
Konflikte gehören zum Projektalltag, schon in der IPMA steht: Merkmal von Projekten ist, dass es Zielkonflikte und Ressourcenkonflikte gibt. Dennoch sind Konflikte unangenehm, man mag sich damit nicht beschäftigen. Denn sie berühren, bewegen, triggern – und daran mag niemand gerne rühren. Verständlich. Doch wenn die Konflikte eskalieren oder unausgesprochen bleiben, gefährden sie Zeitpläne, Budgets und die Motivation der Beteiligten. Mit einer anderen Sichtweise auf Konflikte bleibt man in derartigen Situationen handlungsfähig und mit den richtigen Werkzeugen und Methoden lassen sich Konflikte frühzeitig erkennen und konstruktiv lösen.
Nehmen wir ein einfaches Beispiel:
Zwei Projektteammitglieder arbeiten zusammen. Die eine Person, nennen wir sie Angelika, benötigt Hilfe bei einer Aufgabe. Sie muss eine Präsentation mit Grafiken und in Englisch erstellen und halten. Darin ist sie nicht gut. Sie hatte dies vor zwei Monaten angesprochen und die zweite Person, nennen wir sie Martin, hatte ihr versprochen zu unterstützen. Doch jetzt reagierte er nicht auf ihre konkrete Bitte. Das sah Angelika als einen Affront an. Während Angelika sich schon mitten in einem Konflikt mit Martin befindet, bemerkt Martin lediglich, dass Angelika sich ihm gegenüber komisch verhält.
An dem Beispiel ist erkennbar, dass es unterschiedliche Sichtweisen auf eine Situation gibt. Und dadurch können Missverständnisse entstehen. Diese können wiederum bis zur Lähmung führen, weil die Projektteammitglieder
Und damit tritt der Fokus auf das eigentliche Projekt und das Projektziel mehr und mehr in den Hintergrund.
Projektkommunikation ist eines der wichtigen Methoden dieser Entwicklung gegenzusteuern. Dafür gibt es unterstützende Projektmanagement-Werkzeuge wie bspw. Stakeholdermatrix, Risikomanagement und Kommunikationsstrukturen.
Doch wieso haben die im Fall von Angelika und Martin nicht geholfen? Schauen wir nochmals auf unser Beispiel und gehen zwei Monate zurück:
Angelika: Ich brauche Hilfe.
Martin: Ich helfe Dir.
So weit, so gut! Doch die Kommunikation ist zwei Monate her. Angelika hat nicht daran angeknüpft und auch nicht transparent gemacht, dass Sie die Hilfe schnell und dringend braucht. Martin hat nicht kommuniziert, dass ihm zur Einschätzung wesentliche Informationen fehlen (z.B. bis wann braucht Angelika das Ergebnis) und sich seine Prioritäten verschoben haben.
Projektkommunikation ist mehr als reiner Informationsaustausch – sie ist der Schlüssel zur Handlungsfähigkeit. Funktioniert sie nicht, wird es schnell teuer: Verzögerungen, Missverständnisse und steigende Reibungsverluste können Projekte aus der Bahn werfen.
Wichtig ist neben einer klaren und respektvollen Kommunikation auch, dass Raum gegeben wird für das Thema „wie gehe ich mit Konflikten um“ zu geben. Es hilft, den Projekterfolg nachhaltig zu sichern.
In dem ich diesen Raum schaffe, gebe ich einen Rahmen, in dem sich die Menschen austauschen können, gemeinsam eine Situation oder ein Thema zu betrachten. Und ein Verständnis füreinander aufbauen. „Ah so siehst Du das!“. „Ich sehe es so: …“
Schauen wir nochmal auf unser Beispiel:
Als Projektleitung habe ich mit diesem Rahmen die Grundlage geschaffen für weitere Handlungen: In dem ich diesen Raum schaffe, gebe ich den Konflikten eine Richtung: die zur Lösung hin. Was braucht mein Gegenüber gerade, um sich zu entwickeln? Um das zu leisten, was er erreichen will oder ich von ihm wünsche? Und was kann ich dazu beitragen bzw. will ich auch leisten?
Es geht darum, einen Rahmen zu geben – Wenn ich mir über den Rahmen im Klaren bin, kann ich auch für das Projektteam und alle Stakeholder im Projekt einen Rahmen geben. Damit schaffe ich einen Rahmen für die Konflikte. Sie werden handhabbar.
Übergeordnet lassen sich die Konflikte wie folgt bearbeiten:
Zusammenfassend gesagt geben Konflikte Hinweise: Es sind noch Themen nicht klar und transparent genug. Konflikte zu meiden und nicht anzusprechen, kostet nicht nur Zeit und Geld. Man nimmt den Menschen im Projekt die Menschlichkeit, die ihnen eigen ist. Und sich selbst als Projektleitung die Chance, sich selbst, denen die am Projekt beteiligt sind und das Projekt weiterzuentwickeln.
In der interaktiven Veranstaltung „Mit Konflikten erfolgreiche Projekte zaubern“ der GPM Regionalgruppe Bielefeld/OWL gab es als Feedback in der Teilnehmerdiskussion, dass es regelmäßig Konflikte durch unausgesprochen Erwartungshaltungen oder fehlende Rollenklarheit gibt. Ich gab daraufhin folgenden Impuls:
Ihr könnt einfach mal morgen mit einer Person anfangen: Nehmt Euch 10 Minuten Zeit, sucht Euch eine Person aus Eurem Team aus und überlegt Euch, in welchem Kontext sie arbeitet. Und beobachtet mal, wie sie an dem Tag arbeitet, und schaut, ob der Rahmen dazu passt. Und wenn ihr alle im Homeoffice arbeitet, dann habt ihr Online-Meetings, in denen ihr die Person erlebt, oder E-Mails, die ihr von der Person bekommt, usw.
Keine Kommentare
zert. Mediatorin, zert. Projektmanagerin, zert. Systemische Coach, zert. Agile Coach Mit ihrem Unternehmen Balanceakt unterstützt sie Unternehmen und Menschen, in der heutigen Zeit neue Wege zu gehen und Hindernisse wegzuräumen – mit dem Ziel, dass die Menschen zukünftig selbstständig den Balanceakt schaffen und Ihr Leben wieder farbenfroh ist. Ursprünglich aus der IT-Branche kommend bringt sie über zwei Jahrzehnte Erfahrung als Projektleiterin und Führungskraft sowie Expertise in der Prozessoptimierung und Digitalisierung mit.
info@balanceakt.life
Kommentare