Die beste Option ist natürlich ein Risiko ganz zu vermeiden. Kommt das nicht in Betracht, so kann man ggf. die Wahrscheinlichkeit des Eintritts durch geeignete präventive Maßnahmen vermindern oder die Auswirkungen im Falle des Eintritts durch reaktive Maßnahmen herabsetzen. Auch eine Übertragung von Risiken an Dritte ist denkbar, z. B. durch vertragliche Vereinbarungen mit Zulieferern oder Unterauftragnehmern. Speziell bei Risiken, die zwar nur eine sehr geringe Eintrittswahrscheinlichkeit aufweisen, die im Schadensfall aber projekt- oder gar unternehmensgefährdende Schadensausmaße erreichen, sollte eine Versicherung des Risikos in Betracht gezogen werden. Die verbleibenden Risiken sollten in der Höhe des Risikowerts so gering sein, dass sie akzeptiert und somit getragen werden können.
Bei aller Systematik sollte sich der Projektleiter jedoch immer bewusst sein, dass immer auch noch Risiken bestehen können, die gar nicht identifiziert wurden!
Nach den oben aufgeführten Überlegungen lassen sich dann Maßnahmen definieren. Wichtig ist es dabei, den Aufwand für diese Maßnahmen mit der erwarteten Wirkung abzugleichen, da nicht jede Maßnahme wirtschaftlich ist. Dazu müssen einerseits die Kosten der Maßnahme ermittelt oder abgeschätzt werden. Zum anderen muss die erhoffte Wirkung der Maßnahme abgeschätzt werden. Präventive Maßnahmen sollten dabei zu einer reduzierten Eintrittswahrscheinlichkeit, korrektive zu einem reduzierten Schadenswert führen. Auf diese Weise lässt sich ein neuer Risikowert nach Durchführung der Maßnahme ermitteln. Ist die Differenz zwischen neuem und altem Risikowert höher als der Aufwand für die Maßnahme, so sollte diese durchgeführt werden, andernfalls ist die Maßnahme unwirtschaftlich und wird nicht durchgeführt.
Die Kosten aller durchzuführenden Maßnahmen müssen dann natürlich in das Projektbudget eingearbeitet werden.
Das Risikoinventar des Projekts sollte zudem durch das Multiprojektcontrolling des Unternehmens abgefragt und überwacht werden.
Controlling der Projektrisiken
Leider schläft das Risikomanagement in vielen Projekten nach der einmaligen Durchführung einer Risikoanalyse wieder ein.
Um das Risikomanagement wirksam zu nutzen, ist aber auch eine laufende Überwachung der Risiken erforderlich. Zudem sollte in regelmäßigen Intervallen oder bei bestimmten Ereignissen im Projekt (z. B. bei größeren Änderungen oder Phasenübergängen) eine aktualisierte Analyse erfolgen, um auch neu erkannte, zuvor nicht identifizierte Risiken zu behandeln.
Fazit Ein geordnetes Risikomanagement ist für jeden Projektleiter eine Chance proaktiv zu agieren und nicht erst dann zu handeln, wenn das Kind in den Brunnen gefallen, also der Schaden eingetreten ist.
Literatur zum Thema Risikomanagement:
- Gleißner, W.(Hrsg.): Risikomanagement im Unternehmen, Kognos-Verlag, 2001/2006
- Rohrschneider, U.; Spang, K.: Risiken und Chancen. in: GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement (Hrsg.): Kompetenzbasiertes Projektmanagement (PM3), Handbuch für die Projektarbeit, Qualifizierung und Zertifizierung auf Basis der IPMA Competence Baseline V. 3.0, 1. Aufl., Nürnberg, Bd. 1, S. 183-232
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