
Mit 182 Teilnehmerinnen und Teilnehmern fand am 30.04.2020 der Online-Workshop „Corona Krise – Sputnik-Schock, Lackmustest, oder lang gesuchte Bewährungsprobe für PMO und Projektmanagement?“ statt. Moderatorin Marianne Windelband und Referent Ayelt Komus haben die Teilnehmerbeiträge ausgewertet und diskutieren sie hier.
Vielen Dank an die 182 TeilnehmerInnen des Webinars für die Bereitschaft, die eigenen Erfahrungen mit uns zu teilen – per Kurzumfrage, im Chat und per Teilnahme an der abschließenden Umfrage.
Während des Webinars haben wir die Möglichkeit genutzt Kurzumfragen durchzuführen, die Ergebnisse haben wir präsentiert und dabei auch konkrete Nachfragen gestellt, die die Teilnehmer via Chat beantwortet haben. Im Nachgang haben wir uns dann die Zahlen und die Rückmeldungen der TeilnehmerInnen nochmal genau angeschaut. Die Ergebnisse werden Sie vielleicht zum Teil überraschen – zumindest ist es uns so ergangen. Wir freuen uns, sie im Folgenden präsentieren zu können.
An dieser Stelle ist zunächst jedoch darauf hinzuweisen, dass die erhobenen Daten in verschiedenen Aspekte Unschärfen aufweisen – so ist es nicht ungewöhnlich, dass einige Teilnehmer sich später in das Webinar einklinken, andere sich früher ausklinken und immer mal wieder der ein oder andere mit technischen Problemen zu kämpfen hat, oder zwischendrin anderweitig abgelenkt ist. Auch ist die Stichprobe sicherlich nicht repräsentativ, sondern bzgl. der Zusammensetzung in einigen Aspekten mit einem Bias versehen. Wissenschaftlichen Standards genügt die Datenqualität daher nicht – dennoch sind die Rückmeldungen nach unserer Auffassung allein schon durch die hohe Anzahl der TeilnehmerInnen interessant, und zumindest zeigen sie interessante Tendenzen.
Abfrage: Wie hoch ist der Anteil von Männern und Frauen in diesem Webinar -
Bitte um Angabe:
Multiple-Choice mit einer Antwort
Weiblich | 78,83% |
Männlich | 18,25% |
Divers | 2,92% |
(n= 137)
Sicher ist der hohe Frauenanteil von 78,83% auch dem aktiven Netzwerk der PM-Expertinnen innerhalb der GPM e.V. zuzuschreiben. Laut Abfrage hatten 31,08% der TeilnehmerInnen über den Newsletter der PM-Expertinnen von unserem Webinar erfahren.
Jedoch gibt es auch eine weitere interessante Erklärungsmöglichkeit für den hohen Anteil an Frauen. Eine Teilnehmerin schreibt dazu: „Als berufstätige Mutter habe ich schon seit langem an keiner GPM Veranstaltungen teilgenommen, was mit fehlenden Kapazitäten zu tun hatte. Somit bin ich dankbar, dass die aktuellen Entwicklungen über Webinare eine neue Teilnahmemöglichkeit für mich schaffen! … gerne weiterhin Webinare – ist mit Kindern besser zu organisieren als Präsenzveranstaltungen.“
Multiple-Choice mit einer Antwort
Mitarbeit im Projekt / Unterstützung / Project Office | 11,33% |
Projektcontrolling, Qualitätsmanagement | 7,33% |
Projektleitung | 41,33% |
PMO (Project Management Office) o.ä. | 21,33% |
Sonstiges | 18,67% |
Damit sind fast 63% in Leitungs- oder Konzeptionsaufgaben bzgl. Projektmanagement und Projektmethodik tätig.
