchführung mit zertifizierten Trainerinnen und Trainern oder über Anbieterteam

Trainerhinweis:
Voraussetzung ist ein gutes Grundverständnis systemischer Zusammenhänge. Die Rolle der Moderation ist entscheidend: weniger Steuerung im Spiel, mehr Begleitung im Denken. Die Reflexion erfolgt oft auf organisationaler Ebene, etwa zur Frage, wie sich Strukturen und Kultur auf Projektverläufe auswirken.

Lizenz:
Preis auf Anfrage, Durchführung meist im Rahmen gebuchter Trainings

3. Project Assessment Canvas – Projektbewertung strukturiert reflektieren 

Anbieter: Getoq Training and Media GmbH

Kurzbeschreibung:
Das Project Assessment Canvas ist kein klassisches Planspiel, sondern ein strukturiertes Reflexionstool, mit dem eine reales abgeschlossenes Projekt über alle Phasen hinweg reflektiert werden kann. Es ermöglicht eine systematische Bewertung von Projektauftrag, Planungsphase und Durchführung eines Projekts und eröffnet so umfangreiche Diskussionen im Sinne des Lessons Learned. Teams diskutieren entlang definierter Projektphasen und -aufgaben und erarbeiten Empfehlungen für das Vorgehen in zukünftigen Projekten.

Einsatzbereich:
Projektreflexion, Projektstart, Entscheidungsfindung

Zielgruppe:
Projektleitungen, Führungskräfte, Projektnachwuchskräfte

Zeitbedarf:
4 Stunden im Rahmen eines Trainingstages

Gruppengröße:
bis 16 Personen in 4 Teams, auch in Kleingruppen nutzbar

Trainerhinweis:
Das Tool bedarf umfangreicher Vorarbeiten, da ein reales Projektbeispiel detailliert aufbereitet werden sollte.

Fazit

Die vorgestellten Formate adressieren ein Lernziel, das im Projektmanagement häufig unterschätzt wird: systemisches Denken und kontextbezogene Entscheidungsfindung. StarsEngines und TeamSpark machen komplexe Wechselwirkungen in Projekten erlebbar und zeigen, wie stark Entscheidungen auf Struktur, Dynamik und Ergebnis wirken.
Das Project Assessment Canvas ergänzt diese Perspektive als strukturiertes Reflexionsinstrument und unterstützt dabei, Projekterfahrungen systematisch auszuwerten und in zukünftige Entscheidungen zu überführen. Gemeinsam bieten die Formate wirkungsvolle Lernräume für Projektverantwortliche, die Projekte unter Unsicherheit steuern und komplexe Zusammenhänge besser verstehen wollen.

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Autoren

Prof. Dr. Siegfried Zürn, Professor für Operations Management und Direktor International Centre and Graduate School der Hochschule Esslingen mit Schwerpunkten Qualitäts-, Lean- und Projektmanagement, Planspielentwickler.

Siegfried.Zuern@hs-esslingen.de

Claudia Stöhler ist Lehrbeauftragte an Hochschulen in Ulm, Augsburg, München, und freiberufliche Beraterin für Logistik und Projektcoach und GPM Fachgruppenleitung PM an Hochschulen.

info@stoehler.eu