
Die Gesellschaft sieht sich mit einer stetig zunehmenden Projektorientierung konfrontiert, die durch Digitalisierung, wachsende Komplexität und Innovationsbedarf vorangetrieben wird. Die Digitalisierung wird durch Projekte beschleunigt, sodass in den nächsten Jahren ein Aufschwung für das Projektmanagement zu erwarten ist.

Bild 1: Begriffe der Komplexität in Projekten
Das Projektmanagement in Organisationen ist weiterhin auf vorhersehbare Situationen ausgerichtet. Obwohl immer mehr Unternehmen einen agilen Ansatz zur Projektdurchführung einsetzen, reicht das nicht aus, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Aktuelle Entwicklungen stellen das klassische Modell eines Projektmanagers in Frage. Das Rollenbild des Projektmanagers droht sich zwischen automatisierten Systemen, selbstorganisierten, eigenverantwortlichen Teams und agilen Rollenmodellen aufzuteilen.
Die wissenschaftliche Studie im Rahmen meiner Dissertation zielt darauf ab, zu prognostizieren, ob die Rolle des Projektmanagers im nächsten Jahrzehnt bestehen wird. Gegenstand der Untersuchung ist der Projektmanager der Zukunft, analysiert theoretisch und praktisch aus der Perspektive der digitalen Transformation.
Die Forschungsarbeit begegnet dieser Fragestellung mit einer Kombination aus systematischer Literaturrecherche und quantitativer Expertenbefragung.
Die statistische Auswertung mittels eines exakten Binomialtests liefert ein hochsignifikantes Ergebnis [Wahrscheinlichkeitswert p < 0,001]: Die Hypothese, dass die Rolle des Projektmanagers ausläuft, wurde zugunsten der Prognose verworfen, dass die Rolle in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren ein essenzieller Bestandteil der Organisationen bleibt.
Rund 82 % der befragten Praktiker bestätigen die langfristige Existenz der Rolle.

Bild 2: Existenz der Projektmanager-Rolle in zehn bis fünfzehn Jahren
Die Forschung zeigt eine deutliche Verschiebung des Berufsbildes. Das Projektmanagement entwickelt sich von einer rein rationalen, prozessgesteuerten Disziplin hin zu einem prinzipienorientierten Ansatz.
Die wesentlichen Aspekte dieser Transformation umfassen:
Die Digitalisierung führt nicht zum Verschwinden der Rolle, sondern zu einer Neukonturierung der Aufgaben.
Traditionelle Messgrößen wie das „Magische Dreieck“ [Zeit, Kosten, Umfang] bleiben relevant, werden jedoch durch wertorientierte Kriterien ergänzt. Zukünftiger Projekterfolg definiert sich über:
Der Projekterfolg der Zukunft ist eine Frage der Führung und Kompetenz, nicht der bloßen Implementierung von Methoden und neuer Software. Organisationen sind gefordert, die Autorität ihrer Projektleiter zu stärken.
Es gilt, Projektmanagement nicht mehr nur als operative Disziplin, sondern als integrale Kulturtechnik zu begreifen, die den globalen Transformationsprozess maßgeblich gestaltet.

