Mittwochnachmittag, kurz nach vier. Im Projekt taucht eine Frage auf, die möglichst noch heute entschieden werden soll. Die Projektleiterin ist für diesen Tag längst im Feierabend. Ihre Kolleginnen und Kollegen wissen das. Trotzdem landet die Nachricht bei ihr, oftmals verbunden mit der Erwartung, dass sie sich kurz meldet.
Genau an solchen Situationen zeigt sich, ob Projektleitung in Teilzeit tatsächlich funktioniert. Nicht die Zahl der Wochenstunden ist dabei das eigentliche Problem. Schwieriger wird es, wenn Projektverantwortung automatisch mit ständiger Verfügbarkeit verbunden wird.
Im Projektmanagement trifft Teilzeit auf feste Termine, wechselnde Anforderungen und Phasen mit hoher Arbeitsbelastung. Eine Projektleiterin mit 30 Stunden kann unter diesen Bedingungen ein anspruchsvolles Projekt führen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Rolle auch für 30 Stunden organisiert ist und nicht nur auf dem Papier so aussieht.
Teilzeit ist kein Frauenmodell. Männer reduzieren ebenfalls ihre Arbeitszeit. Die Zahlen zeigen jedoch einen deutlichen Unterschied: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts arbeiteten 2025 50,6 Prozent der abhängig beschäftigten Frauen in Teilzeit, bei Männern waren es 14,3 Prozent.
Hinzu kommt die ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit im privaten Bereich, beispielsweise Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Hausarbeit oder die Organisation des Familienalltags. Laut Zeitverwendungserhebung 2022 verbringen Frauen damit durchschnittlich knapp 29,5 Stunden pro Woche, Männer knapp 20,5 Stunden. Frauen übernehmen damit rund neun Stunden mehr unbezahlte Arbeit pro Woche. Der Gender-Care-Gap liegt bei 43,4 Prozent.
Weniger Erwerbsarbeitszeit bedeutet deshalb nicht automatisch mehr freie Zeit, denn viele dieser Stunden sind bereits durch andere Aufgaben und Verpflichtungen gebunden.
Schwierig wird Teilzeit, wenn lediglich die Arbeitszeit reduziert wird, während Aufgaben, Termine und Erwartungen unverändert bleiben. Ein Projekt, das für eine Projektleitung in Vollzeit geplant wurde, passt nicht automatisch in eine 30 Stunden Woche.
Statusrunden finden weiterhin statt, Stakeholder wollen informiert werden, Risiken müssen bewertet und Entscheidungen vorbereitet werden. Weniger Arbeitszeit erfordert deshalb einen ehrlichen Blick auf das Aufgabenpaket. Welche Tätigkeiten müssen tatsächlich bei der Projektleitung liegen? Welche Verantwortung kann im Team übernommen werden? Und welche Entscheidungen brauchen wirklich die Projektleitung?
Gerade der letzte Punkt ist wichtig. Nahezu jede Entscheidung über eine Person laufen zu lassen, macht Abwesenheit schnell zum Problem. Frühzeitig geklärte Entscheidungsbefugnisse und Vertretungen helfen dem Team, auch dann handlungsfähig zu bleiben, wenn die Projektleiterin nicht arbeitet.
Bei lateraler Führung spielt dieser Handlungsspielraum ohnehin eine wichtige Rolle. Verantwortung liegt nicht automatisch bei der Person mit dem Titel Projektleitung. Fachliche Entscheidungen können dort getroffen werden, wo das entsprechende Wissen vorhanden ist.
Auch für echte Eskalationen außerhalb der Arbeitszeit braucht es eine Vereinbarung. Ein klarer Kontaktweg verhindert, dass jede dringlich formulierte Rückfrage automatisch eine Unterbrechung des freien Tages auslöst.
Teilzeit macht dabei sichtbar, wie stark ein Projekt von der persönlichen Verfügbarkeit seiner Leitung abhängt. Wenn Entscheidungen stocken, sobald die Projektleiterin nicht erreichbar ist, sind Verantwortung, Wissen oder Entscheidungswege möglicherweise zu stark auf eine Person konzentriert.
