
Wie verändert Künstliche Intelligenz die Arbeit von Projektmanagerinnen und Projektmanagern? Welche Methoden helfen ehrenamtlichen Initiativen dabei, aus guten Ideen konkrete Projekte zu machen? Und was hat eine Carrera-Bahn mit Projektmanagement zu tun? Bei der diesjährigen re:publica Berlin, dem Festival für die digitale Gesellschaft und der größten Konferenz ihrer Art in Europa, zeigte die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V., wie praxisnah, greifbar und gleichzeitig zukunftsrelevant modernes Projektmanagement heute ist. Im Mittelpunkt standen zwei Vorträge, ein KI-Experiment zum Mitmachen – und eine Carrera-Bahn, auf der Besucherinnen und Besucher nicht nur um Bestzeiten fuhren, sondern ganz nebenbei auch zentrale Prinzipien erfolgreicher Projektarbeit erleben konnten.
Im Vortrag „Projekte für eine bessere Welt – Stark starten, um viel zu bewegen“ zeigte Hannes Leiteritz, Politischer Referent in der Hauptstadtrepräsentanz der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V., warum gerade ehrenamtliche und gesellschaftliche Initiativen häufig nicht an mangelnder Motivation scheitern, sondern an fehlender Struktur. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass viele Projekte mit „heißen Herzen, großen Zielen und super Stimmung“ beginnen, gleichzeitig aber unter begrenzten Ressourcen und unklaren Zuständigkeiten leiden. Leiteritz verdeutlichte anschaulich, wie wichtig es ist, bereits zu Beginn realistische und konkrete Ziele zu definieren, um Projekte (nicht nur sinnbildlich auf der Carrera-Bahn) über die Ziellinie zu bringen. Dabei griff er unter anderem die SMART-Methode auf und zeigte anhand einer beispielhaften Baumpflanzaktion, wie aus einer allgemeinen Idee ein klar formuliertes Projektziel mit Terminen, messbaren Ergebnissen und definierten Verantwortlichkeiten wird.
Besonderes Augenmerk legte der Vortrag auf die praktische Umsetzbarkeit von Projektmanagement im Alltag. Leiteritz erklärte, wie große Vorhaben durch Projektstrukturpläne in überschaubare Arbeitspakete zerlegt werden können und warum Meilensteine, klare Verantwortlichkeiten und regelmäßige Kommunikation entscheidend für den Projekterfolg sind. Auch Themen wie Stakeholder-Management, Risikobetrachtung und Dokumentation wurden greifbar erläutert. Statt trockener Theorie stand dabei stets die Frage im Mittelpunkt, wie Menschen mit begrenzten Ressourcen dennoch wirksame Projekte auf die Beine stellen können – ob im Ehrenamt, in Initiativen oder im beruflichen Umfeld.
Einen völlig anderen Zugang wählten Doris Weßels und Claudia Jahnke mit ihrem interaktiven Meetup „Projektleitungen ade? Wie KI-Systeme das Projektmanagement verändern“. Im Zentrum des Meetups, das bis auf den letzten Platz besetzt war, stand ein Live-Experiment, das menschliche und künstliche Intelligenz direkt miteinander verglich. Die Besucherinnen und Besucher wurden mit einem bewusst zugespitzten Projektszenario konfrontiert: Ein Team entwickelt eine App für nachhaltige Ernährung, plötzlich kündigt der Hauptentwickler, gleichzeitig wird das Budget um 30 Prozent gekürzt und ein Wettbewerber bringt eine ähnliche App auf den Markt. Die Teilnehmenden diskutierten zunächst in Kleingruppen mögliche Reaktionen aus Sicht einer Projektleitung, bevor anschließend die Antworten eines KI-Systems präsentiert und gemeinsam intensiv reflektiert wurden.
Das Experiment machte deutlich, dass generative KI bereits heute in der Lage ist, komplexe Problemsituationen zu analysieren, Handlungsoptionen zu strukturieren und Entscheidungsgrundlagen zu liefern. Gleichzeitig wurde aber auch klar, dass menschliche Kompetenzen wie Verantwortungsbewusstsein, Erfahrung, Kommunikation und Haltung weiterhin unverzichtbar bleiben. Genau diese differenzierte Betrachtung stand im Mittelpunkt des Meetups. Statt Alarmismus oder übertriebener Euphorie wollten die Referentinnen einen realistischen Blick auf die Chancen und Grenzen von KI im Projektmanagement ermöglichen. Besonders intensiv diskutierten die Teilnehmenden die Frage, welche Fähigkeiten Projektmanagerinnen und Projektmanager künftig stärker entwickeln müssen, wenn analytische Routineaufgaben zunehmend automatisiert werden.
Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte die Carrera-Bahn am Stand der GPM in der „Boxengasse“ neben der ARD-ZDF-Media-Stage. Besucherinnen und Besucher konnten dort gegeneinander antreten und die beste Rundenzeit fahren – der Rekord lag bei 49 Runden in drei Minuten, insgesamt wurden über 150 Kilometer zurückgelegt. Als Gewinn winkte eine Schulung für ein Basiszertifikat im Projektmanagement der GPM. Die Rennbahn erwies sich dabei weit mehr als nur als spielerisches Element. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit für Gespräche über Geschwindigkeit, Steuerung, Präzision und Reaktionsfähigkeit in Projekten. Gleichzeitig sorgte die ungewöhnliche Verbindung aus Wissensvermittlung, Wettbewerb und direktem Austausch für eine offene Atmosphäre, die zahlreiche Besucherinnen und Besucher an den Stand lockte und zeigte den niedrigschwelligen Zugang zu Projektmanagement-Methoden.