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Hybrides Projektmanagement: Sind Organisationen wirklich vorbereitet?

Hybrides Projektmanagement gilt in vielen Organisationen als pragmatische Antwort auf steigende Komplexität und wachsende Unsicherheit. Klassische und agile Ansätze werden kombiniert, um Vorhersehbarkeit mit Flexibilität zu verbinden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass diese Kombination häufig unterschätzt wird. Methodische Mischung ersetzt keine bewusste Entscheidung. Die Frage nach der tatsächlichen Vorbereitung auf hybrides Projektmanagement gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Zwei Welten, eine Realität im Projektalltag

Der Anteil an Projekten, in denen klassische und agile Vorgehensweisen kombiniert werden steigt. Planungslogiken mit klaren Phasen, Budgets und Meilensteinen treffen auf iterative Entwicklung, inkrementelle Lieferungen mit Kundenabnahmen und selbstorganisierte Teams. Diese Koexistenz ist keine Ausnahme mehr, sondern Normalität. 

Ein zentrales Problem liegt in der Annahme, dass sich hybride Ansätze automatisch ergeben, sobald einzelne agile Elemente im klassischen Projektmanagement vorliegen. Tatsächlich entsteht Hybridität erst dann, wenn agile und plangesteuerte Logiken bewusst im Projektmanagement integriert werden. 

Predictive oder adaptive als bewusste Entscheidung

Es braucht klare Kriterien, welcher Ansatz in welcher Situation sinnvoll ist.

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal liegt in der Frage nach Vorhersagbarkeit und Anpassungsfähigkeit. Projekte mit stabilen Anforderungen, klar definiertem Umfang und geringer Änderungsdynamik setzen weiterhin auf ein plangesteuertes Vorgehen (predictive). Projekte mit unscharfem Zielbild, hoher Unsicherheit und dynamischen Anforderungen profitieren von adaptiven (agilen) Strukturen. Wichtig ist eine systematische Entscheidung für die richtige Vorgehensweise anhand der Kriterien Produkt, Organisation und Team.

Produkt, Organisation und Team als Entscheidungskriterien

Die Wahl der geeigneten Vorgehensweise hängt nicht allein vom Projektinhalt (Produkt) ab. Auch organisatorische Rahmenbedingungen spielen eine zentrale Rolle. Governance-Strukturen, Erwartungshaltungen von Auftraggeber*innen und die Fehlerkultur einer Organisation beeinflussen maßgeblich, ob plangesteuerte oder adaptive Arbeitsweisen tragfähig sind.

Ebenso entscheidend sind teambezogene Faktoren. Selbstorganisation, Transparenz, Kommunikationsbereitschaft und verfügbare Kapazitäten bestimmen, ob agile Elemente wirksam eingesetzt werden können. Die Entscheidung in der Projektinitiierung über das richtige Vorgehensmodell im Projekt verlangt daher eine ehrliche Einschätzung der eigenen Reife. Wunschdenken ersetzt keine strukturelle Voraussetzung.

Hybrid ist nicht gleich Hybrid

In der Praxis lassen sich unterschiedliche hybride Ausprägungen beobachten. Eine sequenziell hybride Vorgehensweise kombiniert beispielsweise sequentielle Phasen mit agilen Entwicklungsabschnitten, wenn etwa die Entwicklung, der Test und die Abnahme iterativ organisiert, die Analyse und der Rollout hingegen vor/nachgelagert sind. Parallele Hybridität entsteht, wenn parallel zu einer agilen Softwareentwicklung andere Aufgaben im Projekt sequentiell aufgesetzt werden, wenn beispielsweise die Software agil, und gleichzeitig die Hardware in Phasen entwickelt wird.

Beide Varianten erfordern klare Schnittstellen. Planung, Controlling und Berichterstattung müssen gegebenenfalls angepasst werden, da in den plangesteuerten Phasen oder Subteams im Controlling auf andere Kriterien geachtet wird, als in den agilen. Hybrides Projektmanagement ist daher kein Kompromiss, sondern ein anspruchsvolles Integrationsmodell.

