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Praxisbericht: Mit einem Minimum Viable PMO früh Mehrwert schaffen

Ein Minimum Viable PMO beginnt nicht mit einem umfassenden Zielbild, sondern mit einer klaren Managementanforderung. Sie ist der entscheidende Einstieg: Nur wenn der erste Service ein konkretes und dringendes Problem des Managements löst, wird sein Mehrwert früh spürbar. Das schafft Aufmerksamkeit, Akzeptanz und eine tragfähige Grundlage für die weitere Entwicklung.

Der hier beschriebene Praxisfall wurde in der PMO Ideenkiste vorgestellt. Er begann mit einer eindeutigen Frage des CIO: Welche Projekte laufen, wo bestehen Risiken und wo muss gehandelt werden? Die erforderlichen Informationen waren grundsätzlich vorhanden, lagen jedoch verteilt in Bereichslisten, Einzeldateien, E-Mails und den Köpfen der Beteiligten. Es fehlte eine konsolidierte, steuerungsrelevante Managementsicht.

Statt zunächst über Monate Prozesse, Rollen und Werkzeuge zu konzipieren, startete das Vorhaben mit einem klar abgegrenzten PMO-Service. Dessen sichtbares Artefakt war eine bewusst einfach gehaltene CIO-Liste. Sie führte die relevanten Projekte zusammen und ordnete sie anhand von Impact und Urgency einer Priorität zu. Damit konnte der CIO Handlungsbedarf über das gesamte Portfolio hinweg erstmals erkennen und adressieren.

Nach der Einführung eines ersten Services stellt sich eine richtungsweisende Frage: Soll im nächsten Zyklus ein zusätzlicher Service entstehen oder der gerade eingeführte Service verfeinert werden? Diese Entscheidung ist nicht einmalig. Nach jeder Iteration ist erneut zu bewerten, welche Option aktuell den größten Nutzen verspricht.

Im beschriebenen Praxisfall stand zunächst die Verfeinerung im Vordergrund. Die CIO-Liste erfüllte ihren ursprünglichen Zweck, doch ihre Anwendung zeigte eine entscheidende Lücke: Die Prioritäten waren sichtbar, ihre Herleitung jedoch noch nicht ausreichend nachvollziehbar. Wie wurde der Impact bestimmt? Wer bewertete die Urgency? Wie erfolgte die Gewichtung?

Der bestehende Service wurde deshalb erweitert. Bewertungslogiken, Fragen, Scores und Regeln wurden angepasst, mit realen Projekten getestet und transparenter gestaltet. Erst aus dieser praktischen Weiterentwicklung ergaben sich zusätzliche Services, beispielsweise für die Bewertung neuer Bedarfe und laufender Projekte. Die Roadmap entstand somit nicht am Schreibtisch, sondern aus Nutzung, Feedback und der wiederkehrenden Frage: Was schafft jetzt den größten Mehrwert?

Der Praxisfall zeigt zugleich eine Grenze des Ansatzes: Eine fachlich entwickelte Ressourcen- und Kapazitätssicht ließ sich nicht unmittelbar einführen. Es fehlten belastbare Daten, eindeutige Pflegeverantwortung und Akzeptanz. Ein MVPMO kann die Entwicklung wirksamer Services beschleunigen, ersetzt jedoch nicht die notwendige Veränderungsarbeit.

Die Kernerkenntnis lautet: Ein PMO muss nicht von Anfang an vollständig sein. Es muss zuerst wirksam sein. Ein geeigneter Einstieg kann darin bestehen, eine konkrete Managementanforderung zu identifizieren, dafür einen schlanken ersten Service zu entwickeln und ihn mit den späteren Nutzern zu testen. Das anschließende Feedback zeigt, ob der Service verfeinert oder der nächste entwickelt werden sollte.

Was könnte in Ihrer Organisation der erste Service eines Minimum Viable PMO sein?

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Autoren

Dominic Stirnweiß ist IT‑Projektmanager und innerhalb der AUNDE Group für den Aufbau und die Weiterentwicklung von PMO‑, Demand‑ und Projektportfolio‑Strukturen verantwortlich. Als Verantwortlicher des Group IT PMO verantwortet er die Steuerung komplexer internationaler IT‑Vorhaben sowie die Etablierung von Governance‑, Reporting‑ und Entscheidungsstrukturen auf Programm‑ und Portfolio‑Ebene. Zuvor war er unter anderem als Senior Consultant im Public Sector tätig und hat in verschiedenen Industrie‑ und Finanzprojekten an der Entwicklung von Steuerungs‑, Bewertungs- und Entscheidungslogiken gearbeitet.

dominic.stirnweiss@fehrer.com

Dr. Jörg Klein ist Experte für Projektmanagement, Organisationsentwicklung und Nachhaltigkeit. Nach seiner Promotion in Chemie an der Universität Cambridge hat er umfangreiche Erfahrung in verschiedenen Führungspositionen gesammelt. In seinen derzeitigen Rollen als Interims-Manager, Leiter der Fachgruppe PMO der GPM und Mitglied des Aufsichtsrats der GPM hilft er Organisationen, die Projektwelt zu gestalten und Strategie in nachhaltiges Wachstum zu überführen.

j.klein@gpm-ipma.de
https://interim-pmo.eu