In sechs Schritten zur Balance
Nun gilt es, einen Weg aus dem Dilemma der Termininflation zu finden und in seinem Team und Unternehmensumfeld zu etablieren. Dazu haben sich die folgenden sechs Schritte bewährt.
1. Was ist nötig?
Mit dieser Sinnfrage und der Klärung von Notwendigkeiten sollten Teams starten. Etablierte Kommunikations- und Kooperationsformate können so überarbeitet werden. Dabei müssen sowohl jedes einzelne Teammitglied als auch das Team insgesamt eine Bestandsaufnahme darüber führen, welche Kommunikationsinhalte und Arbeitsergebnisse benötigt werden.
2. Wer kann das? Der macht das!
Der zweite Schritt ist der wesentlichste. Im Team muss vereinbart werden, welcher Mitarbeiter für welches Thema der zentrale Ansprechpartner ist und die fachliche Verantwortung übernehmen soll. Eine Klärung und Vereinbarung eindeutiger Zuständigkeiten sollte sich an der Kompetenz der einzelnen Kolleginnen und Kollegen orientieren, nicht an ihrem Status in der Hierarchie. Das ist die Grundlage, um Besprechungstourismus und Terminflut zu verhindern.
Die ersten beiden Schritte sind nur initial nötig. Es lohnt sich allerdings, sie in regelmäßigen Zeiträumen, beispielsweise alle sechs Monate, zur Aktualisierung von Ergebnissen und Vereinbarungen zu wiederholen.
3. Die individuelle Arbeit
Mit dem dritten Schritt beginnt die eigentlich produktive Arbeit. Jede der identifizierten Aufgaben wird prinzipiell in individueller und konzentrierter Einzelarbeit bearbeitet. Pläne, Designs, Anforderungsbeschreibungen oder Strategiepapiere erfordern ein hohes Maß an Konzentration und Fokussierung. Empirisch belegt ist, dass ca. 20 Minuten benötigt werden, um sich mental in ein Themengebiet oder eine Fragestellung zu vertiefen. Erst nach dieser „Rüstzeit“ beginnt die produktive oder kreative Einzelarbeit. Für ungestörtes Arbeiten sollte daher einen Zeitraum von mindestens 90 Minuten sichergestellt werden. So kann auch etwas Verwertbares hervorgebracht werden.
4. Das Brainstorming
Hat ein Mitarbeiter noch keine Idee oder klare Vorstellung davon, wie er eine Aufgabenstellung angehen soll, kann er in einem Brainstorming mit seinen Kollegen zusammenarbeiten. Dieses Brainstorming dient dazu, das kollektive Wissen des Teams anzuzapfen und dem einzelnen Mitarbeiter zugänglich zu machen. Es geht hier nicht darum, das eigentliche Problem bereits zu lösen, sondern um gegenseitige Unterstützung. Mit den Kenntnissen und Ideen der Kollegen verstärkt, kann er sich wieder der fokussierten Einzelarbeit widmen. Die Anzahl der an einem Brainstorming beteiligten Personen sollte fünf bis sieben nicht überschreiten. Der Grund hierfür ist, dass die Dynamik der Kommunikation in größeren Personengruppen die Qualität des Informationsaustausches sehr stark reduziert. Nötigenfalls können mehrere aufeinander folgende Brainstormings durchgeführt werden.
5. Die Peer-Reflexion
Falls ein Mitarbeiter den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, braucht er Hilfe. Deshalb sollte er jederzeit einen sachkundigen Kollegen zu einem Reflexionsgespräch einladen können. „Solange ich nicht höre, was ich sage, kann ich nicht wissen, was ich denke!“ Nach dieser Maxime ermöglicht es ein Einzelgespräch, potentielle Denkfehler oder konzeptionelle Webfehler der eigenen Arbeit zu identifizieren und zu korrigieren. Außerdem kann jede Peer-Reflexion zusätzliche Impulse hervorbringen und so die Qualität der eigenen Arbeit weiter verbessern.
6. Das Team-Review
Der letzte Schritt ist der Abbinder und offizielle Abschluss. Indem die Arbeitsergebnisse einer größeren Runde von Interessenten und Kollegen vorgestellt werden, werden zwei Aspekte sichergestellt.
Zum einen wird die Kommunikation zu den erreichten Arbeitsergebnissen auf persönlicher Ebene gewährleistet. Dies ist nötig, um Verständnisfragen zu klären und die Akzeptanz und Anschlussfähigkeit des Arbeitsproduktes zu unterstützen. Zum anderen dient ein Team-Review der abschließenden Qualitätssicherung, bevor das Produkt der Arbeit veröffentlicht wird.
peter
25.01.2024 – 19:13
Ein exzellenter Artikel, der sehr gut eine Unart in vielen Unternehmen beschreibt.