Antworten auf diese Fragen standen im Mittelpunkt des 15. Projektmanagement-Tags in Karlsruhe, zu dem die GPM Regionalleitung Karlsruhe am 17. Juli in den Smart Production Park eingeladen hatte. Die Veranstaltung war zugleich Teil der Sommertour von GPM Präsident Prof. Dr. Peter Thuy, der in seiner Begrüßung den Blick auf die Zukunft des Berufsbildes richtete.
„Wird es den Beruf des Projektmanagers überhaupt noch geben?“ Diese Frage werde ihm derzeit häufig gestellt, berichtete Peter Thuy. Seine Antwort falle eindeutig aus: Ja – allerdings werde sich das Berufsbild grundlegend verändern. Während Künstliche Intelligenz zunehmend administrative Aufgaben übernehmen könne, rückten Führung, Kommunikation, Empathie und die Zusammenarbeit mit Menschen stärker in den Mittelpunkt. Projektmanagerinnen und Projektmanager würden künftig noch stärker an strategischen Entscheidungen beteiligt sein und Transformation aktiv mitgestalten. Diese Entwicklung spiegele sich auch in der neuen IPMA Individual Competence Baseline (ICB) wider, in der Kompetenzen wie Empathie und Risikosteuerung künftig einen höheren Stellenwert erhalten.
Thuy ordnete diese Entwicklung in einen größeren Zusammenhang ein: Projektmanagement werde künftig noch stärker zur Führungsaufgabe. Je mehr operative und administrative Tätigkeiten automatisiert würden, desto wichtiger werde die Fähigkeit, Menschen einzubinden, Veränderungen zu gestalten und Orientierung zu geben. Gerade in Zeiten tiefgreifender Transformation seien Projektmanagerinnen und Projektmanager gefordert, nicht nur Projekte erfolgreich umzusetzen, sondern auch als Bindeglied zwischen Strategie und Umsetzung zu wirken. Damit, so Thuy, wachse zugleich die Verantwortung des Berufsstands, die Zukunft von Organisationen aktiv mitzugestalten.
Den praktischen Einsatz von KI im Projektalltag zeigte anschließend Michaela Kühn. Sie machte deutlich, dass nicht die Wahl des KI-Systems über die Qualität der Ergebnisse entscheidet, sondern vor allem die Qualität der Eingaben. Entscheidend seien ein klar definierter fachlicher Kontext, präzise Fragestellungen und die Einbindung relevanter Normen, Geschäftsregeln und Rahmenbedingungen. Gerade im Anforderungsmanagement könne KI ihre Stärken ausspielen, indem sie Lastenhefte analysiere, unklare Formulierungen identifiziere, Risiken sichtbar mache oder Anforderungen strukturiere. Gleichzeitig betonte Kühn, dass KI kein Ersatz für fachliche Expertise sei, sondern als intelligenter Assistent verstanden werden müsse, dessen Ergebnisse stets kritisch geprüft werden.
Besonders praxisnah waren ihre Empfehlungen für den täglichen Umgang mit KI. So riet sie dazu, für unterschiedliche Themen eigene KI-Projekte mit fest definiertem Kontext anzulegen, vorhandene Dokumente systematisch auf Qualitätsmängel analysieren zu lassen und mithilfe des sogenannten Reverse Prompting die KI selbst zu fragen, welche Informationen sie für eine optimale Antwort benötigt. Ebenso wichtig sei es, den fachlichen Suchraum durch Normen, Gesetze und Geschäftsregeln bewusst einzugrenzen und die erste Antwort der KI niemals ungeprüft zu übernehmen, sondern durch gezielte Rückfragen kontinuierlich zu verbessern. Damit werde KI zu einem Werkzeug für Qualitätssicherung und Analyse – nicht nur für die Texterstellung.
Weitere Impulse verdeutlichten die thematische Breite der Veranstaltung. Bernhard Konrad Schwab zeigte Wege zu einer modernen Anforderungsspezifikation auf und machte deutlich, wie sich Anforderungen klarer formulieren und erfolgreicher in Projekte überführen lassen. Daniel Westermayr widmete sich der digitalen Transformation und beleuchtete anhand agiler Ansätze, wie Organisationen Veränderungen nachhaltig gestalten können. Tim-Philipp Weber rückte schließlich die Arbeitsorganisation und die Begleitung von Organisationsentwicklung in den Mittelpunkt und zeigte auf, wie Veränderungsprozesse mit systemischen Ansätzen erfolgreich unterstützt werden können. Zwischen den Fachbeiträgen boten ausgedehnte Networking-Pausen Gelegenheit zum intensiven Austausch und zur Vernetzung der Teilnehmenden.