Risikomanagement im Projektmanagement: Grundlagen, Bedeutung und Einordnung

Technischer Fortschritt bildet heute die Grundlage für Wohlstand, wirtschaftlichen Erfolg und die langfristige Existenz von Unternehmen. Durch Innovationen entstehen neue Produkte, neue Märkte und neue Möglichkeiten. Rein technisch betrachtet scheint nahezu alles machbar zu sein. Grenzen entstehen meist erst durch Zeit und Geld.

Trotzdem geraten Projekte selbst unter idealen Voraussetzungen ins Scheitern. Raketen explodieren, Tunnel stürzen ein, Produkte erreichen nie den Markt. Ursachen liegen dann nicht in fehlendem Budget oder zu knapper Zeit, sondern in Aspekten, die im Vorfeld nicht bedacht wurden. Genau an dieser Stelle beginnt das Thema Risiko.

Risikomanagement beginnt vor dem Projekt

Es gab mal eine Zeit, da wurde das Thema »Risiko« bzw. »Risikomanagement« ganz zum Schluss eines Projekts ausgeführt. Heutzutage jedoch ist das Thema »Risiko« nicht mehr etwas, was man mal ganz zum Schluss betrachtet oder in einer Besprechung einmal abfragt und dann abgehakt. 

Das Thema Risiko bzw. Risikomanagement ist allgegenwärtig und jederzeit präsent. Parallel zu jeder Projektphase entstehen Gedanken darüber, was schieflaufen könnte, was ein Projekt zum Scheitern bringen kann und auf welche Aspekte besonderes Augenmerk zu legen ist.

Darum ist Risikomanagement so wichtig

Risikomanagement wird betrieben, damit Projekte erfolgreich umgesetzt werden und nicht scheitern. Erfolgreiches Risikomanagement sichert unternehmerischen Erfolg und damit auch den eigenen Arbeitsplatz.

Vorausschauendes Denken spielt dabei eine zentrale Rolle. Ebenso wichtig ist es, andere aktiv zum Nachdenken anzuregen. Risikomanagement ist ein paralleler Prozess, der vor Projektstart beginnt und erst mit dem Abschluss des Projekts endet.

Was sind Risiken?

Ein Risiko ist ein mögliches zukünftiges Ereignis. Eine akademische Definition steht dabei nicht im Vordergrund. Entscheidend ist eine praxisnahe Betrachtung. Das Eintreten eines Risikos ist immer mit Unsicherheit verbunden. Im Gegensatz dazu beschreibt ein Problem etwas, das bereits präsent ist. Ein Risiko ist noch nicht eingetreten, kann jedoch zu einem Problem werden.

Für die tägliche Projektarbeit ist diese Unterscheidung wesentlich. Nur wenn klar zwischen Risiko und Problem differenziert wird, lassen sich geeignete Maßnahmen rechtzeitig einleiten.

Ziel des Risikomanagements ist die Verringerung der Eintrittswahrscheinlichkeit von Ereignissen, die sich negativ auf ein Projekt auswirken. Ebenso sollen die negativen Auswirkungen auf das magische Dreieck aus Zeit, Kosten und Qualität reduziert werden. Ein Projektrisiko ist ein unsicheres Ereignis oder eine Bedingung, deren Eintreten positive oder negative Auswirkungen auf mindestens ein Projektziel haben kann. Ursachen und Wirkungen können dabei mehrfach auftreten.

Risiken gehören auch außerhalb von Projekten zum Alltag. Im Projektkontext gewinnen sie jedoch besondere Bedeutung, da Projekte stets begrenzt sind. Zeit, Kosten, Qualität und der Faktor Mensch erzeugen zusätzliche Unsicherheiten. Jede Annahme stellt dabei bereits ein potenzielles Risiko dar.

