
Der Internationale Tag des Projektmanagements erinnert an eine Tatsache, die im Alltag oft übersehen wird: Projekte funktionieren nicht von selbst. Sie funktionieren, weil jemand Verantwortung übernimmt.
Diese Verantwortung zeigt sich nicht in schicken Methoden oder großen Worten, sondern in konkreten Situationen. Wenn etwas auf der Kippe steht. Wenn niemand entscheiden will. Wenn es plötzlich still wird im Projekt und jemand sagen muss, wie es weitergeht.
Projektmanagerinnen und Projektmanager brauchen dafür drei Fähigkeiten, die selten auf dem Papier stehen, aber in jedem Projekt zählen: Koordination, Klarheit, Konsequenz. Diese drei Superkräfte halten Projekte auf Kurs: Nicht theoretisch, sondern ganz praktisch, wenn es darauf ankommt.
In einem Digitalisierungsprojekt soll ein neues Service-Portal live gehen. Der Termin ist seit Monaten fix. Zwei Wochen vor dem Launch meldet der Fachbereich: Die Freigabe verzögert sich. Keine Ressourcen für den finalen Test. Gleichzeitig fragt die Geschäftsführung täglich nach dem Go-live.
Die Projektleitung lädt kurzfristig alle Beteiligten zu einem Termin ein. Kein Reporting, keine PowerPoint. Sie sagt: „Wenn wir heute nicht entscheiden, wie wir mit dem Engpass umgehen, wird das Projekt scheitern. Und das nicht aus technischen Gründen, sondern weil niemand Prioritäten setzt.“
Danach wird klar verteilt: Wer entscheidet was, bis wann und mit welchem Risiko. Der neue Launch-Termin steht 24 Stunden später. Kein Konsens. Aber Klarheit.
Das ist Koordination. Und in diesem Moment: eine Superkraft. Denn sie schafft Struktur, wo andere warten und Handlungsspielraum, wo Stillstand droht.
Projekte scheitern oft nicht an Komplexität, sondern an Unschärfe. Wenn Anforderungen offen bleiben. Wenn Entscheidungen vertagt werden. Wenn niemand sagt, was gelten soll.
Klarheit beginnt, wo jemand nicht länger hofft, dass sich alles von selbst klärt, sondern sagt: „Das sind unsere Optionen. Jede hat Folgen. Was wollt ihr, und was seid ihr bereit zu tragen?“ Klarheit ist unbequem, aber sie schafft Orientierung und Respekt.
Als Superkraft bewirkt sie, dass Unsicherheit nicht lähmt, sondern Entscheidungen möglich macht.
In vielen Projekten werden Entscheidungen getroffen und sofort wieder relativiert, Änderungen vereinbart und dann ignoriert. Konsequenz heißt: Entscheidungen ernst nehmen. Wenn nötig erneut zur Sprache bringen oder gegensteuern.
Wer Projektleitung übernimmt, lässt nicht einfach laufen. Sondern sagt: „Diese Abweichung gefährdet unsere Ziele. Wenn wir nicht korrigieren, machen wir uns selbst etwas vor.“
Konsequenz ist die Superkraft, die dafür sorgt, dass Worte nicht folgenlos bleiben.
Der Internationale Tag des Projektmanagements richtet sich nicht an Helden. Sondern an die, die bereit sind, hinzuschauen, zu widersprechen, zu führen – auch ohne Ansage. Ihre Leistung ist oft unsichtbar. Heute ist ein guter Tag, das zu ändern.
Nicht durch Danksagungen, sondern durch eine ehrliche Frage: Wer in unserem Projekt übernimmt gerade wirklich Verantwortung und wer vermeidet sie? Wenn darüber gesprochen wird, hat dieser Tag seinen Zweck erfüllt.
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Katja Bäumel ist als PR-Managerin mit den Schwerpunkten „Online- und Bewegtbildredaktion“ bei der GPM tätig. Zuvor war sie, neben diversen Auslandsaufenthalten, als Projektleiterin für die Online-Redaktion von unternehmer.de sowie für Projekte bei der Volkswagen AG, der Deutschen Bank AG und Russell Hobbs verantwortlich.
k.baeumel@gpm-ipma.de
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