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Was Führung im Projekt so besonders macht

Führungskonzepte, die in der Linie erfolgreich sind, lassen sich nicht so ohne weiteres auf die Führung im Projekt übertragen. Die entscheidenden Unterschiede ergeben sich aus den Rahmenbedingungen für Projekte: Projekte sind neuartig, zeitlich begrenzt, die Projektergebnisse müssen meist unter hohem Kosten- oder Zeitdruck erarbeitet werden. Für Teilaufgaben werden Spezialisten hinzugezogen, die dem Projekt so manches Mal auch nur für eine gewisse Zeit zur Verfügung stehen.

Projektmitarbeiter, seien sie Wegbereiter, Koordinator, Erfinder, Umsetzer, Macher, Beobachter, Teamarbeiter, Perfektionist oder Spezialist – um das bekannte Teamrollen-Modell von Dr. Meredith Belbin zu nutzen – kommen mit ihrem ganz persönlichen fachlichen und unternehmenskulturellen oder interkulturellen Erfahrungshintergrund im Projekt zusammen.

Eine Führungskraft im Projektmanagement hat sich also der Herausforderung zu stellen, die Stärken jedes Einzelnen für das Projekt optimal zu nutzen und dabei passend die unterschiedlichsten Persönlichkeiten zu führen. Für Teamentwicklung bleibt in der Regel wenig bis keine Zeit. Keine selbstverständliche Aufgabe, oder? Setzt das nicht voraus, als Projektleiter/-in zunächst einmal seine eigenen bevorzugten Teamrollen zu kennen und sich über den eigenen Führungsstil im Klaren zu sein?

Das Führungskontinuum nach Tannenbaum und Schmidt beschreibt sieben alternative Führungsstile anhand des Kriteriums der Partizipation in Entscheidungssituationen und formuliert diese für Führung in der Linie so.
Entscheidungsspielraum: Vorgesetzter versus Mitarbeiter

Übertragen auf Führung im Projekt könnte man also Folgendes formulieren:
Entscheidungsspielraum: Projektleiter versus Projektteam

Sieben Führungsstile:

  • autoritär: Projektleiter entscheidet allein und ordnet an
  • patriarchalisch: Projektleiter ordnet an und begründet seine Entscheidung
  • beratend: Projektleiter schlägt Ideen vor und gestattet Fragen, Projektleiter entscheidet
  • konsultativ: Projektleiter entscheidet vorläufig, holt Meinungen ein und entscheidet endgültig
  • partizipativ: Projektleiter zeigt das Problem auf, das Projektteam schlägt Lösungen vor, Projektleiter entscheidet
  • delegativ: Projektleiter zeigt das Problem auf und legt den Entscheidungsspielraum fest, Projektteam entscheidet
  • demokratisch: Projektteam entscheidet autonom, Projektleiter ist Koordinator

Das Kontinuum versucht zu erklären, welches Verhalten einer Führungskraft in verschiedenen Situationen zum Erfolg führt. Welchen Führungsstil halten Sie für die Führung im Projekt passend? Ist der Führungsstil von der Art des Projektes abhängig?

Welche Erfahrungen machen Sie in Ihren Projekten? Sie als Projektleiter/-in: welchen Führungsstil leben Sie? Als Projektmitarbeiter/-in: welcher Führungsstil Ihres Projektleiters/Ihrer Projektleiterin motiviert Sie besonders zu Höchstleistungen oder durch welchen fühlen Sie sich gebremst?

Ich denke, dass der Führungsstil in den fünf Projektmanagementphasen (Initialisierung, Definition, Planung, Steuerung, Abschluss) wechseln kann und sollte. In den ersten beiden Projektmanagementphasen sind sicher mehr „Ansagen“ erforderlich – also ein eher autoritärer und patriarchalischer Stil. Wohingegen, wenn das Projekt und das Projektteam „Fahrt aufgenommen“ haben, der Führungsstil in einen anderen Stil wechseln kann.

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Ira Meichsner ist engagierte PM-Expertin, Initiatorin und Gründungsmitglied der Arbeitsgruppe Projektcoaching. Sie berichtet aus 15 Jahren praktischer Projekterfahrung über Selbstmanagement, Kommunikation, Motivation, Rollenverteilung, Potenzial- und Teamentwicklung.

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