Risikomanagementprozess im Projektmanagement: Planung und Risikoidentifikation

Eine sorgfältige und gut durchdachte Planung des Risikomanagements verbessert die Erfolgsaussichten aller nachfolgenden Prozesse deutlich. In der Risikomanagementplanung überlegen und planen Sie die Durchführung aller wichtigen Aktivitäten, die für den Umgang mit Projektrisiken entscheidend sind. Sie durchplanen dabei gewissermaßen bereits die späteren Schritte der Risikoidentifikation, der Risikobewertung, der Risikobewältigung sowie des Risiko Controllings.

Ziel dieser Phase ist es, frühzeitig festzulegen, wie systematisch und in welcher Tiefe Risiken im Projekt betrachtet werden. Eine strukturierte Planung schafft Transparenz und erleichtert die konsequente Umsetzung in den folgenden Projektphasen.

Risikowahrscheinlichkeit und Risikoauswirkung

Die Bewertung der Risikowahrscheinlichkeit und der dazugehörigen Risikoauswirkung muss von jedem Projektteam individuell vorgenommen werden. Was in einem Projekt als großes oder sogar kritisches Risiko gilt, kann in einem anderen Projekt kaum relevant sein. Vier Wochen Zeitverzug können in einem Projekt tolerierbar sein, während sie in einem anderen Projekt zu erheblichen Vertragsstrafen führen.

Für die Achse der Eintrittswahrscheinlichkeit wird häufig eine relative Skala verwendet. Üblich sind die Kategorien niedrig, mittel und hoch, die wiederum mit Wahrscheinlichkeiten zwischen etwa zehn und neunzig Prozent oder alternativ mit Zahlenwerten zwischen eins und neun hinterlegt werden können.

Auch für die Auswirkungsskala wird in der Regel eine relative Skala genutzt. Die Bezeichnungen niedrig, mittel und hoch werden ebenfalls mit Zahlenwerten oder Prozentangaben ergänzt. Die Bewertung der Auswirkungen bezieht sich stets auf das magische Dreieck aus Zeit, Kosten und Qualität beziehungsweise auf die technischen Eigenschaften des Produkts.

Entscheidend ist, dass für jedes Projekt individuell festgelegt wird, was konkret unter niedrigen, mittleren oder hohen Auswirkungen zu verstehen ist. Diese Grenzwerte müssen jedes Mal neu definiert werden, unabhängig davon, ob mit Prozentwerten oder mit einer numerischen Skala gearbeitet wird.

Eine beispielhafte Betrachtung zeigt, dass sich geringe Auswirkungen etwa durch leichte Budgetüberschreitungen oder kurze Verzögerungen äußern können, während hohe Auswirkungen zu massiven Kostensteigerungen, deutlichen Terminüberschreitungen oder gravierenden Einschränkungen der Produktfunktionalität führen. Solche Einordnungen dienen als Orientierung, ersetzen jedoch nicht die projektspezifische Bewertung.

bild tabelle risikowahrscheinlichkeit

Risikoidentifikation

Die Risikoidentifikation legt fest, welche Risiken ein Projekt beeinflussen können, und dokumentiert deren grundlegende Eigenschaften. Um Projektrisiken möglichst vollständig zu erfassen, sollten nicht nur die an der Risikomanagementplanung beteiligten Personen befragt werden. Auch alle weiteren Projektbeteiligten sowie relevante Stakeholder stellen potenzielle Informationsquellen dar.

Risikoidentifikation ist kein einmaliger Vorgang. Sie erfolgt iterativ über den gesamten Projektlebenszyklus hinweg, da neue Risiken erst im Verlauf des Projekts sichtbar werden können. Entsprechend variieren sowohl die Häufigkeit der Identifikationsrunden als auch die beteiligten Personen.

Das Projektteam oder Vertreter einzelner Teilprojekte sollten regelmäßig eingebunden werden, damit Verantwortlichkeiten klar bleiben und das Bewusstsein für Risiken und geeignete Gegenmaßnahmen gestärkt wird. Die Risikoidentifikation bildet in der Regel die Grundlage für die anschließende qualitative und oder quantitative Risikoanalyse. 

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Autoren

Jürgen Rismondo arbeitet als technischer Projektleiter in der Systementwicklung der Robert Bosch GmbH und engagiert sich zusätzlich in der Weiterbildung. Er leitet Seminare, Simulationen und Planspiele rund um BWL und Projektmanagement und veröffentlichte das Buch „Projektmanagement für Ingenieure für Dummies“. Mit mehreren Zertifizierungen in Scrum und SAFe® bringt er eine seltene Kombination aus technischer Tiefe und betriebswirtschaftlichem Verständnis in seine Arbeit ein.

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