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Innere Antreiber im Projektmanagement: Muster erkennen und konstruktiv nutzen

Innere Antreiber beeinflussen das Verhalten und die Entscheidungsfindung im Projektalltag. Sie wirken oft unbewusst und zeigen sich in typischen Denkmustern und Handlungen, zum Beispiel durch den Drang, perfekt zu arbeiten, es immer allen recht machen zu wollen oder ständig schnell zu reagieren. 

Diese Antreiber können Teams und Projektleitungen antreiben, zu Leistung motivieren und für Verlässlichkeit sorgen. Gleichzeitig bergen sie die Gefahr von Überforderung, Konflikten und Stress, wenn sie unreflektiert oder zu stark wirken.

Die fünf klassischen Antreiber

In der Arbeit mit inneren Antreibern werden meist fünf Grundmuster beschrieben:

  1. Sei perfekt: Hoher Qualitätsanspruch, ständiges Streben nach Fehlerfreiheit und Sorgfalt.
  2. Mach schnell: Zeitdruck, der Wunsch nach sofortigen Ergebnissen und schneller Umsetzung.
  3. Streng dich an: Überdurchschnittlicher Einsatz, das Gefühl, nie genug zu leisten.
  4. Mach es allen recht: Starke Orientierung an den Bedürfnissen anderer, Harmoniestreben.
  5. Sei stark: Widerstand gegen Schwäche zeigen, hohe Selbstbeherrschung und Zurückhaltung.

Diese Muster haben im Team sowohl positive als auch belastende Effekte: Sie können Engagement und Initiative fördern, aber auch zu Überforderung, Perfektionismus und fehlender Selbstfürsorge führen.

Wirkung und Reflexion der Antreiber im Team

Der bewusste Umgang mit inneren Antreibern ermöglicht es, das eigene Verhalten besser zu verstehen und bewusst zu steuern. Teams profitieren davon, wenn die typischen Glaubenssätze und Denkfallen erkannt und offen thematisiert werden. In der Praxis hilft es, sich regelmäßig zu fragen:

  • Welche Antreiber sind bei mir besonders ausgeprägt?
  • Wie wirken diese Antreiber auf meine Zusammenarbeit im Team?
  • Wo entstehen durch Antreiber möglicherweise Konflikte oder Stress?

Ein gemeinsamer Austausch über Antreibermuster und deren Wirkung unterstützt ein konstruktives Arbeitsklima und fördert die gegenseitige Rücksichtnahme.

Erlauber im Projektalltag integrieren

Erlauber können im Projektteam als gemeinsame Arbeitsprinzipien genutzt werden, um den Druck durch Antreiber zu verringern. Dabei sollte der Fokus nicht auf individueller psychologischer „Heilung“, sondern auf der Optimierung der Zusammenarbeit liegen. Sinnvoll ist es, Erlauber gemeinsam als Team zu formulieren, zum Beispiel als Leitsätze für Meetings oder Arbeitsabläufe:

  • „Für ein erstes Ergebnis genügt auch mal ein Zwischenschritt.“
  • „Wir lassen Raum für Rückfragen, bevor wir Aufgaben abschließen.“
  • „Offene Punkte werden angesprochen, auch wenn sie nicht perfekt vorbereitet sind.“

Die Einführung solcher Prinzipien erfolgt stets freiwillig und auf Teamebene, nicht als persönliches Etikett oder psychologisches Mantra. Das Ziel ist, eine konstruktive Arbeitsatmosphäre zu schaffen und Überlastung vorzubeugen, ohne einzelne Teammitglieder zu analysieren oder zu bewerten.

Die Rolle des PMO bei der Arbeit mit Antreibern

Das PMO kann das Thema Antreiber gezielt ins Team bringen, indem es einen strukturierten Austausch anregt. Ein möglicher Ablauf:

  1. Kurze Erklärung der fünf Antreiber anhand typischer Sätze und Verhaltensweisen, so dass die Teams den Selbst-Test machen können.
  2. Anonyme oder offene Abfrage, welche Antreiber im Team besonders häufig sind.
  3. Gemeinsame Reflexion: „Wie wirken diese Muster in der Zusammenarbeit? Wo gibt es Reibung?“
  4. Entwicklung und Vereinbarung von 1–2 Erlaubern, die das Team im Alltag unterstützt.

Das Ziel: Nicht psychologisieren, sondern ein gemeinsames Verständnis schaffen und den konstruktiven Umgang mit Unterschieden fördern.

Kulturelle Voraussetzungen

Eine offene Auseinandersetzung mit inneren Antreibern erfordert im Team Vertrauen und die Bereitschaft zur Selbstreflexion. Wo diese Offenheit noch nicht selbstverständlich ist, empfiehlt es sich, mit kleinen Impulsen zu starten und den Fokus auf die gemeinsame Verbesserung der Zusammenarbeit zu legen.

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Autoren

Anja Zeitschel ist PMP®-zertifizierte Projektmanagerin und PMO-Expertin mit 15 Jahren Erfahrung. Sie kombiniert Methodenwissen aus Projektmanagement, Kommunikation und agiler Organisationsentwicklung. Nebenberuflich coacht und berät sie PMOs.

info@pmo-zeit.de
http://www.pmo-zeit.de

Karsten Röttger bringt über 20 Jahre Erfahrung in Projekten mit. Der Fachinformatiker und Betriebswirt ist IPMA® Level D zertifiziert und aktuell im PMO eines Softwarehauses tätig. Ehrenamtlich engagiert er sich bei der GPM und dem ASB als Systemadministrator.

K.Roettger@gpm-ipma.de