Multiple-Choice mit einer Antwort
Die Bedeutung des PM hat stark gewonnen. | 15,94% |
Die Bedeutung des PM hat gewonnen. | 31,16% |
Die Bedeutung des PM hat sich neutral entwickelt. | 36,96% |
Die Bedeutung des PM ist zurückgegangen. | 13,04% |
Die Bedeutung des PM ist stark zurückgegangen | 2,90% |
Multiple-Choice mit einer Antwort
Etablierte PM-Standards wurden strikt beibehalten. | 8,27% |
Etablierte PM-Standards wurden tendenziell beibehalten. | 39,10% |
Etablierte PM-Standards wurden sehr flexibel ausgelegt. | 39,85% |
Etablierte PM-Standards wurden über den Haufen geworfen. | 12,78% |
Multiple-Choice mit einer Antwort
... kaum eine Rolle. | 16,06% |
... nur eine nachgelagerte Rolle. | 24,82% |
... eine wesentliche Rolle. | 49,64% |
... die dominierende Rolle. | 9,49% |
(n=137)
40% der Teilnehmer sind demnach derzeit nicht, oder kaum mit einer systematischen Nutzung der Chancen durch die Corona-Krise befasst.In diesem Kontext berichteten die TeilnehmerInnen via Chat. Das sind die Antworten:
Multiple-Choice mit einer Antwort
deutlich schlechter | 2,27% |
schlechter | 24,24% |
Neutral | 46,97% |
Besser | 21,97% |
deutlich besser | 4,55% |
(n=132)
Damit zeigt sich auch hier eine neutrale, sogar leicht positive Wahrnehmung der Veränderung der Qualität der Zusammenarbeit. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich bereits an anderer Stelle.Multiple-Choice mit einer Antwort
Meine Arbeitsbelastung ist deutlich geringer. | 9,23% |
Meine Arbeitsbelastung ist geringer. | 16,92% |
Meine Arbeitsbelastung ist gleich geblieben. | 33,85% |
Meine Arbeitsbelastung ist größer geworden. | 22,31% |
Meine Arbeitsbelastung ist deutlich gestiegen. | 17,69% |
(n=130)
40% der Teilnehmer sagen ihre Arbeitsbelastung habe in der Corona-Krise zugenommen. Nur 26% gaben an, dass ihre Arbeitsbelastung zurückgegangen sei. Ohne dass wir konkret nachgefragt haben gab es vereinzelt auch dazu Rückmeldungen im Chat;Multiple-Choice mit einer Antwort
Ich arbeite weiter vor Ort im Unternehmen. | 5,07% |
Ich arbeite teilweise im Homeoffice. | 13,77% |
Ich arbeite ausschließlich im Homeoffice. | 76,81% |
Keine Angabe. | 4,35% |
(n=138)
Auch dazu haben sich die TeilnehmerInnen des Webinars im Chat geäußert:
Abfrage: Kinderbetreuung und Homeoffice … | |
Multiple-Choice mit einer Antwort | |
... ist für mich in der Regel vereinbar | 14,93% |
... das parallel, ist für mich eine Belastung. | 16,42% |
... nicht anwendbar - ohne Kinder/ Kinder nicht mehr im Haus | 68,66% |
(n= 134)
„Mir fehlt mit Familie jegliche Entlastung,“ schrieb eine Teilnehmerin in den Chat.
Homeoffice und Kinderbetreuung hat Vorteile, aber auch Schattenseiten. Ganz besonders gilt dies jetzt in Zeiten der Coronakrise, wie aus den Rückmeldungen der TeilnehmerInnen des Webinars deutlich erkennbar wird.
Ganze 31% der TeilnehmerInnen gaben an, dass Sie aktuell Homeoffice und die Kinderbetreuung unter einen Hut bringen müssen. Schaut man allein auf diese Gruppe, (n=42) so zeigt sich: Für 47,62% ist die Kinderbetreuung und das Homeoffice in der Regel vereinbar, während der knapp größere Anteil, nämlich 52,38 % der TeilnehmerInnen angaben, die Kinderbetreuung parallel zum Homeoffice als Belastung zu erleben.
Kinderbetreuung und Homeoffice | ... ist für mich in der Regel vereinbar | ... das parallel, ist für mich eine Belastung. |
Rückmeldung gesamt | 47,62% | 52,38% |
(n= 42)
Die TeilnehmerInnen wurden im Nachgang zum Webinar darum gebeten einige weitere Fragen zu beantworten.
Mit dieser Umfrage haben wir uns zum Einen ein Feedback zur Veranstaltung eingeholt – an dieser Stelle auch vielen Dank dafür an die TeilnehmerInnen – zum Anderen haben wir die Möglichkeit genutzt, Fragen zu stellen, die den Rahmen des Webinars gesprengt hätten.
Rückmeldungen | In Zahlen | Anteil in % |
… von Teilnehmerinnen | 97 | 82,20% |
… von Teilnehmern | 19 | 16,10% |
… von Personen mit Status divers | 2 | 1,70% |
118 | 100% |
(n= 118)
An der Nachgangs-Umfrage beteiligt haben sich 118, d.h. 64,8 % der insgesamt 182 TeilnehmerInnen.
Abfrage: Zur Arbeit im (teilweise) virtuellen Team
Multiple-Choice mit mehreren Antwortmöglichkeiten
Antwortmöglichkeiten | In Zahlen | Anteil in % |
Teambesprechungen sind fokussiert auf reine Arbeitsinhalte. | 31 | 27,43% |
Das persönliche Erleben der Krise ist ein regelmäßiges Thema im Team. | 57 | 50,44% |
Wir nutzen Methoden, die uns helfen auch den persönlichen Austausch zu pflegen. | 55 | 48,67% |
Der Teamgeist ist stärker geworden. | 21 | 18,58% |
(n = 113)
Das persönliche Erleben der Krise ist bei 50,44% der TeilnehmerInnen ein regelmäßiges Thema im Team. Auch nutzen 48,67% Methoden, die ihnen helfen den persönlichen Austausch zu pflegen. Nur 18,58% der TeilnehmerInnen gaben an, dass der Teamgeist in Zeiten der Corona-Krise stärker geworden ist.
