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Veröffentlichen in Projektmanagement-Fachzeitschriften: Keine Angst vorm „Desk Reject“

Internationale Fachzeitschriften lehnen einen Großteil aller eingereichten Manuskripte bereits vor dem eigentlichen Begutachtungsverfahren ab. Wer die Anforderungen wissenschaftlicher Zeitschriften kennt, kann typische Fehler vermeiden und die Erfolgschancen deutlich erhöhen. 

Die Enttäuschung ist groß, wenn nach monatelanger Arbeit bereits wenige Tage nach der Einreichung die Absage kommt. Nicht nach einem ausführlichen Peer Review, sondern unmittelbar durch die Redaktion. Ein sogenannter „Desk Reject“ beendet den Publikationsprozess, noch bevor Gutachterinnen und Gutachter den Beitrag überhaupt im Detail durchgesehen haben. 

Gerade im Projektmanagement erleben viele Autorinnen und Autoren diese Situation. Häufig entsteht der Eindruck, die Forschung sei nicht interessant genug oder das Thema passe nicht zum Journal. Tatsächlich liegen die Ursachen jedoch meist an anderer Stelle. Internationale Fachzeitschriften folgen klaren wissenschaftlichen Qualitätskriterien – und genau diese unterscheiden sich oft deutlich von den Anforderungen praxisorientierter Veröffentlichungen. 

Wissenschaft beginnt mit einer Frage – nicht mit einer Erfahrung 

Viele Einreichungen scheitern bereits am Ausgangspunkt. Wer aus langjähriger Projekterfahrung einen Fachartikel entwickeln möchte, beginnt häufig mit der Frage: „Was möchte ich erzählen?“ Für wissenschaftliche Publikationen lautet die entscheidende Frage jedoch: „Welches Forschungsproblem soll gelöst werden?“ 

Internationale Fachzeitschriften erwarten weder Erfahrungsberichte noch Zusammenfassungen bewährter Methoden. Im Mittelpunkt steht vielmehr ein klar formuliertes Forschungsproblem mit präzise zugeschnittenen Forschungsfragen, auf denen die Forschung dann aufsetzt. 

Gerade Praktiker verfügen häufig über wertvolle Erfahrungen aus komplexen Projekten. Diese bilden eine hervorragende Grundlage für Forschung. Sie müssen jedoch in wissenschaftliche Fragestellungen übersetzt werden. Aus der Beobachtung, dass Künstliche Intelligenz das Projektmanagement verändert, wird beispielsweise noch kein wissenschaftlicher Beitrag – solche Beiträge gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Interessant wird die Forschung erst dann, wenn konkrete Auswirkungen untersucht werden – etwa auf Kompetenzen, Entscheidungsprozesse oder die Effizienz einzelner Projektmanagementmethoden. 

Theorie schafft Orientierung 

Ebenso häufig fehlt den eingereichten Manuskripten eine belastbare theoretische Grundlage. Dabei ist Theorie kein Selbstzweck. Sie bildet den Bezugsrahmen, innerhalb dessen die Forschung stattfindet. Sie hilft dabei, Forschungsfragen einzuordnen, Ergebnisse zu interpretieren und neue Erkenntnisse mit bestehendem Wissen zu verbinden. 

Internationale Fachzeitschriften erwarten deshalb eine nachvollziehbare theoretische Verankerung. Autorinnen und Autoren müssen zeigen, auf welchen wissenschaftlichen Konzepten ihre Untersuchung aufbaut und welchen Beitrag sie zur Weiterentwicklung dieses Wissens leisten. Gerade dieser wissenschaftliche Mehrwert entscheidet häufig darüber, ob ein Manuskript überhaupt in das Begutachtungsverfahren gelangt. 

Methodische Qualität entscheidet 

Ein überzeugendes Forschungsthema allein genügt nicht. Ebenso wichtig ist die Frage, wie die Untersuchung durchgeführt wurde. Ob qualitative Interviews, quantitative Befragungen oder Mixed-Methods-Ansätze – entscheidend ist nicht die Methode selbst, sondern ihre wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit. Die Datenerhebung muss transparent beschrieben werden. Ebenso muss erläutert werden, warum genau diese Methode gewählt wurde, wie die Daten ausgewertet wurden und welche Grenzen die Untersuchung hat. 

Gerade qualitative Forschung erfordert eine besonders sorgfältige Dokumentation des gesamten Forschungsprozesses. Nur wenn andere Forschende das Vorgehen nachvollziehen können, entstehen belastbare wissenschaftliche Ergebnisse. 

Ergebnisse sind erst der Anfang 

Ein häufiger Irrtum besteht darin, Forschung mit der nackten Darstellung von Ergebnissen gleichzusetzen. Für wissenschaftliche Veröffentlichungen beginnt die eigentliche Arbeit jedoch häufig erst danach. Ergebnisse müssen eingeordnet, diskutiert und mit der vorhandenen Literatur abgeglichen werden. Bestätigen sie bestehende Erkenntnisse? Widersprechen sie bisherigen Annahmen? Eröffnen sie neue Perspektiven? 

