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Nachruf auf Klaus Pannenbäcker

Die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. trauert um Klaus Pannenbäcker. Mit seinem Tod verliert die GPM nicht nur einen ihrer großen Wegbereiter, sondern auch einen Menschen, der über Jahrzehnte hinweg Orientierung gegeben, Verantwortung übernommen und Generationen von Projektmanagerinnen und Projektmanagern geprägt hat.

Als langjähriges Vorstandsmitglied der GPM, ehemaliger Präsident der International Project Management Association (IPMA) und Ehrenvorsitzender der GPM steht er wie kaum ein anderer für die Professionalisierung des Projektmanagements. „Mit Klaus Pannenbäcker verliert die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement eine Persönlichkeit, die das Projektmanagement in Deutschland und weit darüber hinaus über Jahrzehnte hinweg maßgeblich mit aufgebaut und geprägt hat. Sein Wirken bleibt – fachlich, institutionell und menschlich“, betont GPM Präsident Prof. Dr. Peter Thuy.

Klaus Pannenbäcker, Jahrgang 1935, studierte Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Dortmund. Nach Stationen bei der Siemens-Schuckert AG ab 1959 und der Kraftwerkunion AG beschäftigte er sich früh mit der Frage, wie komplexe technische Projekte systematisch geplant, dokumentiert und gesteuert werden können. Diese praktische Erfahrung aus Industrie und Anlagenbau prägte sein Verständnis von Projektmanagement nachhaltig: weniger als theoretisches Modell, sondern als professionelles Handwerk mit klaren Rollen, nachvollziehbaren Prozessen und verbindlichen Standards. 1981 gründete er mit der GABO mbH ein eigenes Unternehmen für angewandtes Projektmanagement und technische Dokumentation, das er 2001 seinen Mitarbeitenden überschrieb – auch dies ein Ausdruck seines Vertrauens in Menschen, Verantwortung und gemeinsame Entwicklung.

Parallel engagierte sich Klaus Pannenbäcker mit großer Ausdauer für den Aufbau des Projektmanagements als eigenständige Profession. Besonders prägend wurde dabei seine Arbeit innerhalb der GPM: Von 1983 bis 1994 wirkte er im Vorstand der GPM und gehörte zu jener Generation, die Projektmanagement in Deutschland organisatorisch, methodisch und personell aufgebaut und professionalisiert hat. Während vielerorts noch vor allem über Methoden diskutiert wurde, arbeitete er bereits an der Frage, wie Projektmanagement systematisch vermittelt, bewertet und qualitätsgesichert werden kann. Er dachte Projektmanagement weiter – als Kompetenz, als Haltung und als Verantwortung gegenüber Menschen, Organisationen und Gesellschaft.

Klaus Pannenbäcker war maßgeblich an der Entwicklung der Grundlagen der kompetenzbasierten Qualifizierung und Zertifizierung im Projektmanagement beteiligt. Aus dieser Arbeit entstand das spätere IPMA-4-Level-Certification-System auf Basis der IPMA Competence Baseline (ICB), das bis heute die internationale Projektmanagement-Zertifizierung prägt. Pannenbäcker war überzeugt, dass professionelles Projektmanagement vor allem auf praktischer Erfahrung, persönlicher Entwicklung und dem Lernen voneinander basiert. Im Interview zur Einführung der ICB 4 sagte er über viele Teilnehmer der Zertifizierungen: „Sie haben für ihr Projektmanagement viel von anderen gelernt und in der Praxis Erfahrungen gesammelt.“ Dieser Satz beschreibt zugleich seine eigene Haltung: Projektmanagement war für ihn nie reine Methodik, sondern gelebte Erfahrung, Austausch, Vertrauen und kontinuierliches Lernen. Viele heute selbstverständliche Elemente der Projektmanagement-Qualifizierung gehen auf Strukturen zurück, die Klaus Pannenbäcker mitentwickelt hat.

Gleichzeitig steht Klaus Pannenbäcker wie kaum ein anderer für die internationale Vernetzung der Disziplin. In den 1990er-Jahren gründete er als „First Assessor“ IPMA-Organisationen in 18 Ländern und führte dort Training und Zertifizierung ein. Überall verfolgte er dasselbe Ziel: ein gemeinsames, kompetenzbasiertes Verständnis professionellen Projektmanagements zu etablieren. Wer mit ihm zusammenarbeitete, erlebte einen Menschen, der fachliche Klarheit mit internationalem Geist verband – verbindlich im Anspruch, offen im Gespräch und getragen von der Überzeugung, dass Zusammenarbeit über Grenzen hinweg gelingen kann.

Das Wirken von Klaus Pannenbäcker hat entscheidend dazu beigetragen, Projektmanagement auch weltweit als eigenständige Profession mit verbindlichen Kompetenzstandards zu etablieren. Auch als Senior Trainer der GPM und Dozent an Fachhochschulen engagierte er sich intensiv für die internationale Verbreitung professioneller Projektmanagement-Standards. Als Präsident der IPMA von 1994 bis 1996 und später als Chairman of the Council trug er wesentlich dazu bei, die internationale Zusammenarbeit der Projektmanagement-Verbände auszubauen. Er gab der Profession Struktur – und vielen Menschen Mut, ihre eigene Kompetenz weiterzuentwickeln.

Dabei blieb Klaus Pannenbäcker stets stark praxisorientiert. Ihm ging es nicht um abstrakte Modelle, sondern um die Frage, wie Projekte in Unternehmen und Organisationen erfolgreicher umgesetzt werden können. Viele Weggefährten erlebten ihn als präzisen, strukturierten und zugleich offenen Gesprächspartner, der internationale Perspektiven mit praktischer Erfahrung verband. Seine Klarheit war nie Selbstzweck; sie diente dem gemeinsamen Ziel, Projekte besser zu machen und Menschen in ihrer professionellen Entwicklung zu stärken.

Für seine Verdienste wurde er 1998 als einer von vier „Ur-Assessoren“ der PM-ZERT gewürdigt, zudem war er Ehrenvorsitzender der GPM. Noch im vergangenen Jahr ehrten GPM und IPMA ihn beim IPMA World Congress in Berlin als einen der prägenden Pioniere des modernen Projektmanagements. Diese Würdigung war Ausdruck großer Dankbarkeit – für ein Lebenswerk, das weit über Funktionen und Titel hinausreicht.

Mit Klaus Pannenbäcker verliert die Projektmanagement-Community einen ihrer wichtigsten Wegbereiter. Sein Wirken bleibt sichtbar – in internationalen Standards, in Ausbildungs- und Zertifizierungssystemen sowie in den Strukturen, auf denen professionelles Projektmanagement heute aufbaut. Vor allem aber bleibt die Erinnerung an einen Menschen, der seine Erfahrung geteilt, andere gefördert und dem Projektmanagement eine klare, professionelle und zugleich zutiefst menschliche Prägung gegeben hat. „Mit großer Anteilnahme gilt unser Mitgefühl seiner Frau, seinen Kindern und allen Angehörigen sowie seinen Weggefährtinnen und Weggefährten. Wir werden Klaus Pannenbäcker in Dankbarkeit und mit großem Respekt in Erinnerung behalten“, sagt GPM Präsident Prof. Dr. Peter Thuy.

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Sebastian Wieschowski