
Viele Organisationen reagieren auf Unsicherheit mit zusätzlichen Analysen, detaillierteren Projektplänen und umfangreicheren Risikobewertungen. Doch genau dieser Reflex kann problematisch werden. „Nicht jede Herausforderung lässt sich durch mehr Planung lösen“, sagt Pisar. Entscheidend sei vielmehr die Fähigkeit, zwischen komplizierten und komplexen Situationen zu unterscheiden. Während sich komplizierte Aufgaben durch Fachwissen, Analysen und etablierte Methoden beherrschen lassen, folgen komplexe Systeme einer anderen Logik. Hier sind Ursache und Wirkung oft erst im Nachhinein erkennbar, während Entwicklungen im Voraus nur begrenzt prognostiziert werden können.
„Komplexität als Stärke – Wenn Planung mehr Chaos erzeugt“ gehört zu den Highlight-Präsentationen des PM Forum 2026. Europas führender Fachkongress für Projektmanagement bringt am 8. und 9. Oktober 2026 in München Projektverantwortliche, Führungskräfte, PMO-Experten und Entscheider aus Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft zusammen. Das Programm umfasst Keynotes, Praxisberichte, Fachvorträge und Diskussionsformate zu aktuellen Herausforderungen und Zukunftsthemen des Projektmanagements.
In seinem Vortrag erläutert Dr. Thomas Pisar, warum Projektmanager Unsicherheit nicht mit Risiko verwechseln sollten. Risiken lassen sich bewerten und mit Eintrittswahrscheinlichkeiten versehen. Komplexität hingegen erzeugt Situationen, in denen wichtige Entwicklungen noch gar nicht bekannt sind. Wer versucht, solche Unsicherheiten vollständig zu kontrollieren, produziert häufig lediglich eine Scheinsicherheit. Stattdessen plädiert Pisar für einen bewussteren Umgang mit Nichtwissen, für Experimente als Instrument der Erkenntnisgewinnung und für die Fähigkeit, schwache Signale im Projektumfeld frühzeitig wahrzunehmen.
Dabei geht es keineswegs um eine Absage an Planung oder Projektmanagement. Vielmehr zeigt der Vortrag, wie klassische Steuerungsinstrumente und moderne Ansätze sinnvoll miteinander kombiniert werden können. Planung bleibt dort unverzichtbar, wo Zusammenhänge bekannt und berechenbar sind. In komplexen Situationen benötigen Projektmanager jedoch zusätzliche Fähigkeiten: die Bereitschaft zum Lernen, den Umgang mit Ambiguität und die Kompetenz, geeignete Rahmenbedingungen für Erkenntnisgewinn und Anpassung zu schaffen.
Dr. Thomas Pisar ist Physiker, Executive Advisor, Autor und Speaker zu den Themen Komplexität, Künstliche Intelligenz und Führung. In seiner Arbeit verbindet er naturwissenschaftliches Denken mit Organisations- und Entscheidungstheorie und unterstützt Führungskräfte dabei, auch unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben. Sein aktuelles Buch „Komplexität als Stärke“ beschäftigt sich mit der Frage, wie Organisationen in einer zunehmend dynamischen Welt erfolgreich mit Komplexität umgehen können.
Der Vortrag von Thomas Pisar unter dem Titel „Komplexität als Stärke – Wenn Planung mehr Chaos erzeugt“ findet am 08.10.2026 von 16:30 – 17:15 Uhr im Raum Nymphenburg 1-3 (EG) statt.
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