Rollenklärung als kritischer Erfolgsfaktor

Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Rollenverteilung in hybriden Projekten. Projektauftraggeber*innen, Projektmanager*innen, Product Owner*in und Scrum Master*in verfolgen unterschiedliche Zielsetzungen und Verantwortungslogiken. Projektmanager*innen tragen die Gesamtverantwortung für Zielerreichung, Budget und Governance. Product Owner*in fokussieren sich auf den Produktnutzen. Scrum Master*in unterstützen Scrum-Teams bei der Anwendung von Scrum, fördern  Selbstorganisation und eine kontinuierliche Verbesserung der Zusammenarbeit der Entwicklungsteams.

Konflikte entstehen dort, wo Rollen überlappen und eine klare Abgrenzung und konkrete Aufgabenzuteilung nicht erfolgt ist. Ein*e Projektmanager*in ist nicht automatisch Scrum Master*in oder Product Owner*in. Führung, Coaching und Produktverantwortung sind unterschiedliche Aufgaben, die bewusst verteilt werden müssen. 

Führung und Kultur im hybriden Kontext

Neben methodischen Fragen rückt die Führungskultur in den Mittelpunkt. Hybrides Projektmanagement verlangt in verstärktem Ausmaß situative Führung. Steuerung und Vertrauen müssen ausgewogen kombiniert werden. Transparenz, Dialogfähigkeit und Entscheidungsstärke gewinnen an Bedeutung. 

Organisationen unterschätzen häufig den kulturellen Wandel, der mit hybriden Ansätzen einhergeht. Akzeptanz für Unsicherheit, Offenheit für Lernen und die Bereitschaft zur Rollenklärung sind keine Selbstverständlichkeit. Investitionen in Qualifikation, Coaching und gemeinsame Verständigung sind daher unverzichtbar.

Vorbereitung entscheidet über Wirksamkeit

Hybrides Projektmanagement ist keine Abkürzung und kein Allheilmittel. Der Ansatz entfaltet seinen Nutzen nur dann, wenn Organisationen bereit sind, sich mit den Konsequenzen auseinanderzusetzen. Klare Kriterien für die Methodenauswahl, angepasste Standards, geeignete Werkzeuge und ein gemeinsames Rollenverständnis bilden die Grundlage.

Erst durch diese bewusste Vorbereitung wird hybrides Projektmanagement zu einem leistungsfähigen Modell. Nicht die Kombination von Methoden entscheidet über den Erfolg, sondern die Fähigkeit, passende Strukturen für die jeweilige Projektrealität zu gestalten.

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Autoren

Hon.Prof.(FH) Dr. Dagmar Silvius-Zuchi ist Senior Beraterin und Trainerin für Prozessmanagement, Projekt- und Programmmanagement sowie Change Management. Sie hat über 25 Jahre Erfahrung im Management und in der Beratung von Projekten und Programmen, im Management und in der Beratung von Veränderungsprozessen und in der Entwicklung von Individuen und Teams. Sie ist Vortragende an der Technischen Universität Wien, der Wirtschaftsuniversität Wien, der Donau Universität Krems, der Lauder Business School sowie einigen anderen Hochschulen.

dagmar.silvius-zuchi@enable2change.at
www.enable2change.at

Mag. Katharina Radlinger-Köhler, MBA, ist Projektmanagerin bei der Bundesrechenzentrum GmbH (BRZ). Sie verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Leitung komplexer Projekte und Programme. Als aktives Mitglied der pma – Projekt Management Austria – leitete sie die pma young crew in Österreich in den Jahren 2015 und 2016. Sie ist zertifizierte IPMA® Level C – Certified Project Manager und SCRUM Master. Das BRZ ist das Kompetenzzentrum für Digitalisierung des Public Sectors in Österreich. Als E-Government-Partner der österreichischen Verwaltung entwickelt und betreibt das BRZ moderne IT-Lösungen und verfügt über eines der größten Rechenzentren des Landes.

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