Gold und andere mineralische Rohstoffe schaffen Einkommen, Arbeitsplätze und wirtschaftliche Chancen. Doch was geschieht, wenn kaum nachvollziehbar ist, woher die Rohstoffe stammen, unter welchen Bedingungen sie gewonnen wurden und wer an ihrem Handel verdient?
In Teilen des Kleinbergbaus bleiben Betriebe, Beschäftigte und Handelswege außerhalb staatlicher Strukturen. Dadurch fehlen nicht nur Steuereinnahmen. Auch Arbeitsschutz, Umweltschutz und gesetzliche Vorgaben lassen sich nur schwer kontrollieren.
Transparente Rohstoffketten setzen genau hier an. Digitale Herkunftsnachweise, lokale Verwaltungsangebote und mobile Teams sollen wirtschaftliche Aktivitäten sichtbar machen und schrittweise in verlässliche Strukturen überführen.
Dabei geht es nicht allein um die Kontrolle einzelner Minen. Entscheidend ist auch, welcher Anteil der wirtschaftlichen Wertschöpfung in den Förderländern verbleibt. Undurchsichtige Vereinbarungen, nicht nachvollziehbare Handelswege und eine Besteuerung fernab der Rohstoffgewinnung können dazu führen, dass Staaten nur begrenzt von ihren eigenen Ressourcen profitieren.
Wo große Teile der Wirtschaft außerhalb formaler Strukturen arbeiten, handelt es sich nicht um ein Randphänomen, sondern um ein strukturelles Problem. Wenn wirtschaftliche Aktivitäten steuerlich kaum erfasst werden, trägt ein kleiner Teil der Bevölkerung einen großen Anteil der öffentlichen Einnahmen. Gleichzeitig kann Wertschöpfung die Förderländer verlassen, ohne dass Steuern und Abgaben dort ankommen, wo die Rohstoffe gewonnen werden. Transparente Verfahren sollen deshalb nicht nur einzelne Handelswege kontrollierbar machen, sondern auch die finanzielle Handlungsfähigkeit staatlicher Institutionen stärken.
Wie groß informelle Abbaustätten werden können, macht ein Beispiel aus Ghana deutlich. An einem untersuchten Standort arbeiteten je Schicht zwischen 500 und 1.000 Menschen. Der Betrieb lief täglich in drei Schichten. In der Trockenzeit wurde teilweise in mehr als 500 Metern Tiefe gearbeitet.
Gleichzeitig fehlten ausreichende Schutzausrüstung, eine zuverlässige Belüftung und ein geregeltes Wassermanagement. Trotz der erheblichen Fördermengen blieben Käufer, Finanzierungsquellen und Teile der Handelswege unbekannt.
Allein an diesem Standort gingen dem Staat nach den zugrunde liegenden Berechnungen jährlich mehr als 24 Millionen US-Dollar an Steuern und Förderabgaben verloren. Zugleich war nicht nachvollziehbar, wer Gold im Wert von rund 480 Millionen US-Dollar pro Jahr ankaufte und finanzierte.
Das Beispiel macht deutlich, dass Informalität weit mehr bedeutet als eine fehlende Registrierung. Sie betrifft die Sicherheit der Beschäftigten, die Umwelt und die staatlichen Einnahmen.
Betriebe lassen sich nicht allein durch zusätzliche Vorschriften in formale Strukturen überführen. Formalisierung muss so gestaltet sein, dass Kosten und Verwaltungsaufwand gering bleiben und den Beteiligten konkrete Vorteile entstehen.
Dazu gehören verlässlichere Geschäftsbedingungen, der Schutz von Investitionen und ein besserer Zugang zu staatlichen Dienstleistungen. Regelkonformes Arbeiten muss auf Dauer attraktiver sein als unsichere Handelsbeziehungen, persönliche Risiken und informelle Zahlungen.
Transparente Rohstoffketten beginnen direkt am Ort der Gewinnung. Dort werden die Rohstoffe erfasst, gewogen und einer eindeutigen Handelskennung zugeordnet. Die Dokumentation begleitet sie anschließend über Verarbeitung und Handel bis zum Export.
Dadurch lässt sich prüfen, wo und wann eine Handelsmenge gewonnen wurde und ob sie den geltenden Gesetzen entspricht. Käufer, Zoll, Polizei und andere Behörden können Herkunft und rechtlichen Status schneller kontrollieren. Zusätzlich ist eine anonyme Meldemöglichkeit vorgesehen, über die Regelverstöße erfasst werden können.
