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Lessons Learned & Wissensmanagement in Projekten der Luft- und Raumfahrt – ein Erfahrungsaustausch

Am 14. November traf sich die Fachgruppe „Projektmanagement in Luft- und Raumfahrt“ bei der Firma Airbus in Manching. Nach einer Firmenpräsentation mit spezifischen Aspekten zum Projektmanagement im Unternehmen lud Airbus zu einem Standortrundgang und dem Besuch des „Flugmuseum Messerschmitt“ auf dem Firmengelände ein.

Im Mittelpunkt des Treffens stand ein Workshop zu den Themen Lessons Learned und Wissensmanagement in der Luft- und Raumfahrt.

Erfahrungswissen und Lessons Learned sind zentrale Erfolgsfaktoren in komplexen Luft- und Raumfahrtprojekten. Um Wissen systematisch zu bewahren, effektiv zu nutzen und eine nachhaltige Lernkultur zu etablieren, braucht es ein Zusammenspiel aus Strukturen, Prozessen, Technologien und menschlicher Haltung.

1. Wissen sichern heißt vorausschauend handeln

Eine frühe und geplante Weitergabe von Wissen ist unerlässlich. Überlappende Einarbeitung, Nachfolgeplanung, befristete Übergangsmodelle oder Senior-Mentoring können Verluste von Wissen verhindern. Gleichzeitig müssen Dokumentation, Pflege der Prozesse und Aktualisierung von Wissen als kontinuierliche Aufgaben verstanden werden – getragen von einer Kultur, die Sicherung von Wissen wertschätzt und vom Management unterstützt wird. Moderne Tools wie KI-Systeme können diesen Prozess ergänzen, ersetzen jedoch nicht den persönlichen Erfahrungsaustausch.

2. Lessons Learned müssen früh, kontinuierlich und strukturiert stattfinden

Erfahrungen sollten nicht nur am Projektende gesammelt werden. Mehrfache, zeitnahe und anlassbezogene Reflexionen ermöglichen es, Risiken früh zu erkennen und Handlungsbedarfe direkt umzusetzen. Eine strukturierte Dokumentation – z. B. über Datenbanken, Checklisten oder andere standardisierte Verfahren – unterstützt, Berichte u.a. wieder zu finden und entsprechend auch zu nutzen. Entscheidend ist, dass die Durchführung von Lessons Learned im Unternehmen als relevant und risikoorientiert akzeptiert ist.

3. Wiederholbarkeit von Erfolgen gelingt durch Offenheit, Austausch und Fokussierung

Eine effektive Nutzung von Lessons Learned erfordert eine offene Fehlerkultur, in der gescheiterte Erfahrungen konstruktiv geteilt werden dürfen. Formate wie „Fuckup Slams“, Best-Practice-Berichten oder der direkte Austausch zwischen Projektleitenden fördern das organisationsweite Lernen. Gleichzeitig gilt: Nicht jede Erkenntnis ist gleich wertvoll. Die Konzentration auf die tatsächlich wirksamen Lessons Learned steigert Qualität und Nutzen. Zudem kann KI in Zukunft helfen, Muster zu erkennen und Risikotabellen automatisch abzuleiten.

4. Eine Lernkultur braucht Führung, Ressourcen und gelebte Praxis

Eine nachhaltige Lessons-Learned-Kultur entsteht nur, wenn Führungskräfte sie sichtbar vorleben, Ressourcen bereitstellen und den Prozess verbindlich verankern. Kontinuierliche Erfassung, bereichsübergreifender Austausch und die zügige Integration von Erkenntnissen in Prozesse, Dokumente und Regeln verhindern, dass Lessons Learned zu Papiertigern werden. Das Qualitätsmanagement kann hierbei eine wichtige moderierende Rolle spielen.

Fazit

Ein wirksames Wissens- und Lessons-Learned-Management in der Luft- und Raumfahrt entsteht aus der Verbindung von

  • früher Planung und Kontinuität,
  • strukturierten Werkzeugen und Prozessen,
  • offener, konstruktiver Kultur,
  • konsequenter Umsetzung und Nachverfolgung,
  • aktiver Rolle der Führung,
  • Unterstützung durch moderne Technologien.

Nur wenn diese Elemente zusammenspielen, gelingt es Organisationen, Erfolgswissen wiederholbar zu machen und Fehler nachhaltig zu vermeiden – und damit die hohe Qualität und Sicherheit der Branche langfristig zu sichern.

In einem weiteren Workshop soll dieses Thema weiter vertieft werden, geplant für Mai 2026.

Ansprechpartner

Dr. Manfred Nolle