Ursache, Ereignis und Wirkung

Risiken stehen immer im Zusammenhang von Ursache, Ereignis und Wirkung. Diese Kausalkette ist für das Verständnis von Risiken entscheidend.

bild grafik ursache ereignis wirkung

Abbildung 1: Wirkungsdiagramm beim Risiko: Ursache - Ereignis - Wirkung

Am Beispiel eines Gartenpools lässt sich dieser Zusammenhang verdeutlichen. Eine nur wenige Millimeter dicke Poolwand bildet die Ursache. Das mögliche Reißen der Wand stellt das Ereignis dar. Der unkontrollierte Austritt von Wasser ist die Wirkung. Das Risiko liegt nicht in der Ursache und nicht in der Wirkung, sondern im möglichen Ereignis selbst.

Diese Logik bildet auch die Grundlage des bekannten Ursache Wirkung Diagramms nach Ishikawa. Bei der Risikoidentifikation ist daher darauf zu achten, Ursache, Risiko und Wirkung klar voneinander zu trennen.

Was ist Risikomanagement? 

Zur Identifikation von Risiken stehen zahlreiche Werkzeuge und Methoden zur Verfügung. Alle verfolgen das Ziel, Denkprozesse anzustoßen und Fragen zu stellen, die sonst möglicherweise nicht gestellt würden.

Der Risikomanagement Prozess besteht aus folgenden Schritten:

bild grafik ablauf risikomanagement

Abbildung 2: Prozess im Risiko Management

Risikomanagement folgt dabei einem strukturierten Prozess. Dieser beginnt mit der Planung, umfasst die Identifikation sowie die qualitative und quantitative Analyse von Risiken, führt über die Entwicklung von Gegenmaßnahmen und endet mit der Überprüfung ihrer Wirksamkeit.

Der Risikomanagementprozess im Überblick

Bereits in der Risikomanagementplanung wird entschieden, wie die Aktivitäten geplant und durchgeführt werden. Noch bevor die ersten Arbeitspakete bearbeitet werden, wird festgelegt, wann die Risikoidentifikation beginnt und in welchen Abständen über neue oder bestehende Risiken nachgedacht wird.

In der Risikoidentifikation wird ermittelt, welche Risiken das Projekt beeinflussen können und welche Eigenschaften diese besitzen.

Darauf aufbauend erfolgt die qualitative und quantitative Risikoanalyse. Risiken werden grob klassifiziert, indem Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkungen eingeschätzt und kombiniert werden. Die Eintrittswahrscheinlichkeit sowie die Auswirkungen auf Zeit, Kosten und Qualität werden zunächst qualitativ beschrieben und anschließend quantitativ bewertet, um Risiken messbar zu machen. Die Forderung nach Messbarkeit geht unter anderem auf Peter Ferdinand Drucker zurück, der betonte, dass nur messbare Größen auch gesteuert werden können.

Im Rahmen der Risikobewältigung werden Maßnahmen und Gegenmaßnahmen entwickelt. Ziel ist es, die Wahrscheinlichkeit negativer Einflüsse zu reduzieren oder deren Auswirkungen auf die Projektziele zu begrenzen.

Abschließend erfolgt die Evaluation beziehungsweise das Risiko Controlling. Dabei wird überprüft, ob die geplanten Maßnahmen die gewünschte Wirkung entfalten. Controlling bedeutet in diesem Zusammenhang keine Kontrolle im Sinne einer Überwachung, sondern Koordination. Risiken werden kontinuierlich verfolgt, neu bewertet und während des gesamten Projektlebenszyklus beobachtet.

Risikomanagement ist damit kein linearer Ablauf, sondern ein Kreislauf, der in jeder Projektphase mehrfach durchlaufen wird.

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Autoren

Jürgen Rismondo arbeitet als technischer Projektleiter in der Systementwicklung der Robert Bosch GmbH und engagiert sich zusätzlich in der Weiterbildung. Er leitet Seminare, Simulationen und Planspiele rund um BWL und Projektmanagement und veröffentlichte das Buch „Projektmanagement für Ingenieure für Dummies“. Mit mehreren Zertifizierungen in Scrum und SAFe® bringt er eine seltene Kombination aus technischer Tiefe und betriebswirtschaftlichem Verständnis in seine Arbeit ein.

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