Multiple Choice mit mehreren Antwortmöglichkeiten
Antwortmöglichkeiten | In Zahlen | Anteil in % |
Wir nutzen verstärkt Telefon und Videokonferenzen. | 95 | 81,90% |
Wir nutzen neue digitale Tools für die Zusammenarbeit. | 76 | 65,52% |
Meine Kompetenz im Umgang mit digitalen Tools ist gewachsen | 50 | 43,10%* |
Ich sehe Nachholbedarf im Umgang mit digitalen Tools. | 31 | 26,72%* |
(n=116; männlich 19, weiblich 95, divers 2)
Ganze 26,72% der Befragten sehen einen Nachholbedarf im Umgang mit digitalen Tools
Ich sehe Nachholbedarf im Umgang mit digitalen Tools - Rückmeldungen | n | In Zahlen | Anteil in % |
Insgesamt (Frauen, Männer, divers). | 116 | 31 | 26,72% |
Selbsteinschätzung von Männern | 19 | 4 | 21,05% |
Selbsteinschätzung von Frauen | 95 | 27 | 28,42% |
Wie unterschiedlich die Werte für Frauen und Männer sein können, zeigt sich jedoch am Beispiel der Antwort „Meine Kompetenz im Umgang mit digitalen Tools ist gewachsen“.
Meine Kompetenz im Umgang mit digitalen Tools ist gewachsen - Rückmeldungen | n | In Zahlen | Anteil in % |
Insgesamt (Frauen, Männer, divers) | 116 | 50 | 43,10% |
Selbsteinschätzung von Männern | 19 | 3 | 15,79% |
Selbsteinschätzung von Frauen | 95 | 46 | 48,42% |
Schaut man sich die Zahlen für Frauen und Männer getrennt an, wird deutlich, dass überdurchschnittlich viele Frauen angaben, dass sie nach ihrer eignen Einschätzung an Kompetenz im Umgang mit digitalen Tools gewonnen haben. Hier könnte eine zukünftige weitergehende Untersuchung interessant sein.
25.01.2024 – 18:13
Sehr geehrte Frau Windelband, sehr geehrter Herr Komus,
vielen Dank für den interessanten Einblick! Ich möchte das noch ergänzen mit diesem Blogbeitrag: bit.ly/PM_COVID19.
Beste Grüße
Falk Janotta
25.01.2024 – 18:13
Vielen Dank für diese interessante Auswertung, Marianne!
Ich war auch in dem Webinar und fand nicht nur den Inhalt sehr interessant, sondern auch die Organisation, Moderation und Einbeziehung der Teilnehmer durch die (oben ausgewertete) Kurzumfragen sehr gut gelungen. Es war eine inspirierende und kurzweilige Veranstaltung.
So ist tatsächlich (wie uns die Theorie lehrt) in jeder Krise auch eine Chance...
Ich denke, ohne Corona hätten wir diese Erkenntnisse nicht so gewinnen können.
Ich freue mich auf weitere Webinare der PM-Expertinnen!
Marianne Windelband ist Organisationsentwicklerin, Prozessbegleiterin und seit über 15 Jahren in unterschiedlichen Rollen im Projektmanagement tätig. Besondere Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die zielorientierte Gestaltung und Begleitung von Veränderungsprozessen / Change, gute Kommunikation, die Einbindung relevanter Stakeholder, die Förderung übergreifender Zusammenarbeit und die Stärkung der Selbstverantwortung. In der GPM bringt sie Ihre Leidenschaft ein, die Netzwerkqualität und die Netzwerkkompetenz zu stärken, sowie ihr Interesse, die Chancen der Digitalisierung aktiv zu nutzen. Marianne Windelband ist u.a. als Mitglied des Leitungsteams der PM-Expertinnen aktiv.
m.windelband@gpm-ipma.deProf. Dr. Ayelt Komus ist Professor an der Hochschule Koblenz, Fachbeirat der Heupel Consultants und Experte für Manage-ment unter Unsicherheit sowie Projektmanagement und agile Methoden auf Ebene von Projektportfolio- und Programm-Ebene. Er ist einer der Vordenker der Nutzung agiler und hybrider Methoden insbesondere auf Ebene des Gesamtunternehmens (Scaled Agile und Multiprojektmanagement). Seine praktischen Erfahrungen aus der Begleitung vieler Unternehmen verbinden sich mit der Expertise aus seinen durchgeführten Studien. So etwa die umfangreichen Studien zu agilen Methoden in Europa „Status Quo (Scaled) Agile“ (2012, 2014, 2016/2017 und 2019/2020 in Zusammenarbeit mit Scrum.org, IPMA, GPM, bitkom u.a.), „Agiles PMO“ und „Status Quo PEP - Lean und Agil im Produktentstehungs-prozess“ oder "Positionsbestimmung S/4HANA" mit der DSAG (Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e. V.).
komus@hs-koblenz.de
Klaus Wagenhals
25.01.2024 – 18:13
vielen Dank für diesen sehr spannenden Einblick in den Umgang mit Krise, Zusammenhang mit PM und neuen oder anderen Methoden - das sollten wir auf verschiedenen Ebenen für unsere Arbeit nutzen. Danke und herzliche Grüße an Dich Marianne und an Sie Herr Prof Komus - bleibt gesund, Klaus Wagenhals