Gründung der GPM


Von einer Gesellschaft, die es eigentlich gar nicht geben sollte

Es war im Herbst 1976 auf dem V. Internet-Weltkongress in Birmingham. (Der erste war 1967 in Wien). Ich traf Roland Gutsch (Dornier; gest. 2009), der mit großem Weitblick die Vorgängerorganisation der IPMA 1965 mitbegründet hatte. Eine nationale deutsche Organisation gab es noch nicht. Trotzdem hatte Gutsch der Internet versprochen, 1979 in Deutschland einen Weltkongress in München zur Zeit des Oktoberfestes zu organisieren. Obwohl ich als Vertreter der Firma Siemens mit ihm seit 1969 im PPS-Ausschuss, einem Arbeitskreis des Verteidigungsministeriums, der sich mit Netzplantechnik befasste, so manchen fachlichen Kampf ausgefochten hatte, fragte er mich, ob ich bei der Planung und Realisierung mitmachen wolle. Ich sagte zu, nicht ahnend worauf ich mich da eingelassen hatte. Prof. Dr. Hasso Reschke, ein früherer Mitarbeiter von Gutsch, war als Dritter schon an Bord. Da das Oktoberfest in München bereits in den 70er Jahren sehr begehrt war, mussten wir uns einen anderen Veranstaltungsort suchen. Die Wahl, die wir nie bereuen mussten, fiel auf Garmisch-Partenkirchen. Das Versprechen „Besuch des Oktoberfestes“ wurde trotzdem eingehalten. Aber zurück zum Jahr 1976. Da wir weder Geld noch eine Organisation hinter uns hatten, wandten wir uns an die Deutsche Gesellschaft für Operations Research e.V. (DGOR, heute GOR), in der ich eine Arbeitsgruppe „Netzplantechnik“ leitete. Netzplantechnik und Projektmanagement waren damals zumindest in der Bundesrepublik mehr oder weniger Synonyme. Die Führung der DGOR lehnte unser Ansinnen, die Trägerschaft und Finanzierung zu übernehmen, strikt ab. Daraufhin wurde ein neuer Verein, sozusagen der Vorgänger der 1979 gegründeten GPM, ins Leben gerufen. Aufgabe dieses Vereins, der längst aufgelöst ist, war es, den VI. Weltkongress zu organisieren. Jetzt hatten wir zwar eine Organisation, aber immer noch kein Geld. Da entschloss sich Roland Gutsch ein persönliches Darlehen aufzunehmen, eine Tat, die zeigt, wie viel Idealismus und Pioniergeist damals notwendig waren, um das Führungskonzept Projektmanagement, das beim Großteil der deutschen Industrie auf wenig Begeisterung, ja teilweise sogar auf massiven Widerstand stieß, voranzubringen.

Hätte die DGOR, die jetzt etwa 1300 Mitglieder hat, damals zugesagt, gäbe es die GPM vielleicht gar nicht. Wenn ich heute auf unseren wunderbaren Foren sein darf, denke ich oft mit Dankbarkeit an unseren langjährigen IPMA-Präsidenten, Vorstandsvorsitzenden der GPM und ersten Ehrenvorsitzenden, der mit seinem unerschütterlichen Optimismus (Standardspruch „Nur ka Sorg“), seiner Motivationsfähigkeit und seiner Kreativität die Grundlage dafür gelegt hat. Es war eine Freude mit ihm zu arbeiten. Wenn einer das Bundesverdienstkreuz verdient hat, dann er.

 

Autor: Prof. Dr. Heinz Schelle, Gründungsmitglied und Ehrenvorsitzender der GPM