
Im Gespräch erläutert Sarah Khayati, Sprecherin Bildung der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V., welche Rolle projektbasiertes Lernen dabei spielt, welche Impulse von der Fachtagung „Lernort Schule im digitalen Wandel“ ausgehen und warum Projektmanagement-Kompetenzen künftig zu den zentralen Schlüsselqualifikationen gehören.
Ich ziehe ein sehr positives Fazit. Unsere nun dritte Fachtagung in Kooperation mit dem Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung MV haben wir Stück für Stück zu einem immer partizipativeren Format entwickelt, um in der verfügbaren Zeit wirklich ausreichend Raum dafür zu schaffen, aktuelle Perspektiven, Forschungsergebnisse und Praxisbeispiele rund um projektbasiertes und digitales Lehren und Lernen zu teilen – und gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie Schule als Lern- und Lebensort gestärkt und gestaltet werden kann. Diesen Raum können sich Lehrkräfte nicht selbstverständlich nehmen, weswegen ich deren Teilnahme wie die weiterer Bildungsakteure ganz besonders wertschätze.
Am meisten hat mich in den zwei Tagen die durchgehend offene und gute Stimmung über die gesamte Tagung geprägt und beeindruckt. Schule steht vor vielen Herausforderungen, das wurde nicht verdrängt. Und gleichzeitig war der Austausch in meiner Wahrnehmung kontinuierlich von einer motivierten, zugewandten und lösungsorientierten Haltung geprägt. Ganz im Sinne des Projektmanagements.
Ziel mit unserem Bildungsengagement ist es – und hier zitiere ich unseren Präsidenten –, projektbasiertes Lernen in der Debatte um die Schule der Zukunft vom Rand ins Zentrum zu rücken. Das spiegelt sich auch zentral in der Schwerpunktsetzung unserer Fachtagung. In einer Zeit, in der KI, Digitalisierung und gesellschaftlicher Wandel neue Formen der Zusammenarbeit erfordern, wird deutlich: Lernen gelingt am besten, wenn es an reale Herausforderungen anknüpft und Verantwortung, Kreativität und Teamarbeit fördert.
Projektorientierung schafft Räume, in denen Schülerinnen und Schüler selbstständig, interdisziplinär und wirksam handeln können. Zugleich eröffnet sie Schulen neue Wege der Unterrichts- und Organisationsentwicklung – hin zu mehr Kooperation, Flexibilität und einer Kultur des gemeinsamen Lernens. Sie stärkt die Verbindung zwischen pädagogischer Innovation, digitaler Transformation und Schulentwicklung als gemeinsamer Gestaltungsaufgabe.
Wie das aussehen kann, haben unsere Referierenden lebendig und eindrücklich belegt. Mit Maxi Heß hatten wir beispielsweise die Schulleiterin der Universitätsschule Dresden zu Gast. An ihrer Schule wird das Lernen in Projekten vollkommen gleichwertig zum Fachunterricht von Klasse 1 bis zur gymnasialen Oberstufe mit Projektarbeit als Herzstück gelebt. Gleichzeitig wird die Schule als Reallabor begleitend beforscht, um gewonnene Erkenntnisse auch optimal in andere Projektschulen transferieren zu können.
KI wird Schule nachhaltig verändern. Gerade deshalb war es uns wichtig, das Thema ein- und mit dem projektbasierten Lernen zu verbinden. Mit Nele Hirsch vom eBildungslabor wurde beispielsweise darüber diskutiert, wie selbstgesteuertes Lernen mit Hilfe von KI-Tools bestmöglich unterstützt werden kann und Methoden wie Prompting als Spiel, Lernkontextdateien und Modellierung ausprobiert. Von KI als Lernpartner, der das Denken anstößt, Feedback gibt und Lernprozesse individuell begleitet, bis hin zur damit verbundenen Veränderung von Aufgaben- und Prüfungsformaten haben wir versucht, einen Austauschrahmen zu schaffen, in dem gemeinsam ergründet wird, wie Fachkräfte der schulischen Bildung KI gut in den Schulalltag implementieren können.
Wir brauchen eine neue Kultur des Lernens, die über starre Fächerkorsetts und reine Wissensvermittlung hinausgeht. Die nicht nur auf das Wiedergeben richtiger Antworten ausgerichtet ist, sondern vielmehr auf das Anwenden von Wissen, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit Menschen unterschiedlichster Rollen und Fähigkeiten, zu nachhaltiger Problemlösung und aktiver Übernahme von Verantwortung. Kooperative Unterrichtsformen wie projektbasiertes Lernen oder Team-Teaching ermöglichen es, diese fachlichen, sozialen und personalen Kompetenzen in realitätsnahen Kontexten aktiv zu entwickeln.
Künstliche Intelligenz wird Lernprozesse erleichtern, individueller gestalten und neue Potenziale eröffnen. Vor diesem Hintergrund wird es umso wichtiger, den Auftrag von Bildung sehr klar im Blick zu behalten. Junge Menschen sollten technologische Entwicklungen nicht nur anwenden, sondern sie auch kritisch reflektieren und so ausgewählt wie zielgerichtet einsetzen können. Wie das gelingen kann, ist noch am Wachsen und Werden und eine der zentralen Fragestellungen, denen wir uns auch auf der Tagung gewidmet haben. Besonders spannend fand ich vor diesem Hintergrund auch die Keynote von Dr. Ekkehard Thümler, der den Bogen von der Schule des Industriezeitalters hin zur Informationsökonomie des 21. Jahrhunderts und der Schule der Zukunft als Plattform, als offene Infrastruktur, geschlagen hat, die mit Hilfe von externen Anbietern breitgefächerte Lernangebote schaffen kann.
Denn: Alleine geht es nicht. Wobei gleichzeitig meine wirkmächtigste und schönste Erkenntnis nach unserer Veranstaltung lautet: Alleine sind wir auch nicht. Wir leben in einer wirklich dynamischen Welt, geprägt von großen Herausforderungen. Dem können wir nur gemeinsam begegnen, um ebenso gemeinsam Lösungen zu finden.
Projektbasiertes Lernen setzt genau hier an: Es vermittelt jungen Menschen die Fähigkeit, Ziele zu definieren, Arbeitsprozesse zu organisieren, im Team zusammenzuarbeiten, mit Herausforderungen umzugehen und Verantwortung für Ergebnisse zu übernehmen.
Echte Zukunftskompetenzen, die in einer immer digitaleren und sich stetig wandelnden Gesellschaft unheimlich wertvoll sind. Projektmanagement-Kompetenz wird so zur relevanten Schlüsselqualifikation für die Gestaltung von Zukunft. Ich bin fest überzeugt: Gute Bildung braucht Projekte!
Fotos: Laura Hoffmann