IPMA World Congress 2025: Vielfalt, Transformation und Zukunftsperspektiven am zweiten Tag

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IPMA World Congress 2025: Vielfalt, Transformation und Zukunftsperspektiven am zweiten Tag

Der zweite Tag des IPMA World Congress 2025 knüpfte an den gelungenen Auftakt an und zeigte, wie inspirierend der internationale Austausch wirken kann. Von Beginn an lag eine besondere Energie im Kongresszentrum: volle Säle, gespannte Aufmerksamkeit und die spürbare Neugier auf neue Impulse.

AC Coppens führte souverän und inspirierend durch das Programm, verband die vielfältigen Vorträge zu einem stimmigen Ganzen und sorgte für eine lebendige Bühne. Schon am Vormittag wurde deutlich, wie groß die inhaltliche Spannweite war. Themen wie Künstliche Intelligenz und Governance, interkulturelle Zusammenarbeit und nachhaltiges Projektmanagement eröffneten nicht nur neue Einsichten, sondern boten zugleich Raum für intensiven Austausch.

Zwischen den einzelnen Vorträgen entwickelte sich ein lebendiges Miteinander, das dem Kongress eine besondere Dynamik verlieh. Gespräche beim Kaffee, Begegnungen auf den Fluren und der internationale Dialog machten den Mehrwert des Events greifbar. Hier wurden Kontakte geknüpft, Ideen weitergedacht und neue Kooperationen angeregt. So zeigte sich, dass die Stärke des Kongresses nicht allein in den Inhalten lag, sondern ebenso in den Begegnungen, die den Blick auf gemeinsame Zukunftsperspektiven schärften.

Ehrung für Pioniere des Projektmanagements

Ein besonderer Moment war die feierliche Ehrung langjähriger Wegbereiter des Projektmanagements durch GPM Präsident Prof. Dr. Peter Thuy auf der Bühne.

Mit Klaus Pannenbäcker, Prof. Dr. Hasso Reschke, Prof. Dr. Nino Grau und Prof. Dr. Reinhard Wagner wurden herausragende Persönlichkeiten gewürdigt, die das Projektmanagement in Deutschland und international als Forscher, Autoren, Gestalter von Standards und Brückenbauer zwischen Organisationen und Kulturen maßgeblich geprägt haben. Prof. Dr. Heinz Schelle konnte aus gesundheitlichen Gründen leider nicht teilnehmen, war aber in den Worten der Würdigung präsent. Die Anerkennungen zeigten, wie stark ihr Wirken zur Entwicklung der GPM, zur Internationalisierung und zur Professionalisierung des Projektmanagements beigetragen hat.

Keynotes: Vielfalt als Stärke, Mentalität als Schlüssel

Die Keynote „Wie Vielfalt unsere Zukunft gestaltet“ von ZDF-Moderator Mitri Sirin machte deutlich, dass Diversität längst Normalität ist und zugleich eine enorme Chance bietet. Ob im Journalismus oder in der Wirtschaft – interkulturelle und neurodiverse Teams entwickeln bessere Lösungen, erkennen Risiken früher und schaffen Innovationen, die näher an den Bedürfnissen der Menschen liegen. Damit dies gelingt, braucht es Führung, die Klarheit, Transparenz und Empathie vereint. Sirin betonte zudem, dass öffentliche Debatten entscheidend dafür sind, ob Vielfalt als Stärke oder als Bedrohung wahrgenommen wird. Angesichts von Migration und demografischem Wandel wird Diversität zu einem festen Bestandteil der Arbeitswelt und zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil für Projekte und Organisationen. 

Laura Ludwig sprach in ihrer Keynote „Erfolgsstrategien aus dem Spitzensport“ über ihren Weg von der Hallenspielerin zur Olympiasiegerin und Weltmeisterin – und darüber, warum Spitzenleistung immer im Kopf beginnt. Im Mittelpunkt standen drei eng miteinander verknüpfte Faktoren: Mindset, Fokus und Team. Veränderung annehmen, Ausreden vermeiden und Rückschläge als Lernchancen begreifen, bilden dabei den mentalen Rahmen. Fokus bedeutet, in Drucksituationen bei den Details zu bleiben, Entscheidungen klar zu treffen und Automatismen so zu trainieren, dass sie auch im entscheidenden Moment tragen. Den Unterschied machte für sie immer das Team: klare Rollen, verbindliche Absprachen und das Vertrauen in Expertinnen und Experten halfen, selbst schwierige Phasen wie die Vorbereitung auf Olympia oder die WM in Wien zu meistern. 

Anhand von Beispielen aus Peking, London, Rio und Wien zeigte sie, wie aus anfänglichem Widerstand Lernbereitschaft entsteht und wie eine gemeinsame Zielbindung den entscheidenden Punkt möglich macht. Für das Projektmanagement ist die Botschaft klar: Erfolg entsteht dort, wo Haltung, Konzentration und Zusammenarbeit zusammenwirken. Besonders dann, wenn sich Rahmenbedingungen ändern und Spitzenleistung auf Abruf gefragt ist.

Themen des Tages

Der zweite Kongresstag zeigte eindrucksvoll, wie facettenreich Projektmanagement heute verstanden wird. Im Zentrum standen Fragen nach der Rolle von Künstlicher Intelligenz, dem Wandel von Führungsmodellen und den Anforderungen an nachhaltige Steuerung in komplexen Umfeldern. Fachvorträge, wissenschaftliche Analysen, praxisnahe Fallbeispiele und offene Dialogformate führten unterschiedliche Sichtweisen zusammen und schärften den Blick auf die zukünftige Entwicklung der Disziplin.

Fachvorträge mit Weitblick

Im Mittelpunkt des zweiten Kongresstages stand die KI-Transformation zwischen Governance und Datenqualität. Diskutiert wurde, wie PMOs Künstliche Intelligenz strategisch verankern, welche neuen Aufgaben Sponsoren und Lenkungsausschüsse übernehmen und weshalb verlässliche Daten die unverzichtbare Basis für tragfähige Entscheidungen sind. Zugleich wurde aufgezeigt, wie Organisationen Strukturen entwickeln können, um dieses Potenzial wirksam zu nutzen.

Auch das Thema Führung zog sich wie ein roter Faden durch die Beiträge. Ob geteilte Verantwortung in Teams, Positive Leadership im Stil von Ted Lasso oder das Vertrauen zwischen 28 Kulturen: Überall wurde sichtbar, dass erfolgreiche Führung nicht mehr an starren Hierarchien hängt, sondern von Vielfalt und gegenseitigem Verständnis lebt.

Ein weiteres Augenmerk lag auf Transformation und Change in etablierten Strukturen. Beispiele aus Bauwirtschaft, Luftfahrt, Medien und NGOs verdeutlichten, wie digitale Werkzeuge, Lean-Prinzipien und neue PMO-Ansätze tiefgreifende Veränderungen ermöglichen, selbst in streng regulierten Branchen.

Darüber hinaus gewannen Nutzenorientierung und Nachhaltigkeit an Gewicht. Vom Steuern komplexer Programme über das Abhängigkeitsmanagement im Baltic Synchronisation Project bis hin zu globalen Partnerschaften für Klima und Entwicklung wurde deutlich, dass Projekte heute weit mehr leisten müssen als nur Zeit- und Kostenziele zu erfüllen.

Abgerundet wurde die thematische Vielfalt durch weitere Impulse: etwa minimalistisches Projektmanagement in NGOs, neue IPMA Publikationen mit ESG- und Nachwuchs-Fokus oder kreative Nebenprojekte, die den Blick auf Projektarbeit überraschend erweiterten.

Research Presentations

Die Research Presentations gaben Einblicke in zentrale Zukunftsthemen des Projektmanagements: Eine Fallstudie der Versicherung Triglav Osiguranje zeigte, wie ESG-Kriterien verbindlich in die Projektbewertung integriert werden können und so Strategie und Nachhaltigkeit messbar verbinden. Ein Rahmenmodell der Stellenbosch University verdeutlichte, dass KI in Projekten nur dann wirksam ist, wenn verlässliche Daten, transparente Algorithmen und Vertrauen in die Prozesse vorhanden sind. Eine qualitative Studie hob hervor, wie Gamification die Kompetenzentwicklung von Scrum Mastern unterstützt, sofern Lernpfade individuell und motivierend gestaltet sind. Den Ausblick rundete eine Delphi-Studie zum Projektmanagement 2035 ab, die neue Schlüsselqualifikationen wie Datenkompetenz, hybride Methoden und sinnorientierte Führung für den Mittelstand identifizierte.

Fireside Chat

Im Fireside Chat sprach AC Coppens mit Shantu Bhattacharjee über Erfahrungen aus einer wachsenden Agentur und die übertragbaren Lehren für andere Organisationen. Bhattacharjee machte deutlich, dass Unternehmen in unterschiedlichen Entwicklungsphasen ihre Strukturen immer wieder neu ausrichten müssen und dass Vertrauen, Transparenz sowie eine mentorbasierte Führungskultur entscheidend für nachhaltiges Arbeiten sind.

Besonderes Gewicht lag auf der Rolle von Automatisierung und KI-Agenten, die Prozesse beschleunigen und Freiräume für Kreativität schaffen. Gleichzeitig betonte Bhattacharjee, dass Intuition, Empathie und Kreativität nicht ersetzt werden können, denn die Zukunft liege in der Kombination von menschlicher Kommunikation und technologischer Effizienz.

Interview

Im Interview mit Gilbert Silvius, Sara Bossi und Max Panaro stand die Frage im Mittelpunkt, wie sich Nachhaltigkeit im Projektmanagement konkret verankern lässt. Beide betonten, dass Projekte nicht isoliert betrachtet werden dürfen, sondern stets einen Beitrag zu ökologischen, sozialen und ökonomischen Zielen leisten sollten. Sie zeigten auf, wie ESG-Kriterien als verbindliche Maßstäbe in die Steuerung einfließen können und welche kulturellen Veränderungen nötig sind, damit nachhaltiges Handeln nicht als Pflicht, sondern als Chance verstanden wird. Ihre Botschaft: Nur wenn Nachhaltigkeit fest in Prozessen und Entscheidungsstrukturen verankert ist, entfaltet Projektmanagement seine volle Wirkung für Unternehmen und Gesellschaft.

Schlusswort

Mit einer eindrucksvollen Rede beendete GPM Präsident Prof. Dr. Peter Thuy den 34. IPMA World Congress. Er würdigte die Vielfalt der Themen und Perspektiven, die während der zwei Tage im Mittelpunkt standen, und hob die besondere Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit hervor. Gerade in einer Zeit, in der Projekte zunehmend komplexer und globaler werden, sei es die Stärke der Community, Wissen, Erfahrungen und Werte über Grenzen hinweg zu teilen.

Thuy betonte, dass Projektmanagement weit mehr ist als das Anwenden von Methoden und Tools. Es gehe um Verantwortung für Menschen, Organisationen und Gesellschaft. Nachhaltigkeit, Innovationskraft und die Fähigkeit, Veränderungen aktiv zu gestalten, bilden dabei die Leitlinien, an denen sich die Profession künftig orientieren wird.

Ein ganz besonderer Dank galt Projektleiter Matthias Friedrich und stellvertretender Projektleiterin Anne Ramerth für die hervorragende Organisation des IPMA World Congress, die diesen internationalen Austausch erst möglich gemacht hat.

Mit diesem Ausblick und der Wertschätzung für das Engagement aller Beteiligten machte Thuy deutlich, dass die internationale Projektmanagement-Community nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch eine Haltung prägt, die Offenheit, Dialog und Zukunftsorientierung in den Mittelpunkt stellt. Damit fand der Kongress einen würdigen Abschluss, der Inspiration, Motivation und Orientierung für die kommenden Jahre bietet.

Ansprechpartner

Katja Bäumel