Nicht alle Informationen müssen dabei öffentlich zugänglich sein. Angaben wie Förderort, Rohstoffart, Gewicht, Qualität und rechtlicher Status dienen der Nachvollziehbarkeit. Persönliche Daten, beteiligte Handelspartner und vereinbarte Preise bleiben dagegen geschützt.
So verbindet das System Transparenz mit Datenschutz und dem Schutz geschäftlicher Informationen.
Digitale Identitätskarten erfassen die beteiligten Personen und ihre jeweilige Rolle in der Lieferkette. Smartphones dokumentieren Transaktionen und ordnen die Rohstoffe den entsprechenden Handelsmengen zu. Mit eindeutigen Kennzeichnungen versehene Verpackungen ermöglichen es, die Handelsmengen auch während des Transports zuzuordnen.
Regionale Anlaufstellen bündeln Aufgaben, die sonst auf verschiedene Behörden verteilt wären. Dort können Betriebe und Beschäftigte registriert, Steuernummern vergeben und Genehmigungen bearbeitet werden. Schulungen ergänzen dieses Angebot. Zugleich fördern die Anlaufstellen den Technologietransfer, indem sie Wissen bündeln und die beteiligten Gruppen miteinander vernetzen. Gemeinsam nutzbare Dienstleistungen können dadurch kostengünstiger angeboten werden.
Mobile Teams fahren regelmäßig zu den Abbaustätten. Dort dokumentieren sie Produktion und Handel, prüfen Vorgaben zu Bergbau und Umweltschutz und erfassen Förderabgaben. Sie bestätigen außerdem Transaktionen und schaffen damit eine nachvollziehbare Verbindung zwischen der Arbeit vor Ort und dem digitalen System.
Für Ghana sieht das Konzept mindestens 25 regionale Anlaufstellen, 600 mobile Teams und mehr als 1.250 staatliche Beschäftigte vor. Zusätzlich werden Smartphones, Tablets, Motorräder und eine zentrale technische Infrastruktur benötigt.
Auch Entfernungen spielen eine wichtige Rolle. Die regionalen Standorte müssen so gewählt werden, dass die mobilen Teams viele Abbaustätten regelmäßig erreichen können. Fahrtwege, Ersatzgeräte und Wartung gehören deshalb ebenso zur Planung wie die digitale Plattform selbst.
Die Umsetzung beginnt mit der Analyse der Ausgangslage und einem detaillierten Lösungskonzept. Darauf baut der Implementierungsplan auf. Regelmäßige Fortschrittsberichte dokumentieren die Einführung, während Schulungsberichte die Qualifizierung der beteiligten Fachkräfte festhalten.
Vor Ort greifen Verwaltung und Kontrolle ineinander. Regionale Anlaufstellen übernehmen Registrierungen und Genehmigungen. Mobile Teams sind an den Abbaustätten präsent, dokumentieren die geförderten Rohstoffe und prüfen die Einhaltung der Vorgaben. Die digitale Plattform führt die Informationen anschließend zusammen.
Das Projektmanagement verbindet diese Abläufe und begleitet auch den späteren Betrieb. Nach der Einführung müssen Wartung und notwendige Anpassungen organisiert werden.
Die spätere Übergabe wird von Anfang an berücksichtigt. Das System soll zunächst aufgebaut und betrieben werden. Danach gehen Technik, Wissen und Aufgaben schrittweise an die zuständigen Institutionen über. Die Kosten für Betrieb und Verbrauchsmaterialien sollen dabei unter 0,5 Prozent des Wertes der gehandelten Rohstoffmengen bleiben. Die unterstützenden Strukturen sind somit nicht als dauerhafte Parallelorganisation gedacht.
Projektmanagement verbindet so die Arbeit an den Abbaustätten mit Verwaltung, digitaler Dokumentation und dem späteren Regelbetrieb.
Dieser Beitrag wurde von dem Vortrag „Africa beyond help! Strategies and Tools for UNDP 2030 Sustainable Development Goal 16: Peace, Justice and Strong Institutions“ von Prof. Dr. Reinhardt Nindel (www.goodgovernance.africa) inspiriert. Der Vortrag fand im Rahmen der Online-Veranstaltungsreihe zu den 17 Sustainable Development Goals der GPM Fachgruppe Projektmanagement für bürgerschaftliches Engagement statt und widmete sich dem SDG 16: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen.
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Die GPM Fachgruppe für bürgerschaftliches Engagement stärkt Projektarbeit im gemeinnützigen Bereich. Ehrenamtlich getragene Vorhaben in Vereinen, Stiftungen oder sozialen Einrichtungen stellen besondere Anforderungen. Die Fachgruppe bietet Austausch, Praxisbeispiele und Impulse zur wirksamen Anwendung von Projektmanagement im Ehrenamt.
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