Erst diese Diskussion macht deutlich, welchen Beitrag eine Untersuchung für die wissenschaftliche Gemeinschaft leistet – und inwieweit sich die Autorinnen und Autoren mit ihrer eigenen Forschung auseinandergesetzt haben. Ebenso selbstverständlich gehört die kritische Reflexion der eigenen Grenzen dazu. Keine Untersuchung beantwortet alle Fragen. Wissenschaft lebt davon, dass weitere Forschende auf vorhandenen Erkenntnissen aufbauen und sie weiterentwickeln – und dass sie darauf hinweisen, welche Forschungslücken noch bestehen und wo eine weitergehende Betrachtung sinnvoll ist. 

Nicht jedes Journal passt zu jedem Beitrag 

Auch die Auswahl des richtigen Journals entscheidet über den Erfolg einer Veröffentlichung. Internationale Fachzeitschriften unterscheiden sich erheblich hinsichtlich ihrer thematischen Schwerpunkte, ihrer methodischen Ausrichtung und ihres wissenschaftlichen Anspruchs. Manche veröffentlichen bevorzugt quantitative Studien, andere legen größeren Wert auf qualitative Forschung oder interdisziplinäre Fragestellungen. 

Wer ein Manuskript einreicht, sollte deshalb die sogenannte „Aims and Scope“-Beschreibung des Journals sorgfältig lesen. Ebenso wichtig sind die formalen Vorgaben für Aufbau, Zitierweise, Umfang und Abstract. Bereits kleine Abweichungen können dazu führen, dass ein Beitrag gar nicht erst in die Begutachtung gelangt. 

Gerade Nachwuchswissenschaftlern empfiehlt sich häufig der Einstieg über etablierte, aber weniger selektive Journals. Dadurch lassen sich Erfahrungen mit dem Publikationsprozess sammeln, bevor Beiträge bei besonders renommierten internationalen Zeitschriften eingereicht werden. 

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz? 

Generative KI verändert auch das wissenschaftliche Schreiben. Viele Verlage erlauben inzwischen ausdrücklich den Einsatz entsprechender Werkzeuge – allerdings nur in einem klar abgegrenzten Rahmen, beispielsweise zur sprachlichen Überarbeitung, für Übersetzungen oder zur Unterstützung bei Literaturrecherchen. 

Entscheidend bleibt jedoch die Transparenz. Autorinnen und Autoren müssen offenlegen, welche Werkzeuge verwendet wurden und in welchem Umfang sie den Entstehungsprozess unterstützt haben. Die wissenschaftliche Eigenleistung muss weiterhin eindeutig beim Menschen liegen. 

Besondere Vorsicht ist bei Quellenangaben geboten. Generative KI kann Literatur erfinden oder unzutreffend zitieren – auch heute noch, obwohl die Sprachmodelle kontinuierlich weiterentwickelt werden. Solche Fehler können bereits im ersten Prüfprozess zur Ablehnung führen und in jedem Fall die Glaubwürdigkeit eines Manuskripts gefährden. Stellen Sie sich vor, Sie möchten dem Betreuer Ihrer Arbeit schmeicheln, indem Sie ihn zitieren – und dabei Literatur erwähnen, die es gar nicht gibt. Auch wenn es unglaublich klingt: Solche Fettnäpfchen kommen regelmäßig vor. 

Wissenschaftliches Publizieren ist ein Handwerk 

Die Veröffentlichung in wissenschaftlichen Projektmanagement-Fachzeitschriften ist anspruchsvoll – aber nicht unmöglich. Sie folgt klaren Regeln, die weit über fachliche Kompetenz hinausgehen. Erfolgreiche wissenschaftliche Beiträge zeichnen sich durch ein relevantes Forschungsproblem, eine fundierte theoretische Grundlage, eine nachvollziehbare Methodik und einen klar erkennbaren wissenschaftlichen Mehrwert aus. Ebenso wichtig ist die Bereitschaft, Kritik anzunehmen, mehrere Überarbeitungsrunden zu durchlaufen und den eigenen Beitrag kontinuierlich weiterzuentwickeln. 

Ein „Desk Reject“ sollte deshalb nicht als persönliches Scheitern verstanden werden – sondern als Ansporn, die oben genannten Aspekte der eigenen Forschungsarbeit noch einmal sorgfältig zu hinterfragen. Denn häufig ist der „Desk Reject“ vielmehr ein Hinweis darauf, dass Fragestellung, Aufbau oder Zieljournal noch nicht optimal zusammenpassen. Wer die Erwartungen internationaler Fachzeitschriften kennt und seine Forschung konsequent daran ausrichtet, verbessert die Chancen auf eine erfolgreiche Veröffentlichung erheblich. Denn wissenschaftliches Publizieren ist kein Zufall, sondern ein Handwerk, das sich lernen lässt – und eine Notwendigkeit, um das Fachgebiet kontinuierlich weiterzuentwickeln und neue Erkenntnisse zu gewinnen, die der gesamten Community zugutekommen. 

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Autoren

Dr. Reinhard Wagner hat mehr als 40 Jahre Berufserfahrung und berät Führungskräfte in der Wirtschaft bei der Professionalisierung ihres Projektgeschäfts. Er ist Geschäftsführer der Projektivisten GmbH und ehemaliger Präsident der GPM sowie der IPMA. Seit vielen Jahren ist er maßgeblich an der Weiterentwicklung der PM-Disziplin beteiligt und hat inzwischen 48 Fachbücher sowie hunderte Fachartikel veröffentlicht. Er ist Professor für PM und KI in zwei Doctoral Study Programs der Alma Mater Europaea University in Maribor sowie der Stellenbosch University in Südafrika.

r.wagner@gpm-ipma.de