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Projektmanagement-Lehre im Wandel: D-A-CH-Campus diskutiert neue Wege für Hochschulen

Die Hochschullehre steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Künstliche Intelligenz verändert Lernprozesse, klassische Vorlesungsformate verlieren an Bedeutung und zugleich steigen die Anforderungen an wissenschaftliche Qualität und digitale Selbstbestimmung. Wie Hochschulen auf diese Entwicklungen reagieren können, stand im Mittelpunkt des zweiten D-A-CH-Projektmanagement-Campus.

Auf Einladung der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. und der Partnerorganisationen pma und spm kamen Lehrende und Forschende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an der Technischen Hochschule (TH) Köln zusammen und nutzten die zweitägige Veranstaltung, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam über die Zukunft der Projektmanagement-Lehre zu diskutieren. Der D-A-CH-Projektmanagement-Campus diente zudem als letzter Stopp der GPM Sommertour, mit der die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. ein Zeichen für mehr Sichtbarkeit und Relevanz von Projektmanagement in Wirtschaft und Gesellschaft setzt. 

Bereits in der Eröffnung wurde deutlich, dass es den Veranstaltern um weit mehr als einzelne Lehrmethoden ging. GPM Präsident Prof. Dr. Peter Thuy skizzierte die tiefgreifenden Veränderungen, vor denen Hochschulen stehen. Die Zeit der klassischen Wissensvermittlung, in der Lehrende Inhalte vermitteln und Studierende überwiegend zuhören, gehe ihrem Ende entgegen. Künftige Hochschullehre müsse stärker von Diskussion, gemeinsamer Problemlösung und projektbasiertem Lernen geprägt sein. Gerade Projektmanagement biete hierfür ideale Voraussetzungen, weil es Zusammenarbeit, Eigenverantwortung und interdisziplinäres Denken verbinde. 

Diesen Gedanken griff Prof. Dr. Axel Fassbender, Vizepräsident für Lehre und Studium der TH Köln, in seinem Grußwort auf. Er stellte die Hochschule als Institution vor, die sich ausdrücklich gesellschaftlicher Wirkung verpflichtet fühlt. Wissenschaft solle nicht nur Erkenntnisse produzieren, sondern gemeinsam mit Wirtschaft, Politik und Gesellschaft an konkreten Lösungen arbeiten. Als Beispiele nannte er mehrere große Reallabore der TH Köln, in denen nachhaltige Entwicklungen unter realen Bedingungen erforscht werden. Solche Vorhaben machten deutlich, welche Bedeutung Projektmanagement inzwischen weit über Industrie- und Unternehmensprojekte hinaus gewonnen habe. Es werde zunehmend zur Schlüsselkompetenz, um komplexe Transformationsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft erfolgreich zu gestalten. 

Für Fassbender ist damit zugleich eine grundlegende Veränderung der Hochschullehre verbunden. Projekt-, problem- und challengebasierte Lernformen müssten künftig einen deutlich größeren Stellenwert einnehmen als klassische Vorlesungen. Die TH Köln arbeite deshalb an einer umfassenden Weiterentwicklung ihrer Studiengänge mit stärker vernetzten Curricula, interdisziplinären Lernangeboten und flexibleren Studienstrukturen. Künstliche Intelligenz werde diese Entwicklung zusätzlich beschleunigen und verlange auch von Lehrenden die Bereitschaft, ihre Rolle und ihre Lehrmethoden neu zu denken. 

Ein ambitioniertes Ziel: Digitale Souveränität in der Hochschullehre 

Einen konkreten Schwerpunkt setzte anschließend Prof. Dr. Harald Wehnes mit seiner Keynote zur digitalen Souveränität in der Projektmanagement-Lehre. Sein Ausgangspunkt war die wachsende Abhängigkeit europäischer Organisationen von wenigen internationalen Software- und Cloud-Anbietern. Diese Entwicklung sei längst nicht mehr nur eine technische oder wirtschaftliche Frage, sondern berühre die digitale Handlungsfähigkeit von Hochschulen ebenso wie die gesellschaftliche Selbstbestimmung Europas. 

Wehnes machte deutlich, dass Hochschulen bei dieser Entwicklung eine besondere Verantwortung tragen. Wer Studierende ausschließlich mit proprietären Plattformen und Softwarelösungen ausbilde, vermittle nicht nur digitale Kompetenzen, sondern schaffe zugleich langfristige Abhängigkeiten. Hochschulen sollten deshalb digitale Souveränität selbst zum Lernziel machen und verstärkt auf offene Standards sowie leistungsfähige Open-Source-Lösungen setzen. Zahlreiche Beispiele aus Deutschland und anderen europäischen Ländern zeigten bereits heute, dass Alternativen zu etablierten Plattformen in vielen Bereichen erfolgreich eingesetzt werden könnten. 

Dabei verstand Wehnes digitale Souveränität ausdrücklich nicht als technisches Spezialthema für IT-Abteilungen. Vielmehr gehe es um die Fähigkeit von Organisationen und Einzelpersonen, selbstbestimmt über Daten, Software und digitale Infrastrukturen zu entscheiden. Gerade Hochschulen könnten hier eine Vorreiterrolle übernehmen, indem sie Studierende befähigten, digitale Werkzeuge bewusst auszuwählen und deren Auswirkungen kritisch zu reflektieren. 

Erfolgreich publizieren: So kommt es nicht zum „Desk Reject“ 

Einen anderen Blick auf die Zukunft der Hochschulen eröffnete Prof. Dr. Reinhard Wagner. Sein Vortrag widmete sich der Frage, wie wissenschaftliche Veröffentlichungen erfolgreich in internationalen Fachzeitschriften platziert werden können. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass viele Beiträge bereits vor dem eigentlichen Begutachtungsverfahren scheitern, weil sie zwar umfangreiche Praxiserfahrungen schildern, jedoch die Anforderungen wissenschaftlicher Forschung nicht erfüllen. 

Wagner machte deutlich, dass zwischen einem Erfahrungsbericht und einer wissenschaftlichen Publikation grundlegende Unterschiede bestehen. Am Anfang stünden nicht Lösungen, sondern Forschungsfragen. Erst auf dieser Grundlage entstünden theoretische Fundierung, geeignete Forschungsmethoden und schließlich ein nachvollziehbarer wissenschaftlicher Beitrag. Internationale Fachzeitschriften erwarteten deshalb weit mehr als interessante Praxisbeispiele. Entscheidend seien eine klare Forschungsfrage, methodische Transparenz und ein erkennbarer Erkenntnisgewinn für die wissenschaftliche Community. 

Auch den Einsatz Künstlicher Intelligenz ordnete Wagner differenziert ein. KI könne Recherche, Sprachbearbeitung oder Strukturierung sinnvoll unterstützen. Die eigentliche wissenschaftliche Leistung müsse jedoch weiterhin von den Autorinnen und Autoren selbst erbracht werden. Viele internationale Journale verlangten inzwischen ausdrücklich offenzulegen, welche KI-Werkzeuge verwendet wurden und in welchem Umfang sie den Entstehungsprozess unterstützt haben. 

Beim ersten Tag des D-A-CH-Projektmanagement-Campus wurde deutlich: Hochschulen stehen heute vor der Aufgabe, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Studierende auf eine Arbeitswelt vorzubereiten, die von technologischen Umbrüchen, interdisziplinärer Zusammenarbeit und stetigem Wandel geprägt ist. Projektmanagement entwickelt sich dabei zunehmend vom Lehrinhalt zur Gestaltungsdisziplin: Es liefert Methoden, mit denen Hochschulen den eigenen Wandel ebenso bewältigen können wie die Herausforderungen einer sich grundlegend verändernden Gesellschaft. 

Weiterführendes Material zur Veranstaltung finden Sie hier.

Ansprechpartner

Sebastian Wieschowski