
Bereits das Auftaktprogramm machte deutlich, dass die Erwartungen an die neue Bundesregierung und insbesondere an das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung hoch sind. Während der Zukunftskongress in den vergangenen Jahren vor allem ein Ort der Visionen und Strategiedebatten war, stand 2026 die Umsetzung konkreter Reformvorhaben im Fokus. Die Modernisierungsagenda des Bundes, die föderale Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen sowie die Digitalisierung der Verwaltung bildeten die thematische Klammer der Veranstaltung.
In seiner Eröffnungsrede warb Bundesminister a. D. Peter Altmaier dafür, Staatsmodernisierung nicht als technokratisches Spezialthema zu begreifen. Digitalisierung sei eine Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Akzeptanz staatlichen Handelns. Zugleich erinnerte er daran, dass Politik nur dann erfolgreich sein könne, wenn sie gemeinsam mit denen gestaltet werde, die ihre Entscheidungen später umsetzen müssen. Der Zukunftskongress sei deshalb einer jener Orte, an denen politische Vorhaben vorbereitet und mit der Praxis gespiegelt würden.
Im Anschluss skizzierte Philipp Amthor, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, die Leitlinien der neuen Modernisierungsagenda der Bundesregierung. Dabei stellte er vier zentrale Handlungsfelder in den Mittelpunkt: die Reduzierung von Komplexität, die Beschleunigung von Verfahren, die Bündelung von Zuständigkeiten sowie die konsequente Digitalisierung der Verwaltung. Staatsmodernisierung, so Amthor, dürfe nicht als kurzfristiger Aktionismus verstanden werden, sondern müsse auf klaren Umsetzungsplänen und verbindlichen Fristen beruhen.
Ein wiederkehrendes Motiv des Kongresses war die Frage nach der Handlungsfähigkeit des Staates. Angesichts wachsender Bürokratiekosten, steigender Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger sowie des demografischen Wandels im öffentlichen Dienst wurde deutlich, dass Verwaltungsmodernisierung nicht länger als isoliertes Digitalisierungsprojekt betrachtet werden kann. Vielmehr geht es um eine grundlegende Neuordnung staatlicher Prozesse und Zuständigkeiten. Der Zukunftskongress griff dabei Themen wie digitale Souveränität, Cybersicherheit, Kompetenzentwicklung, moderne Führungskultur und die Zusammenarbeit im föderalen Staat auf.
Ein besonderes Augenmerk lag auf der praktischen Umsetzung von Verwaltungsdigitalisierung. Diskutiert wurden unter anderem die Einführung digitaler Identitäten und Wallet-Lösungen, die Nachnutzung bestehender Bundeslösungen, die Rolle von Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung sowie Möglichkeiten zur Vereinfachung und Standardisierung von Fachverfahren. Die zentrale Botschaft lautete: Digitalisierung entfaltet ihren Nutzen erst dann, wenn sie mit organisatorischen Veränderungen einhergeht und konsequent an den Bedürfnissen von Bürgerinnen und Bürgern ausgerichtet wird.
Auch die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. war beim 12. Zukunftskongress Staat & Verwaltung mit mehreren Formaten präsent. An ihrem Informationsstand nutzte sie die Gelegenheit, mit Vertreterinnen und Vertretern aus Verwaltung, Politik und Wissenschaft ins Gespräch zu kommen und die Bedeutung professionellen Projektmanagements für die erfolgreiche Umsetzung staatlicher Vorhaben hervorzuheben. Im Mittelpunkt standen der Austausch zu aktuellen Herausforderungen in öffentlichen Projekten sowie die Frage, wie projektorientiertes Arbeiten dazu beitragen kann, komplexe Transformationsprozesse wirksam zu gestalten.
Ein besonderer Höhepunkt war die Verleihung des „Roland – Deutscher Verwaltungspreis Projektmanagement“. Mit dem Preis zeichnet die GPM gemeinsam mit ihren Partnern herausragende Projekte aus, die zeigen, wie innovative Ansätze und professionelles Projektmanagement die öffentliche Verwaltung voranbringen können. Die ausgezeichneten Projekte machten deutlich, dass erfolgreiche Verwaltungsmodernisierung nicht allein durch Gesetze und Strategiepapiere entsteht, sondern durch engagierte Projektteams, die Veränderungen vor Ort gestalten und Verantwortung übernehmen.
Im Anschluss an die Preisverleihung bot ein Best-Practice-Dialog mit den Preisträgerinnen und Preisträgern die Möglichkeit, konkrete Erfahrungen aus erfolgreichen Verwaltungsprojekten kennenzulernen. Die ausgezeichneten Teams berichteten offen über Erfolgsfaktoren, Hindernisse und Lessons Learned. Im Mittelpunkt standen dabei die Übertragbarkeit erfolgreicher Ansätze und die Frage, welche Rahmenbedingungen Projekte in der öffentlichen Verwaltung benötigen, um ihre Wirkung zu entfalten. Der praxisnahe Austausch verdeutlichte, welchen Beitrag professionelles Projektmanagement zur Bewältigung komplexer gesellschaftlicher Herausforderungen leisten kann.
Der 12. Zukunftskongress Staat & Verwaltung machte insgesamt deutlich, dass Staatsmodernisierung inzwischen eine politische Priorität geworden ist. Was vor wenigen Jahren noch als Nischenthema einiger Fachleute galt, ist heute Gegenstand breiter Debatten in Regierung, Parlamenten und Verwaltungen aller Ebenen. Der Kongress zeigte zugleich, dass die Herausforderungen groß bleiben. Der Weg zu einem modernen Staat erfordert Ausdauer, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und den Mut, gewohnte Strukturen zu hinterfragen.
Gerade darin lag die besondere Bedeutung der Veranstaltung: Sie brachte Menschen zusammen, die Verantwortung tragen – in Ministerien, Behörden, Kommunen, Unternehmen und Verbänden. Der Zukunftskongress 2026 war damit nicht nur eine Plattform für den Austausch von Ideen, sondern auch ein Arbeitsforum für die konkrete Gestaltung eines handlungsfähigen Staates. Die entscheidende Frage wird nun sein, ob es gelingt, die zahlreichen Ankündigungen der vergangenen Monate in spürbare Verbesserungen für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen zu übersetzen.
Fest steht: Die Staatsmodernisierung ist in Deutschland endgültig auf die politische Hauptbühne gerückt. Der 12. Zukunftskongress Staat & Verwaltung hat gezeigt, dass die Bereitschaft zur Veränderung vorhanden ist. Nun beginnt die Phase, in der sich Reformen im Alltag bewähren müssen. Dabei wird es nicht nur auf politische Entscheidungen ankommen, sondern ebenso auf die Fähigkeit, Projekte professionell zu planen, umzusetzen und über Verwaltungsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten.