
Im Projektmanagement entscheidet der bewusste Umgang mit Energie maßgeblich darüber, wie Teams Belastungssituationen bewältigen. Der Energiehaushalt umfasst die Wahrnehmung der eigenen Kräfte und Reserven, die im Tages- und Projektverlauf unterschiedlich verteilt sind. Teams, die ihren Energiehaushalt aktiv steuern, sind in der Lage, auf Belastungsspitzen rechtzeitig zu reagieren und Überforderung vorzubeugen.
Ein wichtiger Ansatz ist die gezielte Beobachtung von Körpersensoren. Die bewusste Wahrnehmung körperlicher Signale wie Anspannung, Unruhe oder Erschöpfung gibt Hinweise auf den aktuellen Energiezustand. Teams profitieren davon, regelmäßig innezuhalten und festzustellen, wie sich Belastung oder Entspannung konkret äußert. Diese Achtsamkeit auf körperlicher Ebene bildet die Grundlage für gezielte Steuerung und Prävention im Projektalltag.
Jedes Projektumfeld ist geprägt von Faktoren, die entweder Energie rauben oder Ressourcen bereitstellen. Energieräuber sind etwa überlange oder ineffiziente Meetings, ungeklärte Zuständigkeiten, ständige Unterbrechungen, fehlende Wertschätzung, nicht getroffene Entscheidungen oder unklare Ziele. Werden diese Faktoren nicht erkannt oder angesprochen, sinkt das Energielevel im Team und die Arbeitsfähigkeit leidet.
Energiegeber entstehen durch klare Kommunikation, sichtbare Erfolge, gegenseitige Unterstützung, Vertrauen, Wertschätzung und kleine Pausen. Sie sorgen dafür, dass Belastungsspitzen abgefangen werden können und die Motivation erhalten bleibt. Teams, die regelmäßig reflektieren, welche Situationen als Energiegeber oder Energieräuber wahrgenommen werden, stärken ihre Widerstandskraft und verbessern das Arbeitsklima spürbar.
Die bewusste Auseinandersetzung mit Energieräubern und Energiegebern ermöglicht es, Belastungen frühzeitig zu erkennen. Im Projektalltag bietet sich besonders die gemeinsame Reflexion, etwa zu Beginn oder am Ende eines Meetings, an. Dabei können Teams wie folgt vorgehen:
Ein solcher Umgang mit dem Energiehaushalt stärkt die Handlungsfähigkeit im Projekt und fördert die Resilienz des Teams. Wer Signale frühzeitig wahrnimmt, kann Verantwortung für das eigene Wohlbefinden übernehmen und langfristig leistungsfähig bleiben.
Die 1-Minuten-Sanduhr ist ein bewusst gesetzter Mini-Impuls im Projektalltag. Eine Minute innehalten, bewusst lächeln, einmal tief durchatmen. Dieser kurze Moment unterbricht automatische Stressreaktionen und macht Belastung überhaupt erst wahrnehmbar. Gerade in dichten Projektphasen hilft diese kleine Pause, Energie gezielt zu steuern, statt sie unbemerkt zu verlieren. Wenig Aufwand, spürbare Wirkung.
Das Project Management Office (PMO) kann den bewussten Umgang mit Energie im Projektalltag nachhaltig stärken. Durch die Einführung von Reflexionsformaten, regelmäßigen Check-ins und gezielten Nachfragen werden Belastungen frühzeitig sichtbar und können gezielt bearbeitet werden.
Das PMO unterstützt eine Arbeitskultur, in der Energiegeber bewusst gefördert und Energieräuber konsequent adressiert werden. Mit solchen Impulsen bleibt das Team auch in anspruchsvollen Phasen motiviert, leistungsfähig und flexibel.
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Anja Zeitschel ist PMP®-zertifizierte Projektmanagerin und PMO-Expertin mit 15 Jahren Erfahrung. Sie kombiniert Methodenwissen aus Projektmanagement, Kommunikation und agiler Organisationsentwicklung. Nebenberuflich coacht und berät sie PMOs.
info@pmo-zeit.deKarsten Röttger bringt über 20 Jahre Erfahrung in Projekten mit. Der Fachinformatiker und Betriebswirt ist IPMA® Level D zertifiziert und aktuell im PMO eines Softwarehauses tätig. Ehrenamtlich engagiert er sich bei der GPM und dem ASB als Systemadministrator.
K.Roettger@gpm-ipma.de
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