Auch dieses Format bot eine Plattform für den Austausch über Digitalisierung, innovative Führungskulturen und nachhaltige Transformationsprozesse - Themen, die für das Projektmanagement in öffentlichen Organisationen von hoher Relevanz sind. Mit Fachbeiträgen, Best-Practice-Beispielen und Diskussionsformaten brachte die GPM ihre Expertise ein, um aufzuzeigen, wie professionelle Projektmanagement-Methoden und ein kompetenzorientierter Ansatz dazu beitragen können, den öffentlichen Sektor zukunftsfähig zu gestalten und komplexe Veränderungsvorhaben erfolgreich umzusetzen.
Für die GPM gab Alexandra Hänig, zertifizierte Project Director (IPMA Level A) und IPMA-Assessorin, den Teilnehmenden des Creative Bureaucracy Festivals überraschende Einblicke in ihre zweite Leidenschaft - denn Hänig ist auch eine erfahrene Bergwanderführerin und zog in ihren Vorträgen eindringliche Parallelen zwischen Bergsteigen und Projektmanagement. Ihr zentrales Anliegen war es, die fundamentale Bedeutung von Vorbereitung, Risikobewusstsein und menschlicher Führung in beiden Disziplinen hervorzuheben. Hänig nutzte prägnante Vergleiche, um komplexe Projektmanagement-Konzepte greifbar zu machen und zu verdeutlichen, wie man auch im Büroalltag die „Gipfel“ erreicht, ohne „abzustürzen“.
Beim Creative Bureaucracy Festival 2025 stand das Thema „Gipfelstürmer gesucht - wie klare Ziele den Weg zum Erfolg ebnen“ im Mittelpunkt. Hänig betonte, dass Projektleiter klare Ziele und Visionen nicht nur haben, sondern diese auch transportieren müssen, um Transparenz und Klarheit zu schaffen. Sie hob hervor, dass Veränderungen, auch wenn sie von außen kommen, nur dann effektiv bewältigt werden können, wenn alle Beteiligten die Ausgangslage verstehen und die Auswirkungen der Veränderung gemeinsam antizipieren können. Ein wiederholter Abgleich des Verständnisses sei dabei essenziell, denn „Einmal gesagt ist nicht verstanden“. Diese Vision, so Hänig, ist wie ein wunderschönes Bild, das man sich vom erfolgreichen Projekt malt und das man dem Team kontinuierlich „verkaufen“ muss.
Bereits im vergangenen Jahr beleuchtete Alexandra Hänig beim damaligen "Zukunftskongress Staat & Verwaltung” das Thema “Projektmanagement” aus der Perspektive des Bergwandersports. Eines ihrer Kernstatements lautete schon damals: „Projekte ändern das Leben der anderen“. Sie hob hervor, dass nicht primär die Arbeitswelt des Projektleiters sich ändert, sondern die der Menschen, die mit dem Endergebnis leben müssen - sei es eine neue Brücke, neue Verkehrswege oder ein neues IT-Tool. Hänig sprach auch über den Gegensatz von Stetigkeit versus Veränderung, und dass beides seine Berechtigung hat. Sie verwies auf Menschen wie Beamte oder Buchhalter, die Planbarkeit und Stetigkeit schätzen und in diesem Umfeld effizient und glücklich sind; von ihnen aber plötzlich Flexibilität und Veränderungsbereitschaft zu erwarten, sei oft „falsch und unrealistisch“. Hier gelte es, den Menschen die Angst zu nehmen und sie aktiv mitzunehmen.
Ein weiteres zentrales Statement lautete: „Effizientes PM braucht passende Tools & Zeit“. Hänig nutzte hierfür die anschauliche Analogie der „Tool-Schuhe“: Man geht nicht mit Absatzschuhen in die Berge, mit Kletterschuhen nicht auf den Gletscher und mit schweren Bergstiefeln nicht zum Trailrun. Alle seien Schuhe, die die Füße schützen, aber nur der richtige „Schuh“ helfe beim Bewältigen des jeweiligen „Weges“ oder Projekts. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Projektmanagement-Tools passend zum jeweiligen Projekt einzusetzen. Im übertragenen Sinne ist auch die Risikobetrachtung ein fundamentales „Tool“: So warnte Hänig, dass laut einer Gartner-Studie 20 Prozent der Projekte gar nicht gestartet würden, wenn alle zu Beginn bekannten Risiken umfassend berücksichtigt würden, oft zugunsten von Prestigeprojekten.
Die Risikoeinschätzung ist eine der größten Gemeinsamkeiten zwischen Bergsteigen und Projektmanagement. Beim Bergsteigen wie im Projekt schätzt man die Gesamtsituation ein, identifiziert Risiken und sucht nach Lösungen. Die Schwierigkeit eines Bergwegs wird unter idealen Bedingungen eingeschätzt, doch Wetterumschwünge oder unvorhergesehene Ereignisse können das Risiko drastisch erhöhen. Ähnlich sei es im Projekt: Eine Grippewelle kann ein scheinbar planbares Projekt plötzlich in eine „schlüpfrige“ Situation bringen, die eine Neubewertung des Risikos erfordert. Hänig betonte, dass es im Projektalltag darum geht, präventiv und korrektiv vorzubereiten, um schnell handeln und die Auswirkungen von Rückschlägen minimieren zu können.
Ein besonders wichtiger Aspekt, den Hänig aus dem Bergsteigen mitnimmt, ist die Fähigkeit zur Entscheidung unter Druck und der Grundsatz: „Umkehren ist sinnvoller als durchhalten“. Beim Bergsteigen bewahrt dies Leben und Gesundheit. Im Projektmanagement bedeutet es, Mut zu haben, ein Ziel zu verschieben, den Scope anzupassen, mehr Budget zu fordern oder ein Projekt sogar ganz zu stoppen, wenn es nicht mehr sinnvoll ist. Hänig erklärte, dass in Krisensituationen, sei es am Berg oder im Projekt, demokratische Entscheidungen keinen Platz haben; hier sei ruhige, sachliche Analyse und die Fähigkeit, schnelle, klare Anweisungen zu geben, entscheidend. Dabei sei das Bauchgefühl ein wichtiger Kompass, der neben der Logik nicht ignoriert werden sollte.
Zusammenfassend ist Alexandra Hänigs Botschaft an junge Projektmanager und alle Führungskräfte klar: Projektmanagement ist „People Business“. Die meisten Probleme sind nicht technischer, sondern menschlicher Natur. Es geht darum, das Team als „Bergführer“ zu schützen, Probleme fernzuhalten und transparent zu kommunizieren. Der Projektleiter ist der Visionär, der an den Erfolg glauben muss, um das Team zu motivieren. Wie beim Bergsteigen wächst man an Herausforderungen und gewinnt an Sicherheit durch Erfahrung. Und letztlich geht es darum, die eigene Selbstverantwortung zu übernehmen und mutig die notwendigen Entscheidungen zu treffen.