

Es kommt gar nicht so selten vor: Ein Mitarbeiter bricht seine Zusage und lässt den Projektleiter hängen. So verständlich eine emotionale Reaktion wäre: Es ist besser, einen kühlen Kopf zu bewahren, anstatt dem Mitarbeiter gleich Vorwürfe zu machen. Es kommt jetzt auf eine ebenso überlegte wie unnachgiebige Vorgehensweise an.
Projektleiter Holger H. fragt einen seiner Mitarbeiter, ob er eine Aufgabe übernehmen kann. „Warum gerade ich?“, lautet dessen eher unwirsche Antwort. „Ich habe so viel zu tun. Das kann doch jemand anders erledigen. Außerdem ist das doch überhaupt nicht meine Aufgabe.“ Der Mitarbeiter stellt sich praktisch tot. Nur mit Mühe gelingt es Holger H., ihn doch noch dazu zu überreden.
Zwei Wochen später, zur verabredeten Deadline, muss Holger H. feststellen: Die Aufgabe ist nicht ausgeführt. Er fühlt sich im Stich gelassen, stellt den Mitarbeiter zur Rede. Es kommt zu einem erbitterten Streit, bei dem sich am Ende nicht der Mitarbeiter rechtfertigen muss, sondern Holger H. von seinem Vorgesetzten zurechtgewiesen wird.
In Projekten herrscht meist großer Druck. Oft müssen die Beteiligten die Projektarbeit zusätzlich zum Tagesgeschäft stemmen. In dieser Situation kommt es immer wieder zu Zusagen, die nicht eingehalten werden können. Manche Mitarbeiter scheuen eine offene Diskussion mit dem Projektleiter. Sie wollen aus einer unangenehmen Situation herauskommen und versprechen deshalb, Aufgaben zu erledigen, für die sie eigentlich keine Zeit haben, die sie nicht wirklich wichtig finden, vielleicht auch gar nicht beabsichtigen auszuführen.
Ein Projektleiter sollte eine gebrochene Zusage niemals klaglos hinnehmen. Wenn sich seine Nachgiebigkeit herumspricht, werden andere dem schlechten Beispiel folgen – denn man hat ja gesehen: Der Projektleiter wehrt sich nicht.
Selbstverständlich dürfen Sie verärgert und enttäuscht sein, wenn ein Teammitglied Sie hängen lässt. Schließlich müssen Sie jetzt die Suppe auslöffeln, die Ihnen der Mitarbeiter eingebrockt hat. Trotzdem ist es wichtig, gelassen zu reagieren und dem Mitarbeiter nicht gleich Vorwürfe zu machen. Das heißt aber nicht, klaglos zu kapitulieren: Versuchen Sie stattdessen herauszubekommen, warum der betreffende Mitarbeiter Sie im Stich gelassen hat. Gehen Sie dabei systematisch vor, indem Sie die folgenden vier Möglichkeiten prüfen.
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Mario Neumann fühlt sich als „Projekt-Abenteurer“, seit er seinen Job als Projektleiter vor über 20 Jahren bei Hewlett-Packard antrat. In dieser Zeit und seit 2008 als selbständiger Trainer und Berater entwickelte er sein Konzept für „Situatives Projektmanagement“, mit dem er Projektleiter für alle Phasen ihrer Projekte fit macht. Mit „Projekt-Safari“ legte Mario Neumann ein Handbuch vor, das innerhalb kürzester Zeit zum angesagten Must-have für Projektmanager wurde. In diesem Blog berichtet er über typische Aspekte seiner Arbeit.
mario.neumann@gpm.de
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