Zukunftswünsche von Dr. Barbara Weis


Was wünschen Sie der GPM zum 40-jährigen Vereinsbestehen?

Ich wünsche der GPM zu ihrem 40-jährigen Jubiläum weiterhin viel Gespür und Geschick, die richtigen Antworten auf die Erfordernisse und Notwendigkeiten der Zeit zu entwickeln und zu geben.


Welche Themen werden bei der Zukunftsgestaltung des Projektmanagements und der GPM, Ihrer Meinung nach, eine wichtige Rolle spielen?

„Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung.“ Das sagte schon der griechische Philosoph Heraklit. Seit jeher gehört Veränderung zum Menschsein und zu jeder Gesellschaft. Gerade in der heutigen Zeit ist diese Veränderung durch Schnelligkeit geprägt.

Das moderne Projektmanagement in seiner ursprünglichen Ausdrucksform, also als Instrument oder Werkzeugkasten für die Umsetzung von insbesondere technischen Ideen, gründet mit seiner deterministischen Haltung auf der Annahme stark kausaler Ursache-Wirkung-Ketten. Diese können zuverlässig und einigermaßen vorausschauend geplant und anschließend kontrolliert umgesetzt werden. Das Paradigma „plan & control“ findet sich auch heute noch in weiten Teilen der Projektlandschaft.

Doch gerade in den letzten Jahren erscheint das „plan & control“-Paradigma nicht mehr zeitgemäß in unserer Gesellschaft, die ständig schnellen und unvorhersehbaren Veränderungen ausgesetzt ist. Projektmanagement muss lernen, viel selbstverständlicher als heute mit volatilen, mehrdeutigen und unvorhersehbaren Rahmenbedingungen umzugehen. Wir müssen ein neues Paradigma „sense & response“ lernen.

Ich bin überzeugt, dass die Entwicklung der Gesellschaft zunehmend von erfolgreichen Projekten abhängen wird. Deswegen sollte – auf der eben beschriebenen Basis – jeder Bürger in unserer Gesellschaft befähigt werden, seine Ideen mit den Instrumentarien des Projektmanagements zu verwirklichen.

Und da kommt schon die zweite große Herausforderung: Es müsste ein Projektmanagement sein, das eine einfache Sprache spricht. Das heißt, dass es von allen angewandt werden kann.

Ist diese Voraussetzung einmal gegeben, dann wird sich Projektmanagement in alle Gesellschaftskreise und in alle Themenbereiche ausdehnen, da es ein Werkzeug ist, das sich bestens für den Umgang mit den Rahmenbedingungen der modernen Gesellschaft eignet.

Dr. Barbara Weis ist Mitglied der GPM Arbeitsgruppe „Werte in der Digitalen Transformation“ bei der Hanns-Seidel-Stiftung.