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Projekt-Fails mit Aha-Effekt: Der Elbtower in Hamburg. Hoch hinaus, tief gefallen

Beim Elbtower irritiert vor allem eines: Wie kann ein Projekt so sichtbar wachsen und zugleich so unsicher sein? Genau das macht den Fall spannend. Der Turm sollte ein neues Wahrzeichen für Hamburg werden, ein Symbol für Wachstum und eines der höchsten Gebäude Deutschlands. Heute steht dort ein gestoppter Rohbau. Der Elbtower zeigt, wie schnell ein Prestigeprojekt kippen kann, wenn die wirtschaftliche Basis nicht so tragfähig ist, wie es nach außen lange wirkt.

Das Projekt Elbtower: sichtbares Zeichen für eine große Ambition

Mit einer geplanten Höhe von rund 245 Metern sollte der Elbtower die Skyline Hamburgs prägen und zum dritthöchsten Gebäude Deutschlands werden. Entworfen wurde das Hochhaus von David Chipperfield Architects Berlin. Vorgesehen war ein Mix aus Büroflächen, Hotel und weiteren kommerziellen Nutzungen. Die Lage am Eingang zur HafenCity machte das Projekt zusätzlich aufgeladen. Hier sollte nicht einfach nur gebaut werden. Hier sollte ein Zeichen gesetzt werden.

Der Elbtower war deshalb von Anfang an mehr als ein normales Bauvorhaben. Politik, Stadtentwicklung und Investoren verbanden mit ihm die Erwartung, ein neues Landmark-Projekt für Hamburg zu schaffen. Schon der Baustart hatte eine starke symbolische Wirkung. Der Baufortschritt war sichtbar, der Anspruch ebenfalls.

Der Baustopp: warum das Projekt ins Rutschen geriet

Der entscheidende Bruch lag nicht auf der Baustelle, sondern bei der Finanzierung. Ausschlaggebend war die Krise der Signa-Gruppe, die als zentraler Investor das Projekt trug. Als Signa ins Wanken geriet, verlor auch der Elbtower seinen Halt. Der Baustopp im Herbst 2023 war deshalb kein isoliertes Bauproblem, sondern vor allem Ausdruck einer riskanten Abhängigkeit.

Dazu kam ein Marktumfeld, das sich deutlich verschlechtert hatte. Baukosten stiegen, Zinsen ebenfalls. Gleichzeitig wurden große Büroprojekte kritischer gesehen als noch wenige Jahre zuvor. Was in einer Phase des Optimismus tragfähig wirkte, sah plötzlich sehr viel unsicherer aus.

Gerade das macht den Fall so lehrreich. Auf der Baustelle war Fortschritt sichtbar, wirtschaftlich stand das Projekt aber längst nicht so stabil da, wie viele vielleicht angenommen hatten. Beim Baustopp waren erst rund ein Dutzend der geplanten 64 Geschosse errichtet, der Bau lag bei etwa 100 Metern Höhe. Der Rohbau wirkte präsent. Belastbar war das Projekt deshalb noch lange nicht.

AHA-Effekte: Was sich am Elbtower konkret ablesen lässt

  • Das Kernproblem war nicht der Bau, sondern die Abhängigkeit in der Finanzierung.
    Der entscheidende Schwachpunkt lag in der starken Bindung an einen zentralen Investor. Als Signa ausfiel, geriet das gesamte Vorhaben ins Rutschen. Rückblickend wirkt genau das wie die Stelle, an der früher und härter hätte gegengesteuert werden müssen, etwa mit mehr Absicherung, Alternativen und einem belastbaren Szenario für den Ausfall eines Hauptpartners.
  • Wirtschaftliche Annahmen altern schneller als viele Projektpläne.
    Beim Elbtower traf ein laufendes Großprojekt auf steigende Zinsen, höhere Baukosten und eine veränderte Nachfrage nach Büroflächen. Das ist mehr als ein schwieriges Umfeld. Es verändert die Grundlage des Projekts. Eine Wirtschaftlichkeitsprüfung zu Beginn reicht bei solchen Vorhaben eben nicht aus.
  • Prestige kann den Blick auf Risiken vernebeln.
    Je größer die symbolische Aufladung, desto schwerer wird es, ein Projekt nüchtern neu zu bewerten. Genau das ist beim Elbtower bemerkenswert. Die Strahlkraft des Vorhabens war von Anfang an Teil seiner Attraktivität, wahrscheinlich aber auch Teil des Problems.
  • Sichtbarer Fortschritt ist kein Beweis für Stabilität.
    Für Außenstehende sieht ein wachsender Rohbau schnell nach Sicherheit aus. Beim Elbtower war genau das der Fall. Das Projekt wirkte entschlossen und greifbar. Vielleicht ist genau das die unangenehmste Erkenntnis aus diesem Fall: Ein Projekt kann sehr präsent sein und trotzdem auf wackligem Fundament stehen.

Der Elbtower als Lehrstück einer sichtbaren Projektkrise

Der Elbtower ist noch nicht offiziell aufgegeben. Trotzdem ist er längst ein Beispiel für eine schwere Projektkrise. Investorensuche, neue Nutzungsideen und Debatten über die Zukunft des Baus zeigen, wie unsicher die Lage geworden ist. In den jüngsten Diskussionen geht es sogar um einen möglichen Teilankauf durch die Stadt und um neue Nutzungsszenarien.

Bemerkenswert ist dabei weniger der Baustopp an sich als die Fallhöhe. Ein Projekt, das als Signal für Zukunft und Stärke gedacht war, steht nun für Unsicherheit. Genau deshalb passt der Elbtower so gut in diese Artikel-Serie. Große Sichtbarkeit wird leicht mit Stabilität verwechselt.

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Autoren

Katja Bäumel ist als PR-Managerin mit den Schwerpunkten „Online- und Bewegtbildredaktion“ bei der GPM tätig. Zuvor war sie, neben diversen Auslandsaufenthalten, als Projektleiterin für die Online-Redaktion von unternehmer.de sowie für Projekte bei der Volkswagen AG, der Deutschen Bank AG und Russell Hobbs verantwortlich.

k.baeumel@gpm-ipma.de