bild daten rechner

Offene Daten sind kein reines IT-Thema – sondern Kulturwandel

Wenn über Open Data gesprochen wird, dreht sich die Diskussion häufig um technische Fragen. Welche Plattform wird genutzt? Welche Schnittstellen existieren? Welche Datenformate sind erforderlich? Wie lassen sich Informationen maschinenlesbar bereitstellen? 

Diese Fragen sind wichtig. Sie greifen jedoch zu kurz. Denn offene Daten entstehen nicht in erster Linie durch Software. Sie entstehen dort, wo Organisationen bereit sind, Wissen zu teilen. 

Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen der digitalen Transformation. Technische Lösungen lassen sich beschaffen oder entwickeln. Eine Kultur des Teilens entsteht dagegen nicht per Knopfdruck. Sie verändert Denkweisen, Arbeitsabläufe und das Selbstverständnis einer Organisation. 

Projektmanagement spielt dabei eine entscheidende Rolle. Denn Kulturwandel geschieht nicht zufällig – er muss gestaltet werden. 

Digitalisierung beginnt nicht mit Technologie 

Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung wird häufig als technisches Modernisierungsvorhaben verstanden. Neue Fachverfahren werden eingeführt, Portale entwickelt oder Prozesse automatisiert. 

Doch viele Digitalisierungsprojekte zeigen, dass die größten Hürden selten technischer Natur sind. Oft liegen die eigentlichen Herausforderungen an anderer Stelle: Informationen verbleiben in einzelnen Fachbereichen, Daten werden unterschiedlich strukturiert oder Verantwortlichkeiten verhindern den Austausch über Organisationsgrenzen hinweg. 

Dabei geht es nicht um mangelnden Willen. Über Jahrzehnte war genau dieses Verhalten sinnvoll. Informationen wurden dort gepflegt, wo sie entstanden. Zuständigkeiten waren klar geregelt und Daten dienten in erster Linie der Erfüllung eigener Verwaltungsaufgaben. 

Mit der zunehmenden Digitalisierung verändert sich diese Logik jedoch grundlegend: Daten werden heute nicht mehr ausschließlich für einen einzelnen Verwaltungsprozess benötigt. Sie bilden die Grundlage für Analysen, digitale Dienstleistungen, wissenschaftliche Forschung, neue Geschäftsmodelle und datenbasierte Entscheidungen. Ihr Wert entsteht häufig erst dadurch, dass sie gemeinsam genutzt werden können. 

Teilen schafft Mehrwert 

Wissen wird nicht weniger, wenn es geteilt wird. Dieser Gedanke erscheint selbstverständlich, ist für Organisationen jedoch keineswegs selbstverständlich. 

In vielen Verwaltungen dominiert traditionell die Frage: Wer ist für diese Daten zuständig? Bei Offenen Daten stellt sich eine andere Frage: Wer kann mit diesen Informationen zusätzlichen Nutzen schaffen? 

Damit verändert sich auch der Blick auf Daten. Sie werden nicht länger ausschließlich als internes Arbeitsmittel verstanden, sondern als Ressource, die unterschiedlichen Akteuren einen Mehrwert bieten kann. Dieser Perspektivwechsel ist weit mehr als eine technische Veränderung. Er betrifft das Selbstverständnis der Verwaltung. 

Kultur entsteht durch Zusammenarbeit 

Genau hier setzt das Projekt open.bydata der Bayerischen Agentur für Digitales an. Die Plattform verfolgt zwar das Ziel, offene Verwaltungsdaten zentral bereitzustellen und nutzbar zu machen. Bemerkenswert ist jedoch, dass sich das Projekt ausdrücklich nicht auf den technischen Betrieb eines Datenportals beschränkt. 

Vielmehr wurde ein Netzwerk aufgebaut, das Verwaltung, Kommunen, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft miteinander verbindet. Regelmäßige Austauschformate wie der Open Data Round Table, der Open Data Day München in Kooperation mit der Landeshauptstadt München, Fachveranstaltungen sowie Kooperationen mit Hochschulen und bundesweiten Partnern sollen den Erfahrungsaustausch fördern und eine offene Datenkultur etablieren. Die Plattform wird dadurch zu mehr als einem technischen Werkzeug. Sie wird zu einem Ort der Zusammenarbeit. 

Kulturwandel braucht Projektmanagement 

Gerade solche Veränderungen entstehen nicht von selbst. Wer Daten offen bereitstellen möchte, muss zunächst Vertrauen schaffen. Fachbereiche müssen überzeugt werden, Informationen freizugeben. Unterschiedliche Interessen müssen berücksichtigt, gemeinsame Standards entwickelt und neue Formen der Zusammenarbeit etabliert werden.  

Das sind klassische Aufgaben des Projektmanagements. Projektmanagement schafft Strukturen für Veränderung. Es organisiert Beteiligung, moderiert unterschiedliche Perspektiven und sorgt dafür, dass technische Lösungen von den beteiligten Menschen tatsächlich angenommen werden. 

