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Warum Projektmanagement mehr Mut zum intelligenten Regelbruch braucht

Die größte Gefahr für Projekte ist selten Chaos. Sie heißt Ordnung. Das klingt zunächst absurd. Schließlich leben Projekte von Strukturen. Standards schaffen Orientierung, Prozesse verhindern Willkür und Methoden helfen, Komplexität beherrschbar zu machen. Ohne Regeln wäre Projektmanagement kaum denkbar. Problematisch wird es erst, wenn Regeln ihren ursprünglichen Auftrag vergessen. Dann entsteht eine paradoxe Situation: Ausgerechnet das, was Organisationen einmal erfolgreich gemacht hat, beginnt ihre Zukunft zu behindern. 

Prozesse werden detaillierter. Abstimmungsschleifen länger. Entscheidungen vorsichtiger. Die Organisation funktioniert, aber sie bewegt sich immer weniger. Vielleicht ist deshalb die wichtigste Frage erstaunlich einfach: Weiß eigentlich noch jemand, warum wir das so machen? 

Regeln altern nicht sichtbar 

Jede Regel war einmal eine gute Idee. Irgendwann gab es ein Problem, jemand fand eine Lösung und daraus wurde ein Standard. Doch jede Regel beantwortet eine Frage aus der Vergangenheit. Die Zukunft stellt selten dieselben Fragen. 

Das Tückische daran: Regeln bekommen keine Falten. Man sieht ihnen ihr Alter nicht an. Aus einer sinnvollen Freigabe werden zwei. Aus zwei werden vier. Jede Ausnahme erhält ihren eigenen Prozess. Irgendwann beschäftigt sich eine Organisation mehr mit der Einhaltung ihrer Regeln als mit ihrem eigentlichen Auftrag. 

Eine Regel, deren Ursprung niemand mehr erklären kann, ist keine Ordnung. Sie ist Aberglaube mit Aktenzeichen. 

Innovation scheitert selten an Ideen 

Als Außenstehender fasziniert mich am Projektmanagement etwas: Die Methoden werden immer besser. Gleichzeitig wird eine andere Frage immer leiser: Arbeiten wir eigentlich noch am richtigen Problem? 

Sie können ein Projekt perfekt steuern – im Plan, im Budget und mit vorbildlicher Governance – und trotzdem mit voller Geschwindigkeit das Falsche bauen. Methoden helfen dabei, das Ding richtig zu bauen. Führung muss zusätzlich fragen: Bauen wir überhaupt das richtige Ding? 

Kaum eine Organisation verzichtet heute auf Worte wie Innovation oder Veränderungsbereitschaft. Gleichzeitig beobachten Mitarbeitende sehr genau, welches Verhalten tatsächlich belohnt wird. Wer mit einer mutigen Idee scheitert, muss sich erklären. Wer sich an bestehende Prozesse hält, trägt kaum persönliches Risiko. Organisationen sind ehrlicher, als sie zugeben: Sie sagen Innovation, organisieren aber vor allem Absicherung. 

Ein Rebel Mind lehnt Regeln nicht ab. Er prüft sie. Die meisten Menschen fragen zuerst: „Darf ich das?“ Ein Rebel Mind fragt: „Ist das sinnvoll?“ Genau dort beginnt Verantwortung. Und genau dort beginnt Zukunft. 

Das richtige Spiel spielen 

Viele Projektkrisen sind lange sichtbar, bevor sie offiziell ausgesprochen werden. Das eigentliche Problem ist selten fehlendes Fachwissen. Häufig fehlt der Mut, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Alle beobachten dieselbe Szene: Was passiert mit dem Menschen, der als Erster den Finger hebt? Wird er ernst genommen oder höflich ausgebremst? Diese wenigen Sekunden schreiben die wirklichen Spielregeln einer Organisation. 

Vielleicht braucht Projektmanagement künftig nicht zuerst noch mehr Methoden. Vielleicht braucht es mehr Menschen, die bereit sind, Methoden genauso kritisch zu hinterfragen wie ihre Ergebnisse. Menschen, die unterscheiden können zwischen Prinzipien, die Stabilität schaffen, und Routinen, die lediglich Gewohnheiten konservieren. 

Organisationen scheitern selten daran, dass sie zu wenige Regeln haben. Sie scheitern häufiger daran, dass niemand mehr den Mut besitzt, die richtigen infrage zu stellen. Regeln schaffen Ordnung. Denken schafft Zukunft. 

 Der Vortrag „Rebel Mind – Regelbruch als Kompetenz“ von Dr. Peter Kreuz ist Teil des PM Forums 2026, der führenden Fachveranstaltung für Projektmanagement in Deutschland. Der Vortrag findet am 8. Oktober 2026 von 14:00 bis 14:45 Uhr im Raum Nymphenburg 1–3 (Erdgeschoss) statt.

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Autoren

Dr. Peter Kreuz ist SPIEGEL-Bestsellerautor, internationaler Keynote Speaker und einer der profiliertesten Denker für Zukunftsgestaltung im deutschsprachigen Raum. Mit seinem Ansatz „Rebel Mind“ zeigt er, warum Zukunft dort beginnt, wo Menschen den Mut haben, Spielregeln zu hinterfragen, Prioritäten neu zu setzen und Verantwortung zu übernehmen. Seine Vorträge verbinden klare Gedanken, provokante Fragen und unmittelbare Relevanz für Führung, Innovation und Veränderung.

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