Bild 3: Verantwortlich für den Projekterfolg in zehn bis fünfzehn Jahren
Die zunehmende Komplexität und Globalität von Projekten erfordern eine Orientierungshilfe. Die Untersuchung erfahrener Projektpraktiker zeigt den Übergang vom Management zur Führung komplexer Projekte, weg von der reinen Ressourcenverwaltung hin zur Steuerung des Dialogs zwischen den Beteiligten - zur richtigen Zeit über das richtige Thema.
Das Stakeholder-Management verlagert sich hin zur gemeinsamen Sinnstiftung, um eine gemeinsame Ausrichtung mit den Beteiligten zu erreichen.
Die Leitung von Projekten bietet Potenziale für die Personalentwicklung. Angesichts der kontinuierlichen Steigerung der Projektifizierung und des Projektvolumens in der Gesellschaft sowie des Bedarfs an qualifiziertem Personal ergibt sich im Rahmen des Transformationsprozesses die Notwendigkeit, die Bedeutung des Projektmanagements in den Organisationen neu zu bewerten. Dies beinhaltet einen Mentalitätswandel hin zur Rolle als Projektleiter und die Abkehr von der Reduzierung dieser Rolle auf die eines bloßen Methodenumsetzers.
Projektmanager benötigen mehr legitime Autorität, Projektteams sollten in Bezug auf Kultur, ethnische Herkunft, Geschlecht und Alter vielfältig zusammengesetzt sein. Erforderlich sind mehr Agilität im Denken und bei der Problemlösung sowie eine ständige Aktualisierung des Wissens in Bezug auf die Branche und den Markt.
Die Erstellung eines Karriereplans für Projektmanager wird dazu beitragen, Talente in Organisationen zu binden.
Die Befragten kamen zu dem Schluss, dass Projektmanagement in Zukunft zu den wichtigsten Aufgaben in den unterschiedlichsten Branchen und Unternehmen gehören wird.
Die Ausbildung und Förderung von Projektspezialisten wird für den Erfolg und die Kundenzufriedenheit von Unternehmen in Zukunft von entscheidender Bedeutung sein.
In manchen Bereichen hängt Projektmanagement von der jeweiligen Marke ab, wobei spezifisches Wissen und technische Kompetenz erforderlich sind. Die Situation wird komplexer, da Digitalisierung und globale Projekte immer mehr zur Routine werden und eine internationale Standardisierung erfordern.
Das Projektmanagement der Zukunft zeichnet sich durch den Einsatz automatisierter Methoden und Techniken aus, die durch innovative, sich ständig weiterentwickelnde Werkzeuge unterstützt werden und die tägliche Projektarbeit erleichtern und beschleunigen. Dazu muss die Disziplin ein hohes Maß an Flexibilität bewahren und traditionelle Methoden mit dem Verständnis neuer Märkte, fundierten Kenntnissen über die Produkte und Dienstleistungen des eigenen Unternehmens sowie darüber, wie diese von den Kunden genutzt werden, verbinden. Projektziele beschränken sich nicht mehr nur auf die Realisierung von Gewinn, was zwar nach wie vor ein wesentliches Ziel zur Sicherung des langfristigen Überlebens von Organisationen bleibt, sondern konzentrieren sich auf Nachhaltigkeit und Verantwortung für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft.
Das Projektmanagement entwickelt sich von einer rationalen, streng prozessorientierten zu einer prinzipienorientierten Disziplin, die darauf ausgerichtet ist, einen Mehrwert für die Gesellschaft als Ganzes zu schaffen. Es wird zunehmend multidisziplinär und erstreckt sich über mehrere internationalen Standorte und Partner. Die zunehmende Komplexität von Produkten und Projekten führt zu einer wachsenden Bedeutung des Projektmanagements, da das Volumen der Projekte und die damit verbundene Wertschöpfung stetig zunehmen.
Teams werden zunehmend agiler und eigenverantwortlicher, Einzelpersonen verstehen sich immer mehr als Problemlöser statt als Befehlsempfänger und -ausführende. Aus dieser Perspektive lässt sich vorhersagen, dass agile und möglicherweise hybride Ansätze das Projektmanagementumfeld dominieren und die traditionelle Wasserfall-Methodik schrittweise ablösen werden.
Untersuchungen deuten darauf hin, dass es den Projektmanager auch in den nächsten zehn Jahren noch geben wird. Die Rolle wird sich vom Management hin zur Beratung, zur Umsetzung von Veränderungen und zur Wertschöpfung für Organisationen und die Gesellschaft wandeln.
Nehmen wir einen Zeitpunkt im nächsten Jahrzehnt an. Projekte sind miteinander vernetzt, werden von spezialisierten, selbstorganisierten und eigenverantwortlichen Teams realisiert und von Projektleitern gesteuert. Die Rolle des Projektmanagers hat sich zu der eines Projektleiters entwickelt, der die zunehmende Komplexität im Griff hat, das Projekt ganzheitlich und systemisch betrachtet und darauf abzielt, den Mehrwert für die Organisation und die Gesellschaft sicherzustellen.
Im Zuge des zunehmenden Projektwandels, der den Übergang von funktionalen zu projektorientierten Strukturen mit sich bringt, müssen sich Organisationen auf die Führungsqualitäten ihrer Projektmanager verlassen und ihnen die Befugnisse übertragen, die sie zur Ausführung ihrer Aufgaben benötigen.
Projekterfolg ist eine Frage der Führungsqualitäten und Kompetenzen des Projektmanagers und nicht von der Einführung neuer Methoden, Werkzeuge oder Software abhängt. Diese Erkenntnis fordert Organisationen dazu auf, ihre Haltung gegenüber dieser Rolle zu überdenken.
Die Prognose, dass die Rolle des Projektmanagers in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren bestehen bleiben wird, wird Arbeitgeber dazu ermutigen, gezielt Personal einzustellen und in Entwicklungswege zu investieren, die auf Führung, Qualifizierung und Modelle der digitalen Transformation der Projektmanagerrolle abzielen.
Das Projektmanagement erweist sich als einer der Zukunftsberufe für verschiedene Branchen und Unternehmen. Die Entwicklung und Ausbildung von Projektspezialisten wird für den Erfolg und die Kundenzufriedenheit von Unternehmen in Zukunft unerlässlich.
Wittrich, A. (2025). The Project Manager of the Future–Will the Role Continue to Exist?. Artificial Intelligence and Productivity: Challenges and Opportunities, 205. Abrufbar unter: https://www.edt-conference.com/images/EDT 2024_Conference proceedings.pdf
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Dr. Agnes Wittrich ist Kommunikations-Expertin bei Engineering Digitalization & IT im Antriebstechnologie-Konzern Schaeffler. Ihre langjährige Expertise als Projektleiterin in der Bahntechnik, im Großanlagenbau, in der Automobilindustrie und als Gestalterin von Projektmanagement-Qualifizierungsprogrammen bringt sie in ihre Forschung zur Projektmanager-Rolle ein. Sie verbindet Praxis mit wissenschaftlicher Arbeit und entwickelt das Projektmanagement weiter.
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