
Karrieren im Projektmanagement entstehen selten allein durch Fachkompetenz. Wer Projekte leitet, wird sichtbar über Kontakte, Empfehlungen und informelle Gespräche. Netzwerke spielen dabei eine zentrale Rolle. Gleichzeitig zeigt sich, dass Frauen im Projektmanagement Netzwerke oft anders nutzen als Männer. Nicht nur, weil sie Netzwerke bewusst anders gestalten, sondern vor allem, weil sie sich in anderen strukturellen Ausgangslagen bewegen.
Dieser Unterschied ist kein persönliches Defizit. Er verweist auf organisationale Macht- und Sichtbarkeitsstrukturen, die Karrieren im Projektmanagement bis heute prägen.
Viele Karrieren im Projektmanagement entwickeln sich über informelle Wege. Neue Projektrollen werden nicht ausgeschrieben, sondern im Gespräch vergeben. Empfehlungen entstehen am Rand von Meetings, bei Veranstaltungen, auf Dienstreisen oder in langjährigen Zusammenarbeitserfahrungen. Wer dort präsent ist, wird wahrgenommen. Wer fehlt, bleibt außen vor.
In vielen Organisationen sind informelle Netzwerke historisch männlich geprägt. Gemeinsame Karrierewege, ähnliche Biografien und vertraute Kommunikationsräume halten Kontakte stabil. Hinzu kommen soziale Routinen außerhalb formaler Arbeitskontexte: Gespräche nach Veranstaltungen, abendliche Runden oder Absprachen in kleinen Kreisen. Wer dort selbstverständlich dazugehört, bleibt präsent und erhält frühzeitig Informationen, Einschätzungen und Chancen. Frauen sind darin nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Häufig entstehen Zugänge jedoch weniger beiläufig, sondern müssen bewusster aufgebaut werden.
Netzwerke von Frauen im Projektmanagement erfüllen oft mehrere Funktionen gleichzeitig: Sie bieten Austausch, Orientierung und einen geschützten Rahmen für offene Gespräche. Gerade dort, wo informelle Zugänge zu Informationen und Entscheidungen nicht selbstverständlich sind, wird dieser Raum besonders wichtig. Typische Formate sind Treffen auf Veranstaltungen, moderierte Austauschformate oder Mentoring-Programme.
Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Projektleiterin steht vor der Übernahme eines kritischen Großprojekts. Fachlich ist sie qualifiziert, formal wäre der Schritt möglich. Im Netzwerk klärt sie vorab Erwartungen, typische Stolpersteine und informelle Spielregeln. Genau solche Informationen zirkulieren in etablierten Netzwerken oft beiläufig. Der Austausch im eigenen Netzwerk hilft, unausgesprochene Erwartungen sichtbar zu machen und den nächsten Karriereschritt besser vorzubereiten.
So wertvoll diese Netzwerke sind, sie haben auch Grenzen. Reine Frauennetzwerke können unbeabsichtigt zu einer Art Parallelstruktur werden. Austausch findet statt, aber Reichweite bleibt begrenzt. Wer nur innerhalb homogener Netzwerke agiert, erreicht Entscheidungsräume oft nicht.
Ein weiterer Unterschied zeigt sich in der Wahrnehmung. Männer werden in vielen Organisationen schneller als potenzielle Projektleitungen oder Führungskräfte gesehen. Frauen müssen ihre Rolle oft aktiver positionieren, ohne dabei als zu fordernd, zu laut oder zu selbstbezogen wahrgenommen zu werden. Genau darin liegt eine besondere Spannung.
Sichtbarkeit entsteht nicht allein dadurch, gute Arbeit zu leisten. Sie entsteht auch durch Präsenz in relevanten Gesprächen, durch klare Beiträge in Entscheidungsrunden, durch Empfehlungen und durch Menschen, die Kompetenz aktiv benennen. Netzwerke können hier eine wichtige Rolle spielen, wenn sie nicht nur Austausch ermöglichen, sondern auch Türen öffnen.
Hilfreich sind deshalb Kontakte, die über reine Bestärkung hinausgehen: Sparringspartnerinnen, Mentorinnen und Mentoren, Führungskräfte, die Sichtbarkeit ermöglichen, sowie gemischte Netzwerke, in denen Projektverantwortung tatsächlich verhandelt wird.
Netzwerke im Projektmanagement sind kein Selbstzweck. Sie haben für Männer wie für Frauen ihre Berechtigung, weil sie Austausch, Vertrauen und berufliche Orientierung ermöglichen. Für Frauen werden sie jedoch häufig zu einem besonders bewussten Karrieretool. Kontakte werden gezielt gepflegt, Austauschformate strategisch gewählt und Sichtbarkeit aktiv gestaltet. Diese zusätzliche Arbeit bleibt oft unsichtbar, ist aber zentral für berufliche Entwicklung.
Dabei geht es nicht um Anpassung oder bloße Selbstvermarktung, sondern um strukturelle Anschlussfähigkeit. Wer Projekte führen will, muss nicht nur kompetent sein, sondern auch erreichbar, bekannt und in relevanten Kontexten verortet.
Netzwerke von Frauen im Projektmanagement sind kein Allheilmittel. Sie reagieren auf bestehende Strukturen und schaffen zugleich eigene Räume für Orientierung, Stärke und Sichtbarkeit. Ihre Stärke liegt im offenen Austausch und in der gegenseitigen Unterstützung. Ihre Grenze liegt dort, wo sie zwar Reflexion ermöglichen, aber keinen Zugang zu Entscheidungen schaffen.
Wirksam wird Vernetzung dort, wo geschützte Räume und gemischte Netzwerke zusammengedacht werden. Für die Praxis heißt das: Erfahrungen im vertrauten Kreis reflektieren, informelle Spielregeln verstehen, eigene Ziele klarer formulieren und anschließend bewusst in Räume gehen, in denen Projektrollen, Empfehlungen und Verantwortung entstehen.
Genau in dieser Verbindung liegt der größte Hebel. Frauennetzwerke stärken den Rücken. Gemischte Netzwerke erweitern den Wirkungskreis. Karriere im Projektmanagement entsteht häufig dort, wo beides zusammenkommt.
Entsprechend diesem Verständnis organisieren die PM-Expertinnen der GPM jährlich ein Frühjahrs- und Herbsttreffen sowie mehrere Stammtische für Projektmanagerinnen. Hinweise zu aktuellen Terminen und Veranstaltungen finden Sie hier oder im Veranstaltungsnewsletter.
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Die Fachgruppe der PM-Expertinnen bietet Frauen im Projektmanagement seit 2007 eine Plattform für Austausch, Sichtbarkeit und Mitgestaltung. Unter dem Leitgedanken "Innovation durch Diversität" fördert sie Kompetenzen, Vernetzung und Leadership in einem geschützten Raum. Vielfalt an Erfahrungen, Perspektiven und Arbeitsweisen bildet dabei die Grundlage für gemeinsames Lernen und nachhaltige Wirkung im Projektmanagement.
pm-expertinnen@gpm-ipma.de
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