Ein zweistündiger Jour fixe nimmt bei 40 Wochenstunden fünf Prozent der gesamten Arbeitszeit ein. Bei 30 Stunden sind es bereits knapp sieben Prozent. Weitere Regeltermine, Fachmeetings und spontane Abstimmungen kommen hinzu.
Damit bekommt die Frage, wer an welchem Termin teilnehmen muss, eine andere Bedeutung. Nicht jedes Fachmeeting braucht die Projektleitung. Statusinformationen können teilweise vorab schriftlich geteilt werden, fachliche Entscheidungen direkt im zuständigen Team fallen.
Gerade bei reduzierter Arbeitszeit lohnt sich deshalb ein kritischer Blick auf Routinen. Ein Termin sollte nicht allein deshalb stattfinden, weil er schon immer im Kalender stand. Die verfügbare Zeit muss dort eingesetzt werden, wo Projektleitung tatsächlich gebraucht wird.
Eine wichtige Abnahme, ein Go-Live oder ein unerwartetes Risiko kann vorübergehend mehr Arbeitszeit erfordern. Einzelne Belastungsspitzen sprechen nicht gegen eine Projektleitung in Teilzeit. Problematisch wird es, wenn sie über längere Zeit zum Normalzustand werden.
Auch die Projektkonstellation spielt eine Rolle. In sehr kleinen Teams fehlt möglicherweise eine geeignete Vertretung. Internationale Projekte über mehrere Zeitzonen hinweg stellen andere Anforderungen an die zeitliche Flexibilität als regional arbeitende Teams. Länger anhaltende Krisenphasen können ebenfalls schwer mit festen Abwesenheitszeiten vereinbar sein.
Solche Bedingungen sollten bei der Besetzung und Organisation der Rolle berücksichtigt werden. Andere Arbeitstage, eine Tandemlösung oder mehr Verantwortung im Team können je nach Projekt helfen. Manchmal passt eine bestimmte Projektphase allerdings tatsächlich schlechter zu einem konkreten Teilzeitmodell.
Diese Einschränkung bedeutet nicht, dass anspruchsvolle Projektleitung grundsätzlich Vollzeit verlangt. Sie macht lediglich deutlich, dass Teilzeit genauso geplant werden muss wie andere Rahmenbedingungen eines Projekts.
Eine weitere Frage beginnt dort, wo nicht mehr die Organisation der Arbeit, sondern die Bewertung der Person im Mittelpunkt steht. Bekommen Beschäftigte in Teilzeit dieselben Chancen auf anspruchsvolle Projekte?
Kleinere Aufgaben, weniger strategisch wichtige Projekte oder der Ausschluss von Führungsverantwortung können Teilzeit schnell zur Karrieregrenze machen. Dann liegt die eigentliche Einschränkung nicht im Stundenumfang, sondern in der Vorstellung, dass Verantwortung nur mit Vollzeit zusammenpasst.
Projektgröße und Wochenarbeitszeit lassen sich jedoch nicht einfach proportional zueinander setzen. Erfahrung, Teamaufstellung, Unterstützung und Entscheidungswege sind ebenso wichtig. Gerade weil Frauen deutlich häufiger in Teilzeit arbeiten, beeinflusst der Umgang mit solchen Modellen auch ihre Karrierechancen im Projektmanagement.
Projektleitung in Teilzeit ist deshalb mehr als eine Frage der Wochenstunden. Sie macht sichtbar, wie gut Verantwortung verteilt, Entscheidungen organisiert und Abwesenheiten aufgefangen werden.
Vielleicht ist genau das der eigentliche Prüfstein: Ein Projekt sollte nicht deshalb funktionieren, weil seine Leitung immer erreichbar ist, sondern weil es auch dann handlungsfähig bleibt, wenn sie es nicht ist.
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Die Fachgruppe der PM-Expertinnen bietet Frauen im Projektmanagement seit 2007 eine Plattform für Austausch, Sichtbarkeit und Mitgestaltung. Unter dem Leitgedanken "Innovation durch Diversität" fördert sie Kompetenzen, Vernetzung und Leadership in einem geschützten Raum. Vielfalt an Erfahrungen, Perspektiven und Arbeitsweisen bildet dabei die Grundlage für gemeinsames Lernen und nachhaltige Wirkung im Projektmanagement.
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