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Weniger Komplexität, mehr Wirkung: Warum Simplifizierung zum Erfolgsfaktor im Projektmanagement wird

Komplexität wird oft mit Professionalität verwechselt

In vielen Projekten beobachten wir einen bemerkenswerten Widerspruch:

Je größer die Herausforderungen werden, desto komplexer werden oft die Lösungen.

Mehr Dokumente, mehr Meetings, mehr Reports, mehr Abstimmungen, mehr Prozesse.

Doch mehr Aufwand bedeutet nicht automatisch höhere Qualität.

Ein Blick auf internationale Projektorganisationen zeigt zudem, dass erfolgreiche Zusammenarbeit nicht zwangsläufig mit höherer Komplexität verbunden ist. Häufig lassen sich vergleichbare Ergebnisse mit deutlich schlankeren Prozessen erzielen. Voraussetzung dafür ist die Offenheit, bestehende Vorgehensweisen kritisch zu hinterfragen und auch von anderen Ländern, Branchen und Kulturen zu lernen.

Die größte Verschwendung im Projektgeschäft

Das Potenzial zur Effizienzsteigerung liegt in vielen Organisationen deutlich höher als vermutet.

Bereits eine Reduktion unnötiger Abstimmungen, Dokumentationen oder Kommunikationsschleifen um zehn Prozent kann erhebliche Auswirkungen auf Geschwindigkeit, Qualität und Motivation haben, denn im späteren Prozess potenziert sich dieser Wert schnell. Dabei geht es nicht darum, Professionalität abzubauen, es geht darum, diese neu zu definieren.

Die entscheidende Frage für ein gewinnorientiertes Unternehmen lautet:

Welche Aktivitäten erzeugen tatsächlich Wert?

Und ebenso:

Welche erzeugen lediglich Beschäftigung?

Was Spitzensportler niemals tun würden

Im Spitzensport gilt ein einfaches Prinzip:

Jede Trainingseinheit muss einen klaren Zweck erfüllen. Kein erfolgreicher Trainer erhöht den Trainingsumfang seiner Athleten, nur damit diese beschäftigt bleiben.

Entscheidend ist die Wirksamkeit.

Genau diese Denkweise sollten wir auf unsere Projekte übertragen.

Dazu eignen sich hervorragend Workshops, um systematisch zu analysieren:

Welche Meetings tatsächlich erforderlich sind, welche Dokumente wirklich genutzt werden, welche Berichte Entscheidungen ermöglichen, welche Prozesse Projektfortschritt erzeugen.
Es werden dabei immer erstaunliche Potenziale sichtbar.

Der wirkungsvollste Schritt ist dabei häufig nicht das Hinzufügen neuer Methoden, sondern das konsequente Weglassen unnötiger Komplexität, nach dem Motto „keep it simple“!

Kontextbasiertes Projektmanagement statt Standardlösungen

Moderne Projekte unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Größe, Risiko, Dynamik und Komplexität. Dennoch werden sie in vielen Organisationen mit einem standardisierten Satz an Methoden und Prozessen gesteuert. Das entspricht dem Prinzip „Wenn man nur einen Hammer hat, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus“. Zwar kann dieser Ansatz zum Ziel führen, oft jedoch mit höherem Aufwand, längeren Durchlaufzeiten und unnötigen Nebenwirkungen. Genau hier setzt kontextbasiertes Projektmanagement an.

Denn Projekte scheitern selten an der Methode. Sie scheitern daran, dass ihr Kontext nicht verstanden ist.

Die eigentliche Herausforderung für Projektmanager besteht nicht darin, die nächste Methode zu beherrschen, sondern Risiken richtig einzuordnen und professionell damit umzugehen. Dabei sind nicht alle Risiken sichtbar. Die größte Gefahr geht häufig von denjenigen aus, die wir noch gar nicht kennen.

Für eine wirksame Projektsteuerung ist es entscheidend, die Art der vorherrschenden Unsicherheit zu verstehen. Bekannte Risiken können frühzeitig identifiziert und mit konkreten Aufgaben oder Gegenmaßnahmen verknüpft werden. Je stärker jedoch unbekannte Unsicherheiten dominieren, desto wichtiger werden flexible Steuerungs-, Führungs- und Kommunikationsansätze.

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht dies:

Industrieprojekte sind häufig von sogenannten „bekannten Unbekannten“ geprägt. Die wesentlichen Risiken sind grundsätzlich bekannt, ihre Auswirkungen oder Eintrittswahrscheinlichkeiten jedoch nicht vollständig. Der Schwerpunkt erfolgreicher Projektarbeit liegt deshalb darauf, diese Risiken aktiv zu identifizieren, zu bewerten und wirksam zu steuern.

Rüstungs- und große Infrastrukturprojekte hingegen sind oft von „unbekannten Unbekannten“ geprägt. Hier treten Ereignisse auf, die zu Projektbeginn weder
vorhersehbar noch planbar waren. Der Erfolg hängt dann weniger von perfekter Planung ab als von der Fähigkeit, flexibel und professionell mit Überraschungen umzugehen.

