Sie beschreibt den Kontext für die Governance von Projekten, Programmen und Portfolios (PPP) und stellt dafür Leitlinien bereit. Ihre Zielgruppen sind:
- Aufsichtsgremien, Vorstände, Geschäftsführer und obere Führungskräfte, die Entscheidungen über Projekte, Programme oder Portfolios treffen oder beeinflussen;
- Sponsoren, Lenkungsgremien und PMOs, die Projekte, Programme oder Portfolios steuern;
- Projekt-, Programm – oder Portfolio-Manager sowie
- Stakeholder oder Berater, die in die Entwicklung und Implementierung von Projekten, Programmen oder Portfolios involviert sind.
Die Norm klärt die Verantwortlichkeiten der PPP-Aufsichtsgremien, die Unterschiede zwischen Management und Governance von PPP, die Aufgaben der Governance von PPP sowie Vorgaben der Aufsichtsgremien für das Management von PPP auf der Grundlage der Werte und Prinzipien der Organisation sowie gesetzlicher Verpflichtungen und Standards. Ein Governance Framework soll zur Wertschöpfung für Stakeholder beitragen, ein Nutzencontrolling ermöglichen und angemessene Fähigkeiten, Kompetenzen, Autorität, Erfahrungen und Ressourcen für Aufsichtsgremien sowie die Delegation von Governance-Verantwortung sicherstellen. Definiert werden Verantwortlichkeiten für ethische Werte, Nachhaltigkeit, Berücksichtigung von Stakeholderinteressen und die Etablierung von Management-Richtlinien, insbesondere für das Risiko-, Kompetenz-, Qualitäts- Kommunikations- und Gesundheitsmanagement.
Als Grundlage der Normierungsarbeit wurden Corporate-Governance-Grundsätze der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Prinzipien für Projektgovernance überführt [3]. Ziel der OECD-Grundsätze ist es, dazu beizutragen, eine Kultur professioneller und ethischer Werte zu entwickeln, die Voraussetzungen für gut funktionierende Märkte schafft. Sie verstehen sich als Teil eines allgemeineren Konzepts von Kontrolle und Gegenkontrolle und genießen hohe internationale Zustimmung [4]. Durch die Ableitung der Prinzipien einer Projektgovernance-Norm aus den Prinzipien der OECD-Grundsätze kann – über formale, strukturelle und prozedurale Festlegungen hinaus – auch auf normative Prinzipien Bezug genommen werden, wie etwa Rechte der Stakeholder, Offenlegung und Transparenz, Pflichten des Aufsichtsorgans sowie Nachhaltigkeit und ihre ethische Fundierung. Insbesondere die Governance internationaler Projekte mit Projektpartnern aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen erhält so eine breitere Fundierung. Die im angelsächsischen Bereich verbreitete Fokussierung auf die Definition von Prozessen ist dafür nicht ausreichend. Als Experte des Deutschen Instituts für Normung (DIN) in der ISO-Arbeitsgruppe habe ich mich – gemeinsam mit Vertretern anderer nationaler Standardisierungsgremien – für diese Sicht eingesetzt.
Ein stärkeres Engagement der deutschen Wirtschaft und öffentlichen Verwaltung bei der Formulierung nationaler Positionen in der Fachgruppe »Normung« der Deutschen Gesell-schaft für Projektmanagement (GPM) bzw. im Arbeitsausschuss »Projektmanagement« DIN würde die Durchsetzung deutscher und europäischer Positionen im Rahmen der internationalen Normung erheblich erleichtern. Auch die europäische Zusammenarbeit in Fragen der Projektmanagement-Standards sollte deutlich gestärkt werden [5].
Literatur: [1] ISO 21500:2012 Guidance on project management. Genf, 2012
[2] ISO/DIS 21505:2015 Project, programme and portfolio management – Guidance on Governance. Genf, 2015
[3] ISO/TC258/SG 1: Governance Study Group Project: Governance Study Report. 2013
[4] OECD-Grundsätze der Corporate Governance, 2004
[5] Heydenreich, N: Projektgovernance in Staat und Verwaltung. In: Schönert, S., Münzberg, M., Staudt, D. (Hrsg.): Projektmanagement in der Öffentlichen Verwaltung, 2016
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