Nach Ansicht von Frau
Prof. Dr. Monika Burg von der International School of Management - ISM sollten Unternehmen und speziell Führungskräfte angesichts eines komplexer werdenden Wirtschaftssystems erkennen, dass sie nicht alles im Griff haben. Dieser Entwicklung Rechnung tragend, seien Manager jetzt gefordert einen geeigneten Rahmen zu setzen, damit Unternehmen agiler werden. Agilität ist für Monika Burg ein Ansatz, um die Energie der Mitarbeiter freizusetzen. Sie versetzt die Unternehmen in die Lage in der VUCA Welt zu bestehen.
In ihrer Rolle als Professorin sprach Monika Burg ihre Verwunderung aus: „Eigentlich müsste es einen richtigen Ruck an den Hochschulen geben.“ – Doch ihr Eindruck ist, dass an den Hochschulen weiterhin vorranging der klassische Regelkreis Plan – Do – Check – Act als Managementansatz und Projektmanagement nach dem Wasserfallmodell vermittelt werden. Angesichts des notwendigen kulturellen Wandels in den Unternehmen passe die ISM die Lehrpläne an, für die Hochschullandschaft sei das aber nicht repräsentativ.
Die energiegeladene
Franziska Weir nimmt ganz selbstverständlich mit ihrer drei Monate alten Tochter an der Podiumsdiskussion teil. Das zaubert ein Lächeln in die Gesichter der Zuhörer. Ganz nebenbei zeigt es, dass auch der radikale und so selbstverständlich gewordene Ausschluss von Kindern aus dem beruflichen Alltag der Eltern zu den zu hinterfragenden Konzepten gehört.
Franziska Weir entwickelt als Teil des Impact Hub Ruhr-Teams Workshops und Weiterbildungsprogramme, die Führungskräfte und Mitarbeiter auf die Herausforderungen der neuen Arbeitswelt vorbereitet. Auf die Frage, was traditionelle Unternehmen von Start-ups lernen können, antwortet sie: „Unternehmen müssen lernen, echte Kundengespräche anstatt Verkaufsgespräche zu führen.“ Sie empfiehlt, die Kritik von Kunden für die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen systematisch aufzugreifen, anstatt diese wie heute oft üblich durch eine Beschwerdeabteilung „wegzumanagen“.
Besonderes Gehör und große Zustimmung sowohl bei den Veranstalterinnen des Project Culture Days als auch bei den Teilnehmern unterschiedlichen Alters finden Franziska Weirs Ausführungen zu der Generation 50+. Mitarbeiter aus dieser Generation würden zu Unrecht als „Altes Eisen“ abgestempelt. Für Franziska Weir ist dies nicht nachvollziehbar. Aus ihrer Sicht zeichnet sich die Generation 50+ vor allem durch eine besondere Umsetzungsstärke aus und hat zudem ein gutes Gespür für die Kunden. Entsprechend plädiert Fanziska Weir für ein generationsübergreifendes Arbeiten – gerade auch an Innovationen.
Aus
Nadine Nobiles Sicht geht es beim Thema New Work darum „mit vielen Blickwinkeln die Zukunft zu gestalten“. Diese Aussage bezieht sie auf Frauen und Männer, auf Junge und Alte, auf Menschen aus den alten und aus den neuen Bundesländern. Sie selbst hat die Erfahrung gemacht, dass beim Thema New Work nur Männer auf der Bühne stehen. Als Gründerin von „New Work Women“ möchte sie dieses sich selbst reproduzierende System irritieren. Entsprechend hat sie auch gerne die Einladung der Veranstalterinnen zum Project Culture Day angenommen, bei der die Frauen auf dem Podium überproportional vertreten sind.
Nadine Nobile liebt es, Tabus zu brechen, die im Kontext von New Work hinderlich sind. Dies ist ihr mit ihrem Buch „New Pay“, über die Entwicklung neuer, unternehmensspezifischer Konzepte zur Entlohnung gelungen, welches sie gemeinsam mit ihrem Mann Sven Franke und der Journalistin Stefanie Hornung verfasst hat.
Im Rahmen der Podiumsdiskussion spricht sie ein weiteres Tabuthema an – „Macht“. Macht, so konstatiert Nadine Nobile, wird vielfach nur negativ gesehen. Aber auch in der Welt von New Work geht ohne Macht nichts. Laut Nadine Nobile braucht es „die Ermächtigung von Menschen, um sie zu Gestaltern zu machen“ und sie fragt: „Wie kommen wir zu einer Ermächtigung der Mitarbeiter? Sie selbst möchte zu dieser Ermächtigung beitragen, indem sie Menschen eine Sprache bei Tabuthemen gibt – wie zum Beispiel beim Thema Gehalt oder eben bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Macht.
Guido Bosbach ist Berater und einer der reichweitenstärksten Blogger im Kontext Management und Führung sowie Partner im Netzwerk „Agility Netzwerk“. Während im Kontext von Agilität häufig von der Notwendigkeit gesprochen wird, dass Mitarbeiter ein agiles Mindset entwickeln, weist Guido Bosbach darauf hin, dass Menschen zu Hause agil unterwegs sind. Privat sind sie es gewohnt sich auf mögliche Veränderung vorzubereiten und passen sich Veränderungen an. Nur im Unternehmen handeln Menschen anders. Wie passt das zusammen? Im Unternehmen stoßen sie laut Guido Bosbach auf Hemmnisse, auf bürokratische Hürden, aber auch auf hemmende Glaubenssätze. Entsprechend muss der Fokus agiler Transformation auf die Veränderung der Rahmenbedingungen im Unternehmen zielen. Der Mensch muss wieder in den Mittelpunkt gestellt werden.
Auch bei einer der späteren Diskussion im Plenum klinkt sich Guido Bosbach wortstark ein. Es schmeckt ihm nicht, wenn davon gesprochen wird, „man müsse die Fehlerkultur verbessern“. Dieser Ansatz greife zu kurz. Es gehe vielmehr darum „eine geeignete Lernkultur zu etablieren“ – dazu gehört für Guido Bosbach das Experimentieren, genauso wie das Aufbauen auf Erfolgen.
Klaus Wagenhals
25.01.2024 – 19:13
Glückwunsch zu diesem ersten ProjectCultureDay - er griff offensichtlich viele verschiedene, spannende themen auf, die jetzt schon, aber noch stärker die nächsten Jahre in der Arbeitswelt dominieren werden. und danke Euch für diese Initiative, die m.E. dazu beitragen kann und wird, die Community in und um die GPM rum noch stärker zu sensibilisieren, dass es jenseits von der 25.Methoden-Diskussion und dem Hype um agil und hybrid usw. noch weitere Themenfelder gibt, die mit der Projektwelt verknüpft werden müssen. Ich selbst habe schon einige Jahre u.a. bei uns in KA, aber auch in anderen Regionen das Thema "new work" aufgegriffen und zum einen versucht mit den "Augenhöhe"-Leuten in KA was Gemeinsames auf die Beine zu stellen und zum anderen über Abende eine Diskussion zur sinnvollen Verknüpfung von agilen Prinzipien, dem "klassischen" PM sowie den gewachsenen, meist hierarchischen STrukturen in den Unternehmen anzustossen ("vom agilen Projekt zu mehr Agilität im Unternehmen..."). ich wäre sehr an der weiteren Vertiefung des Themas in unseren Strukturen interessiert - z.B. bei uns in der Regionalgruppe in KA, aber auch in der Fachgruppe "führen in/von projekten", an der ich mirwirke. Herzlichen Dank - ich wünsche mir, dass wir in Kontakt bleiben. KW