Preisträger 2014

Ganz oder gar nicht: Die Vollsperrung der A40

Und dann passierte: nichts. Dass die Abwesenheit fernsehtauglicher Bilder und ein in Folge nicht gesendeter Beitrag zur eindrucksvollsten Dokumentation eines Projekterfolgs werden, hat Seltenheitswert. Ist aber in Nordrhein-Westfalen genauso geschehen: als die Autobahn 40 im Sommer 2012 für drei Monate wegen Wartungsarbeiten dicht gemacht wird – und der von vielen erwartete Verkehrsinfarkt ausbleibt.

Komplett sperren und in drei Monaten fertig sein – oder teilweise sperren und zwei Jahre bauen? Der Landesbetrieb Straßen.NRW entscheidet sich bei der Sanierung des Ruhrschnellwegs für die erste Variante entschieden und betritt damit infrastrukturelles Neuland. Das Kalkül: Drei Monate Vollsperrung ersparen zweijährige Verkehrsbehinderungen – und kosten 5,5 Millionen Euro weniger als Teilsperrungen.

Die Rechnung geht auf, dank solider Vorbereitung und einer im Projektmanagement verankerten Kommunikationsstrategie: Auftretende Probleme werden mit den Beteiligten direkt am Tisch gelöst und Fachexperten zugleich intensiv eingebunden, um technische Hindernisse schnell zu überwinden. Dies schafft Verbindlichkeit und Vertrauen und zahlt sich in Geschwindigkeit aus. So blieb das befürchtete Verkehrschaos aus und die Bauarbeiten werden im versprochenen Zeitrahmen abgeschlossen. „Dass der Verkehr ohne große Einschränkungen fließen und die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen in so einer kurzen Zeitspanne durchgeführt werden konnten, ist in hohem Maße der engen Kooperation und Abstimmung aller Beteiligten zu verdanken“, wie Straßen.NRW-Projektleiterin Annegret Schaber später sagen wird. „Das Projekt ist beispielhaft und hat die Basis dafür gelegt, im Baustellenmanagement neue Wege zu gehen – in Nordrhein-Westfalen und deutschlandweit.“

Meilenstein alpiner Bergrettung

Ein Schwerverletzter in 1.000 Meter Tiefe, gefangen in einem Höhlensystem mit senkrechten Schluchten und engen, nassen Gängen. 274 Stunden des Hoffens und Bangens. Und über 700 Helfer aus fünf Ländern, die im Wettlauf gegen die Zeit an ihre Grenzen gehen.

An dramatischen Superlativen ist der Unfall des Höhlenforschers Johann Westhauser in der Riesending-Schachthöhle nicht zu überbieten. Doch mehr noch als das Unglück selbst ist es das Rettungsprojekt, das im Juni 2014 europaweit für Aufmerksamkeit sorgt: Aufmerksamkeit, die schließlich nach zwölf Einsatztagen umschlägt in Bewunderung für eine beispiellose Gemeinschaftsleistung. Denn geschrieben wird dieses Kapitel alpiner Rettungsgeschichte mit länderübergreifender Solidarität, Teamgeist und einem gewaltigen Koordinations- und Kommunikationsaufwand: „Eine Mammutaufgabe und die schwierigste Rettung in der Geschichte der Bergwacht“, wie Einsatzleiter Klemens Reindl später sagen wird.

Das Projektmanagement wächst hier mit seinen Aufgaben: Haupt- und ehrenamtliche Einsatzkräfte arbeiten Hand in Hand und rund um die Uhr, um die Materiallogistik zu planen, ein Kommunikationssystem einzurichten und schließlich den Rettungsweg in die Höhle freizulegen. Nichts darf dem Zufall überlassen werden, während alle Abläufe und Maßnahmen ständig angepasst und weiterentwickelt werden müssen. „Nur gemeinsam war es möglich, diesen Einsatz zu bewältigen“, sagt Reindl und macht mit dieser Aussage deutlich, was die Öffentlichkeit nur am Rande wahrnimmt: Technisch ursprünglich als nicht machbar eingestuft, gibt es für die Rettungsaktion in den Berchtesgadener Alpen keinen vorgefertigten Projektplan, keine Planung von langer Hand und keinen Probedurchlauf. Und doch gelingt das scheinbar Unmögliche: ein Leben – gerettet.