Von dieser Unterscheidung hängen wesentliche Aspekte der Projektsteuerung ab: die Entscheidungslogik, das Risikomanagement, die Projektorganisation sowie die Kommunikation und Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Genau deshalb gibt es kein universell richtiges Projektmanagement.

Erfolgreich ist nicht die Organisation mit den meisten Prozessen, sondern diejenige, die ihren Projektkontext versteht und ihre Vorgehensweise daran ausrichtet.

Wie im Spitzensport gilt auch hier: Nicht jeder Athlet sollte nach demselben Trainingsplan trainieren. Entscheidend ist, dass Belastung, Ziel und Umfeld zusammenpassen.

Genauso benötigt jedes Projekt die Steuerung, die zu seinem Kontext passt – nicht die, die auf dem Papier am professionellsten aussieht.

Die Formel leistungsstarker Projektteams

Zahlreiche Studien der vergangenen Jahre zeigen einen engen Zusammenhang zwischen Mitarbeiterwohlbefinden, Engagement und Unternehmenserfolg. Die praktische Konsequenz daraus lässt sich in einer einfachen Formel zusammenfassen:

Leistung = Kompetenz × Energie × Motivation

Fehlt einer dieser Faktoren, sinkt das Gesamtergebnis. Fachwissen und Methoden allein reichen daher nicht aus. Leistungsfähige Projektteams benötigen fachliche Kompetenz, ausreichend Energie und Motivation sowie Rahmenbedingungen, die eine wirksame Zusammenarbeit ermöglichen. Ebenso wichtig sind einfache, praxistaugliche Arbeitsweisen, die Orientierung schaffen, ohne unnötige Komplexität zu erzeugen.

Die gezielte Verbindung dieser Faktoren bildet eine wesentliche Grundlage für nachhaltige Leistungsfähigkeit, erfolgreiche Projektarbeit und eine gesunde Zusammenarbeit in Organisationen.

Mehr Wirkung durch weniger Komplexität

Der Erfolg von Projekten wird künftig weniger von zusätzlichen Prozessen als von der Qualität der getroffenen Entscheidungen abhängen. Organisationen, die ihre Mitarbeitenden zur Selbststeuerung befähigen und gleichzeitig unnötige Komplexität reduzieren, schaffen die Voraussetzungen für mehr Innovationskraft, schnellere Umsetzung und bessere Ergebnisse. Dabei zeigt sich eine interessante Parallele zum Spitzensport: Viele Prinzipien, die erfolgreiche Athletinnen und Athleten seit Jahrzehnten
anwenden, lassen sich unmittelbar auf die Projektarbeit übertragen. Dazu gehören ein klarer Fokus statt Verzettelung, Selbststeuerung statt permanenter Fremdsteuerung, Wirksamkeit statt bloßer Aktivität sowie der bewusste Verzicht auf unnötige Komplexität zugunsten einfacher und wirkungsvoller Vorgehensweisen.

Boris Becker brachte diesen Zusammenhang einmal treffend auf den Punkt: „Gewonnen und verloren wird zwischen den Ohren.“ Auch im modernen Projektmanagement entscheidet nicht allein die fachliche Kompetenz über den Erfolg, sondern vor allem die Fähigkeit, unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben, die richtigen Prioritäten zu setzen und verfügbare Ressourcen wirksam einzusetzen.

Für das Projektmanagement der Zukunft bedeutet das:

Nicht mehr Prozesse, sondern mehr Klarheit. Nicht mehr Komplexität, sondern mehr Fokus. Nicht mehr Kontrolle, sondern mehr Selbststeuerung. Denn die erfolgreichsten Projekte sind selten die komplexesten, sondern diejenigen, die ihre Energie konsequent auf das Wesentliche richten.

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Autoren

René Göldner begleitet seit vielen Jahren Führungskräfte, Projektteams und Organisationen bei Transformations- und Projektvorhaben sowie mit Seminaren zu Projektmanagement, Zusammenarbeit und Spitzenleistung im Beruf. Als Ingenieur und erfahrener Projektmanager verantwortete er internationale Großprojekte in Industrie, Finanzwirtschaft und öffentlichem Sektor, darunter Programme für die Bundeswehr. Seit 2010 vermittelt er als Hochschuldozent praxisorientiertes Wissen im internationalen Projektmanagement. In Seminaren, Trainings und Vorträgen verbindet er bewährte Projektmanagement-Methoden mit Erkenntnissen aus dem Spitzensport, insbesondere zu Selbststeuerung, Leistungsfähigkeit und erfolgreicher Zusammenarbeit. Seit 2017 unterstützt er mittelständische Unternehmen und DAX-Konzerne dabei, Projekte erfolgreicher zu gestalten, Komplexität zu reduzieren und die Leistungsfähigkeit ihrer Organisationen zu stärken. Als aktiver Triathlet nahm René Göldner unter anderem an der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii teil und wurde Deutscher Marathon-Meister im Team. Die Erfahrungen aus Hochleistungssport und internationalen Projekten fließen direkt in seine Arbeit ein.

Rene.Goeldner@Business-Coach-Bonn.de
https://projectmanagementlikeapro.com