Im Projekt open.bydata zeigt sich dieser Ansatz besonders deutlich. Die Bewerbung beschreibt die bewusste Vernetzung unterschiedlicher Communities als zentrales Merkmal des Projekts. Gerade diese Vielfalt aus Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft soll Innovationen ermöglichen und die langfristige Weiterentwicklung des Open-Data-Ökosystems sichern.  

Der Projekterfolg wird damit nicht allein an der Zahl veröffentlichter Datensätze gemessen. Entscheidend ist ebenso, ob eine Community entsteht, die offene Daten dauerhaft nutzt, weiterentwickelt und neue Anwendungsfelder erschließt. 

Offenheit verändert Organisationen 

Der eigentliche Mehrwert offener Daten besteht deshalb nicht allein in größerer Transparenz. Er verändert die Zusammenarbeit. 

Wenn Informationen leichter zugänglich werden, entstehen neue Kooperationen. Fachbereiche können voneinander lernen. Kommunen greifen auf Erfahrungen anderer Verwaltungen zurück. Wissenschaft und Start-ups entwickeln Anwendungen, die innerhalb einer einzelnen Organisation kaum entstanden wären. 

Open Data wird dadurch zu einem Katalysator für Innovation. Interessant ist dabei, dass Innovation nicht zentral geplant wird. Die Verwaltung stellt die Voraussetzungen bereit – welche Ideen daraus entstehen, entscheiden andere. Gerade diese Offenheit macht den Ansatz so wirkungsvoll. 

Kulturwandel braucht Zeit 

Technische Systeme lassen sich innerhalb weniger Monate entwickeln. Eine Kultur des Teilens entsteht dagegen schrittweise. Sie wächst durch gemeinsame Erfahrungen, erfolgreiche Kooperationen und das Vertrauen, dass Offenheit einen Mehrwert schafft. Deshalb investieren erfolgreiche Open-Data-Projekte nicht nur in Software, sondern auch in Communities, Veranstaltungen, Schulungen und Wissensaustausch. 

Diese Aktivitäten erscheinen auf den ersten Blick oft als Begleitmaßnahmen. Tatsächlich sind sie häufig die eigentliche Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg. Denn eine Plattform kann ein Werkzeug sein, um Daten zu veröffentlichen. Eine Gemeinschaft sorgt dafür, dass diese Daten genutzt werden. 

Checkliste: Ist Ihr Projekt bereit für eine Kultur des Teilens? 

Nicht jedes Projekt beschäftigt sich mit Open Data. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die eigene Organisationskultur. 

  • Denken wir Daten und Informationen als gemeinschaftliche Ressource – oder als Eigentum einzelner Bereiche? 
  • Schaffen wir Gelegenheiten für Austausch zwischen Fachbereichen und externen Partnern? 
  • Werden Wissen und Erfahrungen systematisch dokumentiert und weitergegeben? 
  • Entwickeln wir Standards gemeinsam mit den späteren Nutzerinnen und Nutzern? 
  • Fördern wir Vernetzung – oder lediglich Informationsweitergabe? 
  • Ist Beteiligung ein fester Bestandteil des Projekts oder erfolgt sie erst am Ende? 
  • Messen wir den Erfolg nur an technischen Ergebnissen oder auch daran, ob neue Formen der Zusammenarbeit entstanden sind? 

Digitalisierung beginnt nicht mit einer Plattform und endet nicht mit einer Schnittstelle. Sie beginnt dort, wo Organisationen bereit sind, Wissen zu teilen und gemeinsam daraus Neues entstehen zu lassen. Projektmanagement schafft die Voraussetzungen dafür – nicht nur durch Planung und Steuerung, sondern vor allem durch die Gestaltung von Zusammenarbeit. Genau darin liegt eine seiner wichtigsten Zukunftsaufgaben. 

Das Projekt „Open by Data“ der Bayerischen Agentur für Digitale Verwaltung zählte im Jahr 2026 zu den Nominierten für den „Roland – Deutscher Verwaltungspreis Projektmanagement“. Der GPM Blog stellt ausgewählte Projekte vor und beleuchtet die Hintergründe sowie die zentralen Erkenntnisse der nominierten Projekte. 

Kommentare

* Diese Felder sind erforderlich

Keine Kommentare

Autoren

Mit dem Projekt „Open by Data“ unterstützt die Bayerische Agentur für Digitale Verwaltung Kommunen dabei, offene Verwaltungsdaten systematisch bereitzustellen und eine nachhaltige Datenkultur aufzubauen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur technische Lösungen, sondern vor allem der organisatorische und kulturelle Wandel hin zu einer datenbasierten, transparenten und vernetzten Verwaltung.

kontakt@byte.bayern
https://open.bydata.de