Zukunftswünsche von Clemens Drilling, Vorsitzender des Präsidialrats der GPM


Was wünschen Sie der GPM zum 40-jährigen Vereinsbestehen?

Ich wünsche der GPM, dass sie auch in der Zukunft die Weiterentwicklung des Projektmanagements maßgeblich mitbestimmt. Das gelingt am wirksamsten, wenn sie selbst eine agile und werteorientierte Organisation ist. Dann ist sie ein Vorbild für andere Organisationen und kann sich mit diesem Zukunftsthema auch überzeugend auf dem Markt positionieren.

Wir sind in der GPM auf dem Weg dorthin, haben schon einige Erfolge erzielt und haben noch ein Stück des Weges vor uns. Dafür wünsche ich viel Energie. 

Welche Themen werden bei der Zukunftsgestaltung des Projektmanagements und der GPM, Ihrer Meinung nach, eine wichtige Rolle spielen?  

Projekte haben schon immer Zukunft gestaltet. In Deutschland tragen sie mit mehr als einer Billion Euro zu unserem gemeinsamen Wohlstand bei, Tendenz steigend. Sie unterstützen auch den Weg unserer Gesellschaft vom Industriezeitalter hin zur globalen und meist digitalen Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft. Digitalisierung, Neue Arbeit und Industrie 4.0 sind nur einige der aktuellen Schlagworte dafür.

Auf diesem Weg ändern sich die Rahmenbedingungen unseres (wirtschaftlichen) Handelns grundlegend. Starre Strukturen weichen zunehmend flexiblen und temporären Organisationsformen der Zusammenarbeit, langfristiges Planen wird abgelöst durch das bewusste „Steuern auf Sicht“, und dies alles mit einer Geschwindigkeit von sich ändernden Marktanforderungen, die uns manchmal erschaudern lässt. 

Deswegen ändert sich aktuell auch das Projektmanagement wesentlich. Wir brauchen Konzepte für schnelleres Handeln in großer Unsicherheit, hoher Komplexität und ohne eindeutige Entscheidungsgrundlagen. Dazu ist eine weitergehende Humanisierung im Projektmanagement notwendig. Der ganze Mensch mit seinen Fähigkeiten, Bedürfnissen und seiner Geisteshaltung rückt (wieder) in den Fokus des aktiven Umgangs mit allen Beteiligten. Die Konzentration auf die Qualität der Zusammenarbeit, auf die Kultur im Projekt, verstärkt sich und verlangt nach mehr sozialen Fähigkeiten der wichtigen Akteure, als das in früheren Zeiten notwendig war. Kultur und Werte werden die Topthemen für Agilität und Transformation sein und das Projektmanagement wird den Menschen noch stärker in den Mittelpunkt stellen.

Die ICB 4 berücksichtigt das bereits mit ihren insgesamt zehn notwendigen Verhaltenskompetenzen für erfolgreiches Projektmanagement und den neu hinzugekommenen Themen „Kultur und Werte“ und „Macht und Interesse“. Zukünftiger Projekterfolg wird sich durch die Qualität menschlicher Zusammenarbeit entscheiden, das Beherrschen der technisch-fachlichen Kompetenzen immer vorausgesetzt.