Projektleitende arbeiten an einer zentralen Schnittstelle. Sie verbinden Auftraggeber, Projektteam, Fachbereiche, Management und externe Partner. Gerade diese Funktion macht sie für Organisationen unverzichtbar. Gleichzeitig führt sie dazu, dass sie häufig zwischen unterschiedlichen Erwartungen stehen: Ein Termin soll gehalten, eine zusätzliche Anforderung umgesetzt und das Budget dennoch nicht erhöht werden. Solche Widersprüche lassen sich nicht immer durch bessere Planung oder Moderation auflösen.
Der Vortrag „Allein unter Stakeholdern“ gehört zum Programm des PM Forum 2026. Europas führender Fachkongress für Projektmanagement bringt am 8. und 9. Oktober 2026 in München Projektverantwortliche, Führungskräfte, PMO-Experten und Entscheider aus Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft zusammen.
Bousquet richtet den Blick auf die Frage, wo die Verantwortung der Projektleitung endet. Projektleitende können Konflikte sichtbar machen, Konsequenzen erläutern und Entscheidungen vorbereiten. Nicht jede Entscheidung gehört jedoch auf ihre Ebene. Wenn konkurrierende Anforderungen priorisiert, zusätzliche Ressourcen bereitgestellt oder grundlegende Zielkonflikte aufgelöst werden müssen, sind häufig Auftraggeber, Führungskräfte oder Entscheidungsgremien gefordert.
Gerade darin liegt eine zentrale Herausforderung der Rolle: Projektleitende werden oft daran gemessen, ob das Projekt funktioniert, obwohl wesentliche Voraussetzungen außerhalb ihres direkten Einflusses liegen. Fehlen Ressourcen, kommen Entscheidungen zu spät oder bestehen widersprüchliche Erwartungen, entsteht schnell die Erwartung, eine erfahrene Projektleitung werde das Problem schon lösen. Bousquet zeigt dagegen, warum solche Spannungen auch als strukturelle Fragen betrachtet werden müssen.
Eine wichtige Rolle spielen dabei die formellen und informellen Regeln einer Organisation. Entscheidend ist nicht nur, welche Verantwortlichkeiten in Organigrammen oder Prozessbeschreibungen festgelegt sind. Ebenso wichtig ist, wie Organisationen tatsächlich mit Problemen, Eskalationen und schlechten Nachrichten umgehen. Wird frühzeitige Transparenz unterstützt? Dürfen unrealistische Vorgaben offen infrage gestellt werden? Und können Projektleitende Konflikte an die zuständige Entscheidungsebene zurückgeben?
Damit richtet sich der Vortrag nicht nur an Projektleitende. Auch Organisationen müssen sich fragen, welche Erwartungen sie mit dieser Rolle verbinden. Klare Verantwortlichkeiten, nachvollziehbare Entscheidungswege und funktionierende Eskalationsmechanismen können dazu beitragen, dass Projektleitende nicht dauerhaft strukturelle Widersprüche auffangen müssen.
Beim PM Forum wird Bousquet diese Fragen gemeinsam mit den Teilnehmenden diskutieren. Ein Teil der Session ist ausdrücklich für den Austausch mit dem Publikum vorgesehen. Im Mittelpunkt stehen damit nicht nur theoretische Rollenmodelle, sondern Erfahrungen aus dem konkreten Projektalltag.
Laure Bousquet arbeitete mehr als 15 Jahre als Elektronik-Architektin in technischen Führungsrollen bei BMW und Audi. Bei CARIAD begleitete sie Transformationsprozesse als Change Managerin und Coach. Heute ist sie als systemische Organisationsberaterin und Trainerin tätig und unterstützt Führungskräfte und Teams im Umgang mit komplexen Rollenanforderungen und organisationalen Spannungsfeldern.
Der Vortrag von Laure Bousquet unter dem Titel „Allein unter Stakeholdern“ findet am 8. Oktober 2026 von 14:00 bis 14:45 Uhr im Raum Schwabing 1–3